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Landadel

Landadel - der Typ- und Leistungsvererber

Er war einer, der bewegte, der seinen Kampfgeist selbst unter schärfsten Bedingungen unter Beweis stellte und ihn dominant an seine Nachkommen weitergab: Landadel revolutionierte die Zucht hinsichtlich verblüffend einheitlicher Typ- und Leistungsvererbung. Kinder von ihm erkannte man - Landadel avancierte zum Markenzeichen hinsichtlich moderner Sportlichkeit. Der Holsteiner schuf trotz einer bewegten, von Schicksalsschlägen gezeichneten Biographie eine Dynastie an Nachkommen, die es im internationalen Sport zu unzähligen Siegen und Medaillen brachte.

Über 3,7 Millionen Euro verdienten seine Nachkommen bisher. Das übrigens nicht nur im Parcours: Landadel hat auch herausragende Dressurpferde geliefert. Mit schwindel erregenden Zahlen kann der Vererber auftrumpfen wie kaum ein anderer: 66 gekörte Söhne, darunter allein drei Siegerhengste in unmittelbarer Folge, 50 Staatsprämienstuten, über 92 in der S-Klasse erfolgreiche Pferde allein in Deutschland - damit zählt der Hengst zu den bedeutendsten Vererbern weltweit.

„Landadel hat die Zucht mit drei Komponenten, die in dieser Kombination Seltenheitswert haben, geprägt: Er vererbte brillante Typen, hervorragendes Springvermögen und Bewegungsstärke“, spricht Oldenburgs Zuchtleiter Wolfgang Schulze-Schlep- pinghoff Landadel ein Premiums- Zeugnis aus.

Dabei hat Landadel nicht nur zahlenmäßig überzeugende Fakten seiner Vererbungskraft geliefert, er hat auch persönliche Gefühle geweckt, Chancen ermöglicht und Menschen in seinem Umfeld zu individuellen Erfolgsstorys befähigt. „Landadel hat uns den Durchbruch verschafft, ohne ihn wären wir nicht da, wo wir jetzt sind“, zollt Antonius Böckmann, auf dessen Oldenburger Station Landadel neun Jahre stand, dem Hengst Tribut. „Lady Weingard war das Pferd meines Lebens, mit ihr hatte ich die größten Erfolge“, lobt Markus Beerbaum die Landadel-Tochter, mit der er 1997 Mannschafts-Gold auf der Europameisterschaft in Mannheim gewann. Auch die inzwischen 19 Hengste umfassende Station von Gerd Sosath wurde allein durch den Landadel-Sohn Landor S initiiert.

Geboren wurde Landadel am 15. März 1982 im Land zwischen den Meeren, in Schleswig-Holstein, nicht weit von der Holsteiner Absatzzentrale Elmshorn in Klein Offenseth. Ilse Hell, Schwägerin des unvergessenen Hengsthalters Maas J. Hell, zog Landadel aus ihrer Stute Novella. „Ein edler Typ war Landadel schon als Fohlen, wirklich auffällig war er aber nicht. Nur seine Bewegungen, die waren schon damals etwas Besonderes“, erinnert sich Ilse Hell. Die wahre Qualität offenbarte der junge Hengst dann - wo sonst bei seiner Herkunft - über den Stangen. Welch eine Persönlichkeit der Hengst einmal werden würde, das deutete schon Landadels Mutter an: „Novella war eine außergewöhnliche Stute mit sehr viel Selbstbewusstsein und ganz viel Charakter. Bewegen konnte auch sie sich hervorragend“, erzählt die Züchterin.

Novella, abstammend von Farnese-Ladykiller xx, brachte acht Fohlen. Darunter neben Aurel und Landadel mit Acadius ihren dritten gekörten Sohn und mit der Merano-Tocher Valetta die Mutter von Willi Melligers Weltklasse-Springpferd Calvaro. Novellas Enkel, der Lux Z-Sohn Luxius, steht auf der Station Böckmannn.

Wer einen echten Holsteiner besitzt, ist stolz auf den Stamm, dem er entspringt. Landadel kommt aus dem Stamm 1859, der bereits 14 gekörte Hengste hervor gebracht hat.

