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1980 steht ein junger Hengst auf dem Grönwohldhof. Ein Hannoveraner. Pechschwarz - und schon das macht ihn für Gärtner interessant. Als der Hengst sich dann in Bewegung setzt, sind alle Zweifel zerstreut: "Donnerwetter!". Der soll's sein. Nomen est omen. Ninettes Partner, Donnerwetter, stammt von Disput ab. Otto Schulte-Frohlinde hat den Hengst auf dem Verdener Hengstmarkt erstanden von Günter Pape aus Hemmoor. Ninette wird tragend und bringt ein Hengstfohlen zur Welt. Ihren ersten Sohn: Am 30. Mai 1981 wird das Fohlen geboren, das einmal DLG-Siegerhengst werden soll, Deutscher Meister, Mannschaftsweltmeister. Doch der Züchter ist erst einmal geschockt: Da kommt eine weiße Nasenspitze zum Vorschein und als das Fohlen im Stroh liegt erhärtet sich der Verdacht: Ein Fuchs. Rappe mal Rappe; und dann ein Fuchs! Immerhin ein Dunkelfuchs. Bestürzung bei Otto Gärtner. Einmal noch läßt er Ninette von Donnerwetter decken. Und wieder ein Fuchs: Discovery ist mittlerweile siegreich in S-Dressuren. Dennoch entscheidet sich Otto Gärtner, den Hengst zu wechseln: Wanderfalk, der ist schwarz - das 1984 geborene Hengstfohlen - ebenfalls ein Fuchs - ist kein halbes Jahr alt, da sorgt sein älterer Bruder das erste Mal für Schlagzeilen. Auf der Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf erzielt Donnerhall das zweitbeste Resultat - Reservesieger. In der Rittigkeit - 9,5 - unschlagbar. Doch der Weg von den Weiden bei Züchter Otto Gärtner in Travenhorst über den Grönwohldhof in die Hengstleistungsprüfung verläuft alles andere als stringent. Auf Umwegen erst kommt Donnerhall auf den Grönwohldhof. Das auffällige Hengstfohlen - Züchter Gärtner erinnert sich gerne an die Anhänglichkeit, die Donnerhall von Anfang an ausgezeichnet hat - soll verkauft werden. Es findet sich auch ein prominenter Kaufinteressent: Bernhard Huslage aus dem südoldenburgischen Brokstreek kommt in seiner Tätigkeit als Körkommissar nach Holstein, um die in der Exklave gezogenen Fohlen zu begutachten. Der Dunkelfuchs mit den großen, dunklen Augen fällt ihm sofort auf. Huslage und Gärtner werden handelseinig: 5.000 Mark soll der Hengst kosten, der übrigens so kräftig zuckt als das Brenneisen sich ihm nähert, daß das gekrönte O fortan mit deutlicher Schieflage auf seinem Hinterschenkel prangen soll. Alle weiteren Formalitäten, so die Absprache, sollen über den damaligen Zuchtleiter des Oldenburger Pferdezuchtverbandes, Dr. Roland Ramsauer, abgewickelt werden. Ein vielbeschäftigter Mann, der auch schon mal etwas vergessen kann: Bürostreß. Verschiedene Male ruft Otto Gärtner in Oldenburg an; immer vergißt Dr. Ramsauer die ihm aufgetragenen Nachrichten weiterzuleiten. Gärtner muß davon ausgehen, daß Huslage abgesprungen, sein Interesse an dem Donnerwetter-Fohlen erloschen ist. Glück im Unglück: Otto Schulte-Frohlinde möchte das Dunkelfuchs-Fohlen. Donnerhall kommt auf den Grönwohldhof, wird dort als Hengst aufgezogen. Im Herbst treffen sich Bernhard Huslage und Otto Gärtner. Der Züchter möchte wissen, warum der Körkommissar denn den Hengst nicht mehr hatte haben wollen. Bernhard Huslage erfährt erst jetzt von den Telefonaten und dem Versäumnis von Dr. Roland Ransauer. Er knöpft sich den Zuchtleiter vor. Dennoch, so resümiert er heute, sei es eigentlich eine Glückssache, daß nicht er, sondern der Grönwohldhof den Hengst bekommen hat. "Bei mir wäre Donnerhall ja nie das geworden, was er geworden ist". Was alles in dem Pferd steckt, das vor allem durch die tief dunkle Jacke, die satte, braunrote Fuchsfarbe auffällt, ist den Körkommissaren 1983 bei der Körung noch nicht bewußt. Heute schwärmen sie zwar - damals aber lautete das Urteil gerade einmal: "gekört". Mehr nicht, für die Prämierung kamen andere in Frage. Die Strahlemänner der Junghengstkörung 83, Welttraum und Fernblick mit Namen, kennt heute kaum noch jemand. Aber sie sind reif, proper - der kleine Donnerhall hingegen ist noch recht schmal, die Halsung noch längst nicht so ausgeprägt. Und die Oberlinie - die ruft natürlich die Korrektheitsfanatiker auf den Plan. Schwamm drüber - welches Genie wird schon auf Anhieb erkannt. Wunderkinder stehen früh im Rampenlicht: Ein Titel, der Donnerhall dreieinhalbjährig zuerkannt wird. In der Heidelandschaft vor den Toren Celles mögen die Gestütswärter den Dunkelfuchs, der langsam erwachsener wird, mehr und mehr seine Partien auszufüllen versteht. Nach 90 Tagen zeichnet es sich ab: Donnerhall wird auf jeden Fall eine der besten Prüfungen des Adelheidsdorfer Jahrgangs 1984 ablegen. Nur wie gut? Gespannt verfolgt Otto Gärtner die Runde seines Hengstes im Parcours. Daß er in der Dressur souverän an der Spitze stehen würde, daran