Frühling - schon zu Lebzeiten eine Legende
41-01598-60 Db. H., geb. 1960, Stm. 166 cm Züchter: Jos Bayer-Eynck, Osterwick

In Westfalen wurden schon von jeher hannoversche Hengste eingesetzt. So auch der kleine Fuchs Frühschein, der 1959 und 1960 zwei Saisons als Warendorfer Landbeschäler in Höven-Varlar wirkte und dann sang- und klanglos wieder aus den Diensten des NRW-Landgestüts ausschied. Doch kaum einer hätte ihm zugetraut, einen Jahrhundertvererber für Westfalen zu zeugen. Und doch war es so. Die Vererbungsbilanz der zweijährigen Deckzeit beläuft sich auf 13 eingetragene Stuten und einen gekörten Hengst: Frühling. Dieser war auch mütterlicherseits rein hannoversch gezogen und bezog 1963 erstmals eine Deckstation in Varl. Hier zeugte er gleich im ersten Jahrgang einen Volltreffer, und zwar den gekörten braunen Frühlingstraum I, der einer der bedeutendsten Hengstsöhne des Frühling wurde. Frühlingstraum I deckte lange Jahre in Warendorf, ehe er seinen Lebensabend im Oldenburger Gebiet verbrachte.
1966 erblickte der später als Wallach erfolgreiche Fuchs Minister 4 als Vollbruder zu Frühlingstraum I das Licht der Welt, mit dem Norbert Koof Deutscher Meister der Springreiter wurde und somit die gesamte deutsche Elite deklassierte. Ein neuer Star der Springreiterei war geboren, und der Name Koof sollte auch für der hin mit der Frühling-Linie verbunden bleiben. Denn: Mit dem riesigen Fuchs Fire 2 wurde der im rheinischen Willich ansässige Koof 1982 Weltmeister der Springreiter. Fire war ein Sohn des rahmigen und bunten Fuchses Frühlingstraum II, der seinen älteren Vollbruder in punkto Leistungsvererbung noch überflügelte. Neben den "Frühlingsträumen" ist der 1970 aus der zweiten Schaffensperiode des Frühling stammende Frühlingsball der bedeutendste Hengstsohn des Frühling geworden. Unzählige Spitzen-Leistungspferde haben ihn zum Vater, und 1998 machte er mit seinem hannoversch gebrannten Sohn Fibonacci nochmals Schlagzeilen, als dieser Bundeschampion der sechsjährigen Springpferde wurde. Allen Vertretern dieser Linie ist eine ausgesprochene Vielseitigkeit in der Vererbung eigen.
Bereits zu Lebzeiten umgab Frühling die Aura einer Legende. Er war selbst Körsieger 1962, I b-Preisträger der DLG-Schauen von 1964 und 1968 und beherrschte alle Lektionen bis Grand Prix. Er war ein mächtiger Hengst mit gewaltiger Tiefe. Trotz seiner an Vollblut im speziellen und Edelblut im allgemeinen eher armen Abstammung war seine Nachkommenschaft von einer angenehmen Gehlust beseelt. Leider spielen die Frühling-Nachkommen momentan trotz aller unbestreitbaren Leistungen heute keine führende Rolle mehr in der Zucht des Westfälischen bzw. Rheinischen Pferdestammbuchs. Es bleibt zu hoffen, daß die schmal gewordene Linie sich dennoch weiterhin im Mannesstamm halten kann.
|