Auf der Vaterseite steht bei ihm ein Name im Papier, der weltweit ein Synonym für Springpferdevererbung auf allerhöchstem Niveau ist, der über 130 gekörte Söhne und unzählige internationale Sportpferde brachte und für dessen Nachkommen 2004 die Summe von 4.332.946 Euro verzeichnet ist: Landgraf I. Ein Beschäler von Weltformat, dem in Elmshorn eine lebensgroße Bronze gewidmet wurde und der in Pferden wie Cian O'Connors Olympiagoldpferd von Athen, Waterford Crystal, und Jos Lansinks Weltcup-Sieger Libero seine persönlichen Bestleistungen brachte. Mütterlicherseits steht mit Farnese ein Hengst in Landadels Pedigree, der in Holstein als Erhalterhengst wirkte und Hochleistungspferde wie Franke Sloothaaks Olympiapferd Farmer, mit dem er 1984 Mannschafts-Bronze gewann, zu seinen Nachkommen zählt. Kaliber, Substanz, großes Springvermögen und Intelligenz charakterisieren Farnese in wenigen Worten. Danach erscheint erneut Landgrafs Vater Ladykiller xx im Pedigree – Inzucht, die es in sich hat.

Pferdemann Maas J. Hell stellte Landadel in Holstein vor.
Foto: Eylers

Seine Geburtsstätte verließ Landadel erstmals mit zweieinhalb Jahren - Maas J. Hell kaufte den Junghengst seiner Schwägerin ab. Zuvor fand die Hengstvorauswahl für die Körung des Holsteiner Verbandes statt. „Ganz schick, aber nicht groß genug, zieht den mal weiter auf und stellt ihn dann nochmal vor“, lautete damals das Urteil der Auswahlkommission, erinnert sich Ilse Hell. Doch der Verband sollte den Hengst so schnell nicht noch einmal zu Gesicht bekommen - Maas Hell stellte den abzeichenlosen Braunen in Oldenburg vor. Die körten ihn auf Anhieb: „Schon bei der Pflastermusterung bekam er Beifall für seine Bewegungen“, erinnert sich Ilse Hell. Auch Oldenburgs Zuchtleiter Wolfgang Schulze-Schleppinghoff hat die ersten Momente des jungen Landadel im Rampenlicht noch vor Augen: „Wir applaudierten - Landadel zeigte sich souverän, nahm mit seinem Schick und seiner Ausstrahlung sehr für sich gefangen. Letztendlich war es ein Segen für Oldenburg, dass Holstein den Hengst abgelehnt hat.“

Bewegt war auch die weitere Geschichte des Hengstes, der zum Streitobjekt in einem Gerichtsfall wurde. Zwei Jahre, 1985 und 1986, deckte Landadel auf der oldenburgischen Station von Hajo Willms am Esenshammer Oberdeich, dann kam es zu Unklarheiten über die Besitzverhältnisse. Willms behauptete, ihm gehöre der Hengst, Maas. J. Hell behauptete dasselbe - das Gericht musste entscheiden und gab Hell recht. Damit hatte er seinen Hengst wieder. Mittlerweile als Sieger der Hengstleistungsprüfung in Medingen hochdekoriert: Mit 136,26 Punkten zog Landadel die Blicke der Züchterschaft auf sich. Herausragend sein Doppeltalent – mit 137,72 Punkten lag er im Springen wie mit 131,43 Punkten in der Dressur jeweils an zweiter Stelle. Für sein Parcoursspringen erhielt er sogar die 9,0. Beste Voraussetzungen für eine Sportkarriere.

