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Das Problem des Dressursports ist die Disziplin. Die Disziplin, die dem Publikum abverlangt wird: Wenn in einem Grand Prix die Einerwechsel wunderbar, schnurgerade und bergauf gesprungen gelingen, darf nicht geklatscht werden. Wenn im Grand Prix Special die abschließenden Passage-Volten und die Piaffe in X einem einen Schauer über den Rücken jagen, muß man verharren. Erst wenn der Gruß die Vorstellung beendet hat, dürfen die Zuschauer aus sich herauskommen. Das kann schon einmal auf Kosten der Spontanität, der Reaktion auf unmittelbar Erlebtes gehen. Andererseits gilt der Gesamteindruck. Wer in einer Klaviersonate schon nach dem ersten Satz frenetischen Applaus spendet, wird den Groll der anderen Zuhörer auf sich ziehen. Warum dieser Vergleich zwischen klassischer Musik und klassischer Reitkunst? Nur um Donnerhall, den Virtuosen, zu würdigen. Denn wie stark die Ausstrahlung des Kraftpakets in der dunklen Fuchsjacke sein kann, hat ein Abend auf dem Oldenburger Landesturnier in Rastede gezeigt. |
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Die Donnerhall-Bronze einige Tage nach der Fertigstellung (aufgenommen im Winter 1997/98 auf dem Hof von Bernd Eylers) |
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Samstagabend: Die Ränge sind voll besetzt. Unter Flutlicht läuft ein buntes Schauprogramm: Fohlen, Materialpferde, junge Stuten an der Hand. Donnerhall ist der Stargast dieser Nacht. 22.00 Uhr der Wettergott, nicht gerade typisch für das Landesturnier, hat ein Einsehen mit den gut 8.000 Zuschauern eine laue Sommernacht. Flutlicht taucht die Szene in gleißendes Weiß. Bunt bepflanzte Kübel umreißen ein Viereck. Die Musik setzt ein. Polkarhythmen aus dem Hause Strauß. Dann kommt Donnerhall. Sein Fell glänzt, das Licht betont die austrainierte, muskulöse Gestalt. Drei, vier vielleicht fünf Minuten folgen die Zuschauer Donnerhalls Vorführung. Plötzlich springen die ersten auf, hüpfen über die Umzäunung. Sie wollen näher dran sein. Keine 60 Sekunden später drängeln sich die Menschen um das Viereck. Sie klatschen im Takt, Donnerhall kommt richtig in Fahrt: Passage, Piaffe. Energisch fußt der Fuchs ab. Power total! Alles federt. Alle sind begeistert. Von 1994 war bereits als dem erfolgreichsten Jahr Donnerhalls die Rede. Züchterisch ist es Donnés jüngerer Bruder, Duntroon, der ein weiteres Highlight darstellt. Im Herbst 1993 wird er Reservesiegerhengst in der Oldenburger Weser-Ems-Halle. 1994 wird der statiöse Dunkelfuchs zum 100-Tage-Test nach Adelheidsdorf geschickt: Er gewinnt die renommierteste Hengstleistungsprüfung Deutschlands. Bester von 50 Kandidaten mit 137,76 Punkten. Die nächsten Jahre steht der Hengst auf Holtrup auf Station. Einige Auktionsfohlen stammen aus dieser Zeit, in der Duntroon nur wenig reiterlich gefördert wird. Das ändert sich schlagartig, als der Hengst zu seiner Besitzerin Kristy Oatley-Nist auf den Grönwohldhof gelangt. Im Herbst 1997, Duntroon beherrscht gerade einmal das kleine Einmaleins, kommt er in Training. Er lernt schnell. Sehr schnell. Schon in der Saison 1998 geht er unter Karin Rehbein in S-Dressuren an den Start mit Erfolg. Auch unter seiner Besitzerin, der Halb-Australierin, die als junge Reiterin noch mit deutschem Paß gleich mehrere Europameisterschaftstitel einheimsen konnte, geht Duntroon erfolgreich. Karin Rehbein sagt, kaum ein Pferd erinnere sie so an Donnerhall wie Duntroon. Seine Reputation als Deckhengst vermag der Dunkelfuchs bei den Oldenburger Hengsttagen 1998 zu unterstreichen: Der Reservesieger stammt von Duntroon ab. Für 400.000,-- DM wird er an das Gestüt Flyinge zugeschlagen. Ausbilden soll dieses traumhafte Reitpferdemodell Kyra Kyrklund. 400.000,-- DM nur der Siegerhengst war 1998 teurer. Und auch in seinen Adern fließt das Blut Donnerhalls. Für 500.000,-- DM sichert sich Paul Schockemöhle den in Belgien geborenen Rohdiamant-Sohn, der aus einer Donnerhall-Stute gezogen wurde.
