Grannus - kein Name allein, sondern ein Symbol, ein Markenzeichen. Ein Sinnbild geballter Individualpotenz mit einer Aura, wie sie nur ganz wenigen zu eigen ist. Mit einer Lebensgewinnsumme von weit über fünf Millionen Mark, sieben Olympiapferden und über 60 gekörten Hengsten unter seinen Nachkommen zählt der lackschwarze Hannoveraner zu den ganz großen Vererbern weltweit. So gewaltig wie seine Vererbungskraft, so spektakulär war auch sein Ende.Unter den Augen mehrerer tausend Zuschauer der Klatte'schen Hengstpräsentation im oldenburgischen Vechta 1993 brach der 21-jährige Muskelmann plötzlich zusammen - ausgehaucht das Leben einer Pferdepersönlichkeit, wie es sie nur
ganz selten gibt.

Grannus
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"Grannus fiel immer ins Auge, er wusste sich zu präsentieren, drehte erst richtig auf, wenn er Publikum hatte", erinnert sich Gisela Klatte, Seniorchefin der traditionsreichen Oldenburger Hengststation Klatte in Lastrup. Lag die Ruhe der Mittagszeit über den Stallungen, döste Grannus gelassen in seiner Box. Hörte er Besucher auf den Hof fahren, spitzte er die Ohren, wieherte herrisch und schlug heftig gegen die Wände seiner Box. Ganz so, als wollte er sagen: "Hier bin ich - ich, den Ihr sehen wollt."


St.Pr.St. Odessa - Mutter von Grannus

Grannus wurde als zweites Fohlen der Staatsprämienstute Odessa geboren. Diese Tochter des Trakehners Ozean, der aus seiner Hengstleistungsprüfung als Sieger hervorging, hatte Grannus-Züchter Ludwig Decker 1967 als Fohlen erworben. Damals war der im niedersächsischen Hohenhameln lebende Decker auf der Suche nach einer Stute aus dem Stamm der Gitta, dessen Ursprung auf der 1921 geborenen Stute Klaseta liegt. 15 Fohlen sollte Odessa, mütterlicherseits über den grandiosen Gotthard exzellentes Springblut führend, ihm schenken. Das letzte Fohlen gebar sie 22-jährig - ein beeindruckender Beweis hoher Fruchtbarkeit. Als in Odessas Box ein Rappfohlen mit schön gezeichneter Blesse, zwei weißen Füßen und wachem Auge neben ihr lag, konnte noch keiner ahnen, dass dieser Hengst ein Vererber von Weltrang werden sollte. Ja, es sollte sogar sehr lange dauern, bis die Qualitäten des Graphit-Sohnes alle Zweifler verstummen ließ.


Graphit - Vater von Grannus

Auffallend, imposant, mit dem gewissen Etwas versehen, das war Grannus schon im Alter von zweieinhalb Jahren auf der Verdener Körung. "Sobald er sich in Bewegung setzte,
zog Grannus durch sein Imponiergehabe alle Blicke auf sich
", denkt Gisela Klatte an die erste Begegnung mit dem Rappen zurück.


Grannus - 3,5 jährig

Zu gerne hätte ihr Mann Heinrich Klatte den Hengst in Verden erworben. Doch der Hannoveraner ging nach Westfalen, wurde dort auf den Namen "Granit" getauft.
Vergessen haben die Klattes den Hengst, der erst anfing zu springen, wenn es richtig
hoch wurde, aber nie.


Grannus - 14 jährig

"Vom ersten Blick an war mein Mann fasziniert von Grannus, noch lange nach der Körung sprach er von ihm. Irgendwie hat er gespürt, dass dieses Pferd einmal ein ganz Großer werden wird", so Gisela Klatte. Als sie hörten, dass der Hengst im Rahmen einer Konkursmasse seiner damaligen Besitzer veräußert werden sollte, schlugen sie zu. Nicht mit der Hauruckmethode, sondern mit durchdachter Taktik. Denn auch andere Oldenburger Hengststationen waren an Grannus interessiert. Ein Bekannter wurde vorgeschickt, Heinrich Klatte sen. als dessen Zuchtberater vorgestellt. 60.000 Mark sollte der Rappe kosten - für die damalige Zeit viel Geld für einen Junghengst nach nur einer Saison. Dessen Papiere zudem noch im Banktresor verschlossen lagen. Doch Heinrich Klatte ließ sich nicht abschrecken und holte den Rappen auf seine Station nach Lastrup. Dort wurde er erst einmal umgetauft in Grannus, da der Name Granit in Oldenburg bereits vergeben war. Um Missverständnissen vorzubeugen - der Hengst hatte in Westfalen bereits ein Jahr als "Granit" gedeckt - wird er seitdem in den Datenverarbeitungssystemen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung als "Grannus-Granit" geführt.