Doch der Prüfungssieg sollte Landadels erster und letzter sportlicher Einsatz werden. Der Holsteiner verbrachte ein dreiviertel Jahr ausschließlich in einer Box der Tierklinik Hochmoor und konnte dabei vier Monate noch nicht einmal stehen. Eine schwere Kolik mit anschließender Hufrehe war die Ursache. „Bei der Operation musste ihm ein Hoden abgenommen werden, danach schuhte er an beiden Hufen aus. Er musste unwahrscheinliche Schmerzen gehabt haben, doch sein Überlebenswille war so groß, dass er es geschafft hat“, erzählt Böckmann. Er glaubte an den Hengst, den er in seiner Leistungsprüfung selbst einmal unter dem Sattel hatte: „Landadel hätte auch ein Dressurpferd werden können, so rittig und bewegungsstark war er.“ Damals hatte Böckmann Landadels mütterlichen Halbbruder Aurel, einen Ahorn-Sohn, aufgestellt. Nachdem Aurel noch in der Hengstleistungsprüfung sein junges Leben wegen einer Kolik beenden musste, begann Böckmann, nach Landadel zu forschen. „Gerüchte verkündeten, er sei längst Wallach, andere sprachen ihn bereits tot.

Landadel überzeugte nicht nur durch seine Bewegungen ... Foto: Eylers

Doch als ich bei Hell anrief, meinte der nur: ‘Der Hengst ist in der Klinik, kannst ihn gerne pachten.’“ Und das tat Böckmann, denn Landadel hatte nicht nur seine hervorragende Prüfung als Referenz, er hatte auch bereits zwei viel versprechende Fohlenjahrgänge geliefert. Das Wagnis hatte sich gelohnt. Noch im Jahr nach der Klinik deckte der Hengst rund 100 Stuten im Natursprung. Landadel avancierte zum Star auf der in Lastrup gelegenen Station.„Nachdem wir auf die Besamung umgestellt hatten, bekam er in guten Jahren immer rund 300 Stuten“, erzählt Böckmann. Und das, obwohl er nie unterm Reiter gezeigt wurde, nach jeder Saison einige Wochen in der Klinik wieder „auf Vordermann“ gebracht werden musste.

Landadels Nachkommen sprachen einfach für sich.

Eines der ersten im Sport erfolgreichen Pferde war der aus seinem ersten Jahrgang stammende gekörte Hengst Le Cou Cou. Aus einer Goldstern-Mutter gezogen, siegte der von Lars Nieberg pilotierte Jumper im Nationenpreis von Prag 1994 und ersprang insgesamt rund 66.500 Euro. Mit Fighting Alpha hat Nieberg bereits einen Landadel-Enkel unter dem Sattel. Der niederländische KWPN-Hengst,„Nachdem wir auf die Besamung umgestellt hatten, bekam er in guten Jahren immer rund 300 Stuten“, erzählt Böckmann. Und das, obwohl er nie unterm Reiter gezeigt wurde, nach jeder Saison einige Wochen in der Klinik wieder „auf Vordermann“ gebracht werden musste.

Landadels Nachkommen sprachen einfach für sich.


Eines der ersten im Sport erfolgreichen Pferde war der aus seinem ersten Jahrgang stammende gekörte Hengst Le Cou Cou. Aus einer Goldstern-Mutter gezogen, siegte der von Lars Nieberg pilotierte Jumper im Nationenpreis von Prag 1994 und ersprang insgesamt rund 66.500 Euro. Mit Fighting Alpha hat Nieberg bereits einen Landadel-Enkel unter dem Sattel. Der niederländische KWPN-Hengst, abstammend von Landjonker- Farn, sammelte internationale Erfolge wie am Schnürchen. Das belgische Moorsele, Bologna in Italien, Aachen, Nörten-Hardenberg, Kiel, Wiesbaden, Bremen, Dortmund, Münster verließ er in Drei-Sterne-Springen als Gewinner. „Von der Rittigkeit und Leistungsbereitschaft her ein Pferd wie man es sich wünscht“, lobt Nieberg den Hengst, dessen 2004-er Lebensgewinnsumme 379.412 Euro betrug.

Fighting Alphas Vater Landjonker war einer der ersten gekörten Söhne von Landadel. Der 1987 geborene, aus einer Tin Rocco-Mutter gezogene Dunkelbraune konnte 2004 auf eine Nachkommens-Lebensgewinnsumme von 488.590 Euro blicken. Fünf Jahre wirkt der Hengst unter dem Namen Frühling in den Niederlanden, ehe er 1995 nach Deutschland zurückkehrte.