Donnerhall
bei Mal sehen, ob auch diese Enkel Donnerhalls der Tradition ihres Vaters bei der Hengstleistungsprüfung werden nacheifern können. Hohe Punktzahlen gerade im Teilindex Rittigkeit gelten mittlerweile als Gütesiegel der Donnerhall-Nachkommen. Dream of Glory, der über Pik Bube, Romadour II und Urioso auf den berühmten Holsteiner Stamm der Stute Rappel zurückgeht, wird Rittigkeitssieger der HLP Medingen 1993: 146,06 Punkte stehen auf seinem Konto. Er wurde über die PSI-Auktion an den Alsenhof verkauft. Der Rappe hat aus seinen ersten Jahrgängen beständig teure Auktionsfohlen auf verschiedenen Plätzen stellen können. Und unterm Sattel kommen die Dream of Glory-Kinder ganz groß raus: Beim Bundeschampionat 1998 in Warendorf donnert es wieder einmal in den Pedigrees der erfolgreichen Pferde. Bei den dreijährigen Hengsten führten über die Hälfte aller Finalisten Donnerhall-Blut. Dream of Glory stellt mit dem Hannoveraner Dreamys Dream und dem Württemberger Dr. Jackson den Bundeschampion und den Dritten des Finales der dreijährigen Hengste, Vize-Champion bei den Stuten und Wallachen wird die Don Primero-Tochter Donna Primera aus dem Zuchtgebiet Zweibrücken. Donnerhall und seine Söhne wirken eben bundesweit befruchtend. Nicht vergessen werden darf dabei der Champion der fünfjährigen Dressurpferde, Del Piero (aus einer Mutter v. Matcho AA). Der Hannoveraner ist ein direkter Donnerhall-Sohn. Seine Reiterin Susan Draper hatte mit dem Oldenburger Ducello (v. Davignon) auch einen Finalisten bei den dreijährigen Hengsten unterm Sattel. In vielerlei Hinsicht sind die Ergebnisse der Bundeschampionate 1998 charakteristisch für die Vererbung und die Bedeutung Donnerhalls: Er ist in Mode, aber ein Modehengst ist er nicht. Plateauschuhe kommen und gehen, das kleine Schwarze bleibt immer aktuell. Anders als viele Eintagsfliegen, deren Sterne so schnell aufgehen, daß man sie am Firmament gerade wahrgenommen hat, wenn sie auch schon wieder zu verlöschen drohen, bleibt Donnerhalls Licht eine feste Konstante. Beinahe ein Fixstern am Dressurhimmel. Am ehesten vielleicht mit der Venus zu vergleichen. Präsent durch intensiven Schein und beim Blick in den Himmel nicht zu übersehen. Schon da, wenn andere Sterne gerade schwach schimmern. Immer noch da, wenn die Morgenröte dem Licht des Sternenhimmels den allmorgendlichen Kampf ansagt. Daß er seine eigenen Qualitäten an seine Kinder weitergibt, erklärt auch die ungebremste Nachfrage nach Töchtern und Söhnen auf den unterschiedlichsten Absatzveranstaltungen nahezu aller deutscher Zuchtgebiete. Die Trakehner einmal ausgenommen, wobei gerade die Anpaarung von Donnerhall mit Vertreterinnen des ostpreußischen Pferdeadels sich als durchaus erfolgreich herausgestellt hat. Donnerhall ist in der ewigen Bestenliste der Preisschlager deutscher Auktionsspitzenpreise auf Platz drei (Verden 450.000,-- DM) und vier Vechta 420.000,-- DM) vertreten (Stand November 1998). Bei den Fohlen ist er doppelter und unangefochtener Rekordhalter.