Heinrich Klatte sen. und Grannus

Dann machte sich der Hengst auf einen mit vielen Hindernisse gespickten Weg in die Zuchtphalanx der Gewinnsummen-Millionäre. Geradlinig, vorhersehbar - nein, das war Grannus Karriere wahrlich nicht. Nach der vorbehaltlichen Anerkennung in Oldenburg - der Abstammungsnachweis lag noch immer nicht vor - wurde es 1976 ernst: Grannus ging zur Eigenleistungsprüfung nach Adelheidsdorf. Doch wie es mit Genies zuweilen so ist - seine wahre Cleverness ließ der Hengst allenfalls erahnen. Auf der Rennbahn, die teilweise durch den Wald führte und nicht an allen Stellen einsehbar war, schaffte Grannus die geforderte Zeit nicht. Damals wurde noch mit einer von Hand zu bedienenden Stoppuhr gemessen. Zudem kritisierten die Richter, dass der Hengst über dem Sprung - seinem eigentlichen Meisterrevier - die Beine hängen ließ. Das allerdings nicht, ohne sein herausragendes Vermögen erkennen zu lassen. Um Nuancen verfehlte Grannus die in Oldenburg zur Anerkennung nötige 90-Punkte-Hürde. Und dann sollte der Hengst zum Revoluzzer werden: Klatte fechtete die 90-Punkte-Grenze Oldenburgs an - vor Gericht. Und tatsächlich: Oldenburg musste sich beugen, das Zuchtgebiet durfte seine eigenen Maßstäbe nicht über die vom deutschen Tierzuchtgesetz vorgegebene Markierung heben. Grannus war anerkannt. Letztendlich landete der Rappe mit 86.46 Punkten auf Rang 58 von 66 Hengsten. Doch nur ein gewöhnliches Durchschnittspferd, das die in es gesetzten Hoffnungen schlicht und einfach gar nicht erfüllen konnte? Hatte Klatte sich von dem pechschwarz schimmernden Fell Grannus' blenden lassen? Beileibe nicht. Mit eisernem Willen glaubte der Pferdemann an seinen Hengst und stellte ihn in seiner 1902 gegründeten Station auf.

Schlange standen die Züchter anfangs allerdings nicht vor der Box des Hengstes. Im Gegenteil: Magere 30 Stuten durfte Grannus in seinem ersten oldenburgischen Deckjahr
1976 beglücken - live natürlich, von künstlicher Besamung waren die meisten Stationen damals noch weit entfernt. Nachdem die ersten Fohlen ein Jahr später geboren waren, wurden die gnadenlosen Stimmen der Kritiker laut: "Viel zu klein" hieß es. Bald hatte Grannus seinen Namen weg: Ponymacher. Ein vernichtendes Urteil.

Die Reaktion Heinrich Klattes kam prompt: Er schickte seinen Hengst auf die Piste. Genauer: in den Parcours. Nachdem Grannus ein Jahr an die rheinische Station
St. Ludwig in Wegberg verpachtet war, stellten ihn die Brüder Ulrich und Guido Klatte erfolgreich in Aufbauprüfungen vor. Später sattelte Junior Guido den Hengst für Championate. Nicht vergebens: Als wollte er es allen beweisen, zeigte Grannus nun umso deutlicher, was wirklich in ihm steckt. Rund um Lastrup und weit darüber hinaus war das Paar schon bald bekannt als Schleifensammler erster Güte. Selbst in schweren Springen ließ der Rappe keine Grenze erkennen, ließ sich mehrfach die goldene Rosette an die Trense heften. Achtjährig gewann er alle drei Springen auf der DLG, 1982 wurde er unter Guido bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren in Bad Segeberg Dritter.


Grannus unter Guido Klatte

Sein Reiter denkt gerne an die gemeinsame Zeit zurück: "Grannus war ein außergewöhnliches Pferd von sehr starker Persönlichkeit und ausgeprägtem Charakter. Viele sagten ihm nach, er sei wild und schwer zu reiten, doch das stimmte nicht. Zwar war er anfangs nicht ganz einfach, doch nachdem ich ihn auf meiner Seite hatte, gab er alles für mich, kämpfte bis zum Umfallen. Er war vermögend und vorsichtig ohne Ende." Ein 14-jähriges Mädchen betreute den Hengst damals auf Turnieren. "Charakterlich war Grannus einwandfrei, ich habe mich sogar manchmal zu ihm in die Box gelegt und dort geschlafen."