Auch Landfriese I zählt zu den ersten Söhnen, die das Blut ihres großartigen Vaters weitergeben. Vielfach wurde der aus einer Manstein-Vollkorn xx-Mutter gezogene Hengst als Ausnahmeerscheinung betitelt. Ein langes Dasein war ihm nicht vergönnt: Bereits im Alter von sieben Jahren starb der zweifache Bundeschampionats-Finalist. Er hinterließ viele S-erfolgreiche Nachkommen, die bis 2004 knapp 257.000 Euro ersprangen, sechs gekörte Söhne und mit Landsieger I den Siegerhengst der Oldenburger Körung 1993, der eine Karriere nach Maß absolvierte: Angefangen mit dem Gewinn von Reitpferde-, Eignungs- und Springpferdeprüfungen war er zweifacher Bundeschampionats-Teilnehmer im Parcours und überzeugte auch in der S-Klasse mit Erfolgen bis hin zu Großen Preisen.

Georgenhof’s Lausejunge, abstammend von Landfriese I-Pilot, unterstreicht ebenfalls den großen züchterischen Verlust durch Landfrieses frühen Tod. Er war 2000 platzierter Bundeschampionats- Finalist und brachte seine Reiterin Anna-Maria Jakobs 2004 auf den sechsten Platz der Deutschen Meisterschaft der Springreiterinnen in Balve. Mit gewaltigem Springvermögen ausgestattet legt auch der Dunkelfuchshengst Landgold Ehre für seinen Vater ein: Er erhielt bereits auf seiner Hengstleistungsprüfung 1999 mehrfach die Wunschnote zehn am Sprung. Auf dem Bundeschampionat 2000 dann wurde er mit Höchstnoten von 9,2 und 9,3 verdienter Vizechampion der Fünfjährigen.

Im Jahr 2003 war Landgold unter Franke Sloothaak erfolgreichin den schweren Konkurrenzen von Leipzig, Borken und Dortmund.

Bereits 1989 war die Begehrlichkeit von Landadel- Nachkommen so hoch, dass sechs Fohlen auf der Vechtaer Auktion im Durchschnitt 20.000 Mark kosteten. Darunter war der verheißungsvoll „Le Champion“ getaufte Hengst, der für 37.000 Mark in die USA wechselte, zuvor Vize-Champion des ersten Deutschen Fohlenchampionats wurde und in den Staaten Westcoast- Junior Champion Stallion wurde. 1990 überzeugten schon die ersten Stuten auf der Bundesschau: Lavina und Venedig wurden an zweiter und vierter Stelle rangiert.

Ein Gesicht, das Bände spricht.
Foto:Eylers

Als 1993 die ersten Landadel-Kinder mit sieben Jahren startberechtigt für die „S-Klasse“ wurden, zeigte ein Blick auf die Jahresgewinnsumme, welch ein Ausnahmehengst heran gereift war: 63.693 Mark lautete sie. In den Startlöchern für eine großartige Karriere stand damals schon Lady Weingard. Als „selbstbewusste Kämpfernatur“ bezeichnet Markus Beerbaum das bislang erfolgreichste Pferd seiner Karriere. Mit ihr gewann er Mannschafts-Gold auf der EM 1997 und der WM 98. Vier Jahre ritt er die Stute, die als Fohlen für 10.5.00 Mark über die Vechtaer Auktion zu Ingrid Bergmann wechselte. Dann nahm Jörne Sprehe in Lady Weingards Sattel Platz. Quasi im Zwei-Wochen-Rhythmus ritt sie 2002 zu S-Siegen.

Seine Laufbahn krönte das Paar bisher mit dem Titel des Mannschafts-Europameisters der Jungen Reiter 2003 im französischen Le Touquet, wo sie auch Einzel-Silber holten. 2004 nahm das Paar an der Europameisterschaft in Portugal teil und holte sich den Titel des Deutschen Meisters. Mit all diesen Erfolgen zählt Lady Weingard zu den erfolgreichsten direkten Nachkommen von Landadel: Im Jahr 2003 betrug ihre Lebensgewinnsumme 427.729 Euro.

