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Zurück zum Sport: Die Rehbeins sind bescheidene Leute. In einem Metier, das sich immer mehr durch Querelen, durch wer-mit-wem-auf wessen-Pferd in der Öffentlichkeit darstellt, bilden sie eine Ausnahme. Sie bilden ihre Pferde solide aus und stellen sich dem Wettbewerb. Sich anzubiedern, das ist nicht ihr Stil. Leistung zählt. Die Leistung im Dressurviereck, nicht am Rand desselben. Vielleicht – so Insider - ist hier der Grund zu sehen, warum Donnerhall bei der Auswahl zu internationalen Championaten immer nur als Ersatzpferd nominiert wird oder als "sechstes Rad am Wagen" gar nicht erst ins Team kommt. Doch 1994 schlägt die Stunde Donnerhalls. Zwar ist er wieder nicht berücksichtigt worden für die Dressur-Mannschaft, die die deutschen Farben auf den Weltreiterspielen in Den Haag vertreten soll, aber es kommt anders. Der Faktor "Schicksal" spielt eine Rolle.- Während die Mannschaft sich bereits auf Den Haag vorbereitet, finden die deutschen Meisterschaften in Mannheim statt. Die heißesten nationalen Entscheidungen aller Zeiten, mit Temperaturen von über 40° C – gemessen im Schatten. Die Pferde stehen in den Stallzelten und lassen die Ohren hängen. Ventilatoren verschaffen angenehme Kühlung. Donnerhall wird – in Abwesenheit von Isabell Werth, Nicole Uphoff-Becker und Monika Theodorescus – Deutscher Meister. Dann die Nachricht aus dem Trainingslager: Monika Theodorescus Grunox ist nicht in Form. Donnerhall wird nachnominiert, darf nach Den Haag reisen. |
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Der erste Tag der Weltreiterspiele. Auf dem Programm: der Grand Prix, genauer die erste Hälfte. Die Prüfung wird an zwei Tagen geritten. Donnerhall ist der letzte Starter der ersten Hälfte. Die Sonne verabschiedet sich allmählich. Ein goldener Schimmer liegt über dem Zuiderpark-Stadion von Den Haag. Die Ränge sind dichtbesetzt. Nicht nur die aus Deutschland angereisten Fans wollen Donnerhall sehen. Aufgrund seiner Popularität als Deckhengst in Benelux sind auch die Niederländer, die Belgier sowie Dressurfreaks aus Übersee wie elektrisiert. Noch lukt die Sonne über die oberen Ränge der hohen Tribünen.- Auch sie will das Schauspiel nicht versäumen. Immer längere Schatten werfen die Banner auf den Sand im Stadion. Da kommt er. Majestätisch. Selbstbewußt. Karin Rehbein "gibt noch einmal Gas". 100 Meter starker Trab. Ausdrucksvoll, taktsicher. Applaus brandet auf. "Donni" weiß, was er seinen Fans schuldig ist.... Mit 1675 Punkten verlassen beide das Viereck. Mannschaftsgold, wie sich am nächsten Tag herausstellt. Insgesamt das siebtbeste Resultat. Die Reiter müssen sich entscheiden: Grand Prix Special oder Kür? In beiden Disziplinen werden die Weltmeister gesucht. Donnerhall geht Kür. Musical-Melodien begleiten die mit technischen Schwierigkeiten gespickte Vorstellung. "One singular sensation every step that he makes" – jeder Schritt eine Sensation. Der Titelsong aus "A Chorus Line" beflügelt die Oldenburger. 45 Goloppwechsel von Sprung zu Sprung. Passage-Traversalen und Piaffe-Pirouetten. Der Musterschüler steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Die Grußaufstellung, exakt auf den letzten Akkord der Musik. Karin Rehbein nimmt die Zügel in eine Hand, nickt. Ohrenbetäubender Jubel im Stadion. Während seine Frau winkend das Viereck verläßt – Donnerhall sich im Applaus zu sonnen scheint – wischt sich Herbert Rehbein, der schon so viele internationale Dressurcracks entdeckt, gefördert und auf Medaillenkurs gebracht hat, verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. "Danke Donni". Die Kür-Bronzemedaille von Den Haag krönt das sportlich erfolgreichste Jahr Donnerhalls. Daß es gerade in der Kür zu Weltmeisterschaftsehren gereicht hat, findet Karin Rehbein dabei gar nicht so verwunderlich. "Küren haben ihm schon immer gelegen. Auch als sie noch nicht so populär war, haben wir schon immer Kür geritten". Ob Donnerhall musikalisch ist? Karin Rehbein winkt ab. Wenn er die Musik hört, dann will er immer auf jeden Fall sein bestes geben. Er liebt es, wenn das Publikum mitgeht". Das Publikum – häufig ist es Donnerhall wohl gesonnen. Sicher – wo Stärken sind, sind auch Schwächen. Und die Richter schauen mit Argusaugen, finden das ein oder andere, was zu Punktabzügen führt. Dennoch: Charisma hat man, oder man hat es nicht. Donnerhall hat reichlich. |
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