Nach Grannus eigenen Erfolgen ging Heinrich Klattes Rechnung auf: Die Züchter wurden hellhörig, meldeten ihre Stuten für den Hengst an. Bis zu dreimal täglich musste der Rappe ran. Ging es zum Turnier, wurde Grannus morgens zur Deckhalle geführt und teilweise während des Turniers wieder geholt. "Dabei kannte er seine Leute genau. Er wusste sofort, ob Decken oder Reiten angesagt war und verhielt sich entsprechend: Mit herrischem Gewieher und stolzem Imponiergehabe ging es zu den Stuten, brav wie ein Lamm in die Reithalle", so Klatte schmunzelnd.

Und Grannus enttäuschte seine Züchter nicht. Gleich aus seinem ersten Jahrgang stellte er den Warendorfer Landbeschäler Gunter sowie die international erfolgreichen Springpferde Goby und Gigolo. Letzterer wurde später unter dem Namen Moet Imperial ein erstklassiger Sportler mit dem Brasilianer Nelson Pessoa. Schlag auf Schlag stellten Grannus-Kinder ihr Talent auf Turnieren unter Beweis. Sein erster großer Springstar war der Oldenburger Grand Slam, der unter dem Briten Nick Skelton mehrere große Preise gewann.


Grand Slam unter Nick Skelton
v. Grannus / Equador xx

Als erfolgreichstes Oldenburger Springpferd der achtziger Jahre galt der gekörte Grannenfels, der unter Peter Weinberg seine überragende Klasse demonstrierte. Leider ging er bereits neunjährig nach einem Trümmerbruch ein. Plötzlich hatte sich Grannus zum Serienproduzent internationaler Springpferde gemausert. Der bunte Fuchs Grannusch, der unter John Whitaker mit Calgary 1994 das höchst dotierte Springen der Welt gewann, Jos Lansinks Kanone Top Gun,


Top Gun unter Jan Topps
v. Grannus / Winnetou

der mächtige Golo unter Gerd Wiltfang - unermüdlich sprangen sich die Grannus-Kinder auf den Siegerehrungen großer Prüfungen ganz nach vorne.


Golo unter Gerd Wiltfang
v. Grannus / Aalfänger

1990 war es dann soweit: Grannus stand nach der Jahresgewinnsumme seiner Nachkommen an der Spitze aller deutschen Vererber - vor Beschälergrößen wie den Warendorfer Landbeschälern Polydor und Pilot. Ein Drittel seiner in Deutschland erfolgreichen Nachkommen erzielten damals über 1.000 Mark an Gewinngeldern. Zu der Zeit befanden sich von keinem anderen Hengst so viele Spitzenpferde im internationalen Springsport wie von Grannus. Im gleichen Jahr avancierte Grannus erstmals zum Millionär, als seine Nachkommen über eine Million Mark verdienten. Nur zwei Jahre später waren es schon zwei Millionen, 1996 über drei, '98 klettere die Summe über vier Millionen, heute liegt sie bei weit über fünf Millionen Mark. In den elitären Kreis der Vererber, dessen Nachkommen bei Olympischen Spielen starteten, durfte er 1992 eintreten. In Barcelona starteten mit Top Gun, Imperial und Governor gleich drei seiner Söhne. Natürlich nicht undekoriert: Top Gun war unter Jan Tops eine sichere Stütze für das Mannschaftsgold der Niederländer. Auch in Atlanta gingen zwei Grannus-Kinder an den Start, neben Doppel-Olympioniken Top Gun der 89er Bundeschampion der sechsjährigen Springpferde: Gaston, pilotiert von dem Italiener Valerio Sozzi.


Gaston
v. Grannus / Wohlgemut

In Sydney legten wiederum zwei Grannus-Söhne Ehre für ihren Vater ein: Der für Spanien startende Oldenburger Gismo mit Riacrdo Jurado, sowie der monumentale Riese Remus Equo unter dem Österreicher Anton Martin Bauer.