Die erste Sensation: 1995 während der 43. Elite-Auktion in Vechta: Bei den Fohlen tanzt ein Hengstfohlen mit der Katalognummer 17 in die Halle. Ein Donnerhall vom Scheitel bis zur Sohle. Man muß dem kleinen Mann nur ins Gesicht schauen. Unverkennbar! Seine Mutter stammt wie könnte es anders sein- von Pik Bube ab. "Donovan Bailey" hat Uwe Heckmann den Youngster getauft. Schließlich ist der gerade Weltmeister bei der Leichtathletik WM geworden. Man muß an Morgen denken und in die Zukunft investieren. Einmal mehr bleibt im Bieterduell einzig die Hand Adrie Gordijns am längsten in der Luft. Resigniert notieren sich die Widersacher den Preis des Fohlens in ihre Kataloge: 130.000,-- DM. 1998 nimmt der Fuchs am Bundeschampionat teil und wird über die PSI-Auktion versteigert. Im Herbst 1998 dann das Unfaßbare: Ja 130.000,-- DM für ein Fohlen sind noch zu überbieten: Wieder ist es der Auktionsplatz Vechta, wieder ist es Uwe Heckmanns Hammer und wieder heißt der Käufer Adrie Gordijn. Diesmal sind es 155.000,-- DM, die Deinhard, ein aus einer Lemon Tree-Mutter gezogener Fuchs, kostet. Deutschland steht Kopf, denn erstmals kostet das Spitzenfohlen mehr als das teuerste Reitpferd. Das wiederum, der Wallach Duisenberg, stammt von Davignon ab und ist für 150.000,-- DM zu haben, in der Preisgestaltung folgt Dark Dream (v. Don Gregory), bei den Fohlen (!) müssen für den zweitteuersten Kandidaten 70.000,-- DM (v. De Niro) angelegt werden. Dollar und Donnerhall beides beginnt mit D! "Ich wär so gern ein Millionär" man muß kein Prinz sein, um diesen Traum zu träumen. Aber ein Donnerhall-Nachkomme! Auf der PSI 1998 traf sich die Hautevolee der Pferdeszene, Devise: sehen, gesehen werden, kaufen. Bei den Dressurpferden konzentrieren sich die Wünsche der Interessenten auf einen großen Fuchs. Nicht unbedingt ein Märchenprinz was den Typ anbelangt, aber ein Pferd mit drei sehr guten Grundgangarten und überragendem Talent für die Piaffe. Der Dunkelfuchs namens Diamant trägt das bayrische Brandzeichen, seine Mutter stammt von dem Bolero-Sohn Bolschoi ab. Für eine runde Million Mark wird der Fuchs nach Bonn verkauft. Gummibärchen-Tycoon Haribo hat zugeschlagen. Entdeckt hat Ulrich Kasselmann den kalibrigen Fuchs bei einem Händler. Dorthin hatte der Züchter den Wallach verkauft, nachdem die bayrische Auswahlkommission für Auktionen den Fuchs zweimal abgeschmettert hatte, wegen "Unrittigkeit" was ausgerechnet für einen Donnerhallsohn eine recht ungewohnte Eigenschaft darstellt. Aber in Bayern ist halt manches anders.... |
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