zweifelt niemand. Aber die bunten Stangen? Gerd Folkers, Mitglied der Körkommission, plagen da Zweifel. Nicht so Otto Gärtner: "Der schmeißt keine Stange runter, der ist ja mit Deister verwandt". Glück oder züchterische Intention - Donnerhall bleibt fehlerfrei. Reservesieger der Hengstleistungsprüfung. Die Freude ist groß. Nicht nur beim Züchter, auch beim Besitzer. Otto Schulte-Frohlinde schließt den Fuchs ins Herz. Sympathie, von der auch Otto Gärtner profitieren soll: Auf die alljährliche Entenjagd wird der Mann aus Travenhorst fortan stets eingeladen. Donnerhall gedeiht prächtig. Er wechselt in den Dressurstall. Bei Karin und Herbert Rehbein entwickelt er sich schnell zum Liebling der Stallgasse: "Donni". Eine Persönlichkeit von Anfang an. Einfach in der Arbeit, lerneifrig. Doch auch in seiner züchterischen Karriere gehts konstant bergauf: 1986 - ein Meilenstein. Nicht nur in Donnerhalls Laufbahn, sondern auch in der Chronik des Oldenburger Pferdezuchtverbandes. In Hannover findet die DLG-Ausstellung statt. Traditionell machen hier die Landbeschäler aus Celle und Warendorf das Rennen unter sich aus. Den Vertretern anderer Zuchtgebiete kommt meistens nur eine Statistenrolle zu. Das scheint auch 1986 ersteinmal so zu sein. Hannover fährt seine "Geheimwaffe" World Cup I auf, mit der Hoffnung, daß der Fuchs im zweiten Anlauf die begehrte Trophäe erringen kann. Aber da ist Donnerhall und der stößt auf Sympathien. Vor allem beim Publikum, das ihn frenetisch feiert: Ingo Pape führt den Fünfjährigen und er legt einige Kilometer zurück an diesem Wochenende. "Das Volk wollte ihn einfach" erinnert sich Körkommissar Bernhard Huslage. Und Kollege Folkers ergänzt: "Das war ein Mordshallodri, jedes Mal, wenn Donnerhall die Halle betrat." Die Zuschauermeinung geht auch auf die Jury über. Während die deutschen Vertreter sich ein bißchen an den Gebäudeschwächen in der Oberlinie stören und immer wieder gen World Cup I schielen, gibt es für den Holländer van der Veen gar keine Diskussion: Dem Oldenburger gebührt die Krone! Die Entscheidung fällt für Donnerhall. Unbeschreiblicher Jubel in der Halle. Ingo und Donnerhall atmen tief ein und spurten was das Zeug hält. Otto Schulte-Frohlinde läßt die Puppen tanzen. Per Telefon - er kann selbst nicht zugegen sein - ordnet er an: "Egal, was es kostet - ich bezahl's". Das muß man den Oldenburgern nicht zweimal sagen... Karin Rehbein, die Donnerhall anschließend auch noch unterm Sattel in Hannover vorstellt, weiß es noch als wäre die Schau erst gestern entschieden worden. "Er ist ein Showman, er liebt die große Bühne, wenn die Leute mitgehen, dann kommt er erst so richtig in Schwung." Das war auch damals schon so, als Donnerhall noch nicht ein weitgereister Jetsetter war. Und nervenstark ist er. Die Equitana, die Weltmesse des Pferdesports ruft, Donnerhall kommt. Mit der Schärpe des Champions. Auf der Hop Top Show geht die Post ab. Bunte Lichter, grelle Spots, laute Musik. Hinter den Kulissen: Ponys, Fackeln, Kutschen. "Aber Donnerhall blieb cool - und das obwohl er ja noch so jung war" - für Karin Rehbein steht spätestens in diesem Moment fest: Ein Ausnahmepferd. Donnerhall lernt schnell. Fliegende Wechsel bereiten keine Probleme - ein Charakteristikum, das auch für seine Kinder gilt. Zwei Jahre Trainingsarbeit und der Hengst beherrscht das Grand Prix Programm. Doch bevor Herbert und Karin Rehbein sich für einen Einsatz in der schwersten Klasse des Dressursports entscheiden, soll "Donni" erst einmal in M-Dressuren und im Prix St. Georges Turnierroutine sammeln. Beim ersten Start kann keiner den Hengst überhören: Donnerhall wiehert von der ersten Grußaufstellung bis zum Schluß. Am nächsten Tag klappt's schon besser. Keck meldet er sich einmal als er bei X hält, dann aber konzentriert er sich voll und ganz auf seine Aufgabe. Donnerhall geht bald Grand Prix. Vom Fleck weg gehört er zu den Placierten, auf den ersten Sieg muß man nicht lange warten. Höhepunkte des Programms: Trabverstärkungen, die herrliche Galoppade, Passage und Piaffen. Die ersten Donnerhalls kommen unter den Sattel. Nur wenige Stuten werden Donnerhall in den ersten Jahren zugeführt. Zu weit ist der Grönwohldhof vom Oldenburger Kernzuchtgebiet zwischen Weser und Ems entfernt. Dennoch wird ein auf dem Grönwohldhof gezogener Hengst aus dem ersten Jahrgang gekört: Don Primero. Fünfjährig wird er Bundeschampion der fünfjährigen Deutschen Dressurpferde in Verden. Wertzahl: 9,3. Heute ist er siegreich bis Grand Prix Special. Wie sein Vater hat auch er als in LK I geprüfter Hengst schon Pferde für die Vechtaer Auktion gestellt, die zu sechsstelligen Summen zugeschlagen wurden. |
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