Remus Equo unter Anton Martin Bauer
v. Grannus / Wohlgemut

Längst war Grannus zum Starvererber avanciert. Entsprechend stieg die Begehrlichkeit der Grannus-Nachkommen. Erst bei 390.000 Mark fiel Uwe Heckmanns Rosenholz-Hämmerchen auf der Vechtaer Frühjahrsauktion 1993, als der Grannus-Futuro-Sohn Gameboy seine Runden drehte. Quasi weltweit waren und sind die Gene des Hannoveraners gefragt. Ob in Frankreich, Dänemark, den amerikanischen Warmblutverbänden, der Schweiz oder den Niederlanden: Überall war der schwarze Strahlemann anerkannt, vererbten seine Söhne die wertvollen Gene des Vaters.

Stachen sportlich mehr Wallache als Stuten hervor, waren weibliche Grannus-Kinder auch in der Zucht Volltreffer: Burschikose, eine 1977 geborene Oldenburgerstute, wurde auf den DLG-Ausstellungen in Hannover und München gleich zweimal Ib prämiert und 1982 zur DLG-Klassensiegerin ausgerufen. Die mit dem Titel "Elitestute" dekorierte Fuchsstute brachte in Verbindung mit dem Anglo-Normannen Zeus nicht nur den Reservesiegerhengst und Bundeschampionats-Teilnehmer Zapateado, sondern auch die für sensationelle 60.000 Mark versteigerte Preisspitze der herbstlichen Elitefohlen-Kollektion Vechtas 1994: Zino. Dessen Vollbruder Zeno sammelt bereits Siege in internationalen Springen unter Christian Ahlmann. Auch die mit ihren blauen Augen geradezu außerirdisch anmutende Weihaiwej, Doppel-Weltmeisterin unter Franke Sloothaak in Den Haag 1994, führt Grannus auf der Mutterseite. Und der charakterstarke Fuchshengst For Pleasure, selbst zweifacher Mannschafts-Olympiasieger unter Lars Nieberg 1996 und Markus Ehning im Jahr 2000, legt zusätzlich Ehre für seinen Muttervater Grannus ein.


Stuten mit Blut, die passten gut zu dem kalibrigen Hengst. Waren sie selbst bewegungsstark, konnten Grannus-Kinder auch auf dem Dressurviereck überzeugen. Good Luck, 1980 geborener Rapphengst, war so einer: Er beherrschte das komplette Grand Prix-Programm mit links. Beachtliche 10.000 Mark erzielten Grannus' Nachkommen bisher in Dressurprüfungen. Eine Summe, die so mancher Hengst erst einmal erzielen muss, gleich,
in welcher Disziplin.

"Biss und Kampfgeist, das gab Grannus all seinen Kindern mit", so Heinrich Klatte jun., der die Station 1988 von seinem Vater Heinrich Klatte sen. übernommen hatte. Jedermanns Pferde waren sie allerdings nicht - denn selbstbewusst und vor Kraft strotzend, das waren die Grannusse allemal. Eines aber waren sie mit Sicherheit nicht: äußerlich einheitlich, wie ein Ei dem anderen gleichend. Vom 1,85 Meter großen Golo, der unter Gert Wiltfang Schleifen sammelte, bis zum kleinen Top Gun - Grannus' Kinder gab es in allen Größen. Auch die Farbe outete einen echten Grannus nicht. Selbst der einzige Rappe seines Vaters Graphit, verteilte er nahezu jede Tönung unter seinen Nachkommen: bunt und fuchsfarben wie Grannusch, leuchtend weiß wie Nobelmann und S-Sieger Gingerino, dunkelbraun wie Franke Sloothaaks Gio Granno, rappschwarz wie er selbst, Top Gun.


Gio Granno unter Franke Sloothaak
v. Grannus / Ramino


62 Söhne des Hengstes wurden auf den verschiedensten Körplätzen der Warmblutzuchten anerkannt. Der Erste war der Warendorfer Landbeschäler Gunter, der auf die beachtliche Nachkommen-Gewinnsumme von 240.656 Mark blicken kann. Dann kamen Hengste wie Körungssieger Gervantus 1988, dessen Nachkommen bereits über 140.000 Mark an Gewinngeldern zusammen gesprungen haben. Oder dessen Vollbruder Gervantus II, der unter dem Schweizer Urs Fäh selbst in schweren Springen erfolgreich startete.
In Ausstrahlungskraft seinem Vater in nichts nachstehend, siegte der hessisch gebrannte Schimmel Granulit sowohl in der Hengstleistungsprüfung 1996 als auch in der Oldenburger Konkurrenz um die Hauptprämie, die sich aus Eigenleistung und Beurteilung des ersten Fohlenjahrgangs zusammensetzt.


Granulit

Der bis zur schweren Klasse in der Dressur ausgebildete Hengst konnte bereits selbst vier gekörte Söhne stellen, darunter den für 200.000 Mark versteigerten Get Smart, Publikumsliebling der Oldenburger Hengsttage 1999. Graf Grannus, ein rappfarbener
Grannus in Celler Staatsdiensten, kann selbst schon auf 17 gekörte Söhne blicken und vollbrachte bereits in seinem ersten Fohlenjahrgang das Optimum, mit Golden Champ den Körsieger von Verden 1995 zu stellen.


Graf Grannus

Als Serienbeschicker der hannoverschen Springchampionate auf dem Dobrock haben seine Nachkommen bereits über 120.000 Mark Gewinnsumme erzielt. Unter Franke Sloothaak eilt Gio Granno von Erfolg zu Erfolg, siegte 2000 in den Großen Preisen von Hamburg und München. Knapp 100.000 Mark hat er allein im Jahr 2000 zusammen gesprungen. Auch der aus einer Shogun xx-Mutter gezogene Gingerino ging bereits als Sieger aus Großen Preisen hervor, gewann 1998 das Euregio-Hengstchampionat im niederländischen Denekamp.
Viele Grannus-Söhne drangen auf den Bundeschampionaten bis ins Finale vor, darunter die über eine Argentinus-Mutter nach klassischem Klatte-Rezept gezogenen Fuchshengste Grasco und Granius. Auch die westfälisch gebrannten Hengste Golden Game und Albführen's Gastello legten für ihren Vater Ehre in Warendorf ein. Seinem Erzeuger wohl am ähnlichsten ist der rappfarbene Gracieux.


Gracieux

"Dieser Hengst gleicht Grannus nicht nur vom Erscheinungsbild enorm, er ist auch charakterlich ein Ebenbild seines Vaters", so Guido Klatte, dessen 14-jährige Tochter Alina Gracieux erfolgreich in Springen vorstellt. "Wenn Gracieux mal Pause hat, setzt sich Alina ohne Sattel auf ihn und reitet ein Runde ins Gelände." Charakterfest nennt man so etwas. "Bei mir können Sie alles kaufen, nur meine Frau und die Kinder, Grannus und Argentinus nicht", scherzte Heinrich Klatte sen. einmal. Argentinus, mit zahlreichen internationalen Top-Sportlern unter seinen Nachkommen selbst einer der bewährtesten Vererber weltweit, war es auch, für den Grannus nichts als tiefen Hass empfinden konnte. Eifersüchtig, das war Grannus bis aufs Blut. Er spürte seine Ausnahmestellung und verteidigte sie vehement. "Grannus stand zeit seines Lebens bei uns in der ersten Box des Hengststalls. Wehe, ein anderer Hengst kam zu nahe bei ihm vorbei, dann machte er sofort Randale und stürzte mit gebleckten Zähnen an die Gitterstäbe", erinnert sich Heinrich Klatte.
Als Charakterpferd von ungeheurer Persönlichkeit gehörte Grannus zur Familie Klatte wie kein Anderer. "Er ließ sich problemlos von Auszubildenden über den Hof führen, doch sobald er Publikum spürte, drehte er auf." Das tat er auch auf der Klatte'schen Hengstvorführung am 31. Januar 1993. Vor Kraft strotzend und herrisch wiehernd tänzelte der Rappe in der Bahn.
Die Abschiedsparade war angesagt und Grannus wusste, was von ihm verlangt wurde. Mit großen Tritten setzte er sich in Szene, ließ das Publikum begeistert klatschen. "Noch eine Runde" wurde gefordert. "Da hatte ich irgendwie ein ungutes Gefühl, dachte, der alte Hengst - so viel Stress", denkt Gisela Klatte an die letzen Minuten von Grannus zurück.
Und tatsächlich: Zum Ausgang hin begann Grannus zu stocken, strauchelte, fiel wie vom Donner gerührt um und war augenblicklich tot. Unter den Augen von 4.000 Zuschauern hauchte Grannus sein bewegtes Leben aus, wurde innerhalb weniger Minuten zur unvergessenen Legende. "Eine Hauptbeschäler-Persönlichkeit besonderer Klasse, ein durchschlagender Springvererber, wie es ihn nur selten gibt", charakterisiert Oldenburgs Auktionator und Körkommissions-Mitglied Uwe Heckmann den Rapphengst.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

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