Vollbruder Landkaiser nahm einen anderen Weg. Der 1993 geborene Hengst avancierte auf der Oldenburger Körung '95 zum Sieger, war in Springpferdeprüfungen erfolgreich, wechselte dann aber die Sparte und hat mittlerweile Dressurprüfungen auf St.-Georg-Niveau gewonnen. Mit seiner hellbraunen Jacke, den wenigen Abzeichen und dem typisch edlen Überguss kann Landkaiser seinen Vater nicht verleugnen. „Landadels Nachkommen konnte man alle erkennen, die meisten braun mit wenig Abzeichen, keine Füchse, keine Rappen“, erzählt Tönne Böckmann. In diese Kategorie fällt auch Laudatio, neben Landkaiser einer von vier Siegerhengsten, die Ehre für ihren Vater machten.

Er erhielt die begehrte Schärpe auf der Oldenburger Körung 1996. Ein Jahr später verließ er die Hengstleistungsprüfung von Medingen als Sieger mit 129.96 Punkten. 1998 stand im Katalog der PSI-Auktion über ihn nur: Sieger der Körung, Sieger der Leistungsprüfung – was will man mehr? Die genau das wollten, legten 650.000 Mark auf den Tisch. Vier Jahre später vertrat Laudatio unter Dressurreiterin Francoise Cantamessa die schweizerischen Farben auf der Weltmeisterschaft in Jerez. Vollbruder Landclassic, 1995 in Verden gekört, war siegreich in S-Springen, Sohn Lagrano, qualifiziert für das Bundeschampionat der fünfjährigen Springpferde 2003, wechselte auf der PSI-Auktion für 96.000 Euro in französische Hände, Lassandro, aus einer Sandro-Mutter gezogen, avancierte mit 180.000 Euro zum Spitzenpferd der Verdener Elite-Auktion im Herbst 2004 und wurde in die USA zugeschlagen.

Laudatio war der letzte Siegerhengst von Landadel. Und er beendete eine Erfolgs-Trilogie, die bisher noch kein anderer Hengst in Oldenburg geschafft hat: Landadel stellte von 1994 bis 96 dreimal in direkter Folge den Anführer des Körlots. Lagoheidor, Landkaiser und Laudatio hießen seine mit der Siegerschärpe des Oldenburger Verbandes geschmückten Söhne.

Sieben Jahre alt war Landadel, als er mit Lord Kemm, später mecklenburgischer Landbeschäler, 1989 seinen ersten Siegerhengst stellen konnte. Der Run auf den Hengst wurde immer größer. Das zeigte sich auch auf den Auktionen. Bereits der aus seinem ersten Jahrgang stammende Leonardo da Vinci kostete 1987 als Fohlen 11.000 Mark, vier Jahre später wurden für ihn 100.000 Mark gezahlt, nur wenige Monate später kostete er auf der PSI 350.000 Mark. Wertsteigerung mit enormer Wachstumskraft nennt man das. Der aus einer Coriolan-Mutter gezogene Wallach hielt, was er versprach. Und bewies erneut, dass Landadel auch Dressurpferde der Sonderklasse zu schaffen vermochte. Unter Sven Rothenberger qualifizierte er sich für die Weltcup-Tour, stand als Neunjähriger auf dem Reserveplatz für die Olympischen Spiele in Atlanta und führte seine Erfolgskarriere unter Rothenbergers Ehefrau Gonnelien fort.

Leonardo da Vinci zählt zu einer ganzen Armada an Landadel-Kindern, die auf den Auktionen hohe Preise erzielt haben. 60.000 Mark für Lauvette von Landadel-Almé Star 1995, 100.000 Mark für die Landadel-Argentinus-Tochter Utima 1996 – in beständiger Regelmäßigkeit sandte Landadel Jahr für Jahr qualitätsvolle Nachwuchssportler nach Vechta. 1995 kostete ein Landadel-Grannus-Fohlen 61.000 Mark. Auch auf der PSI sorgten seine Nachkommen mehrfach für preisliche Highlights: 1996 legten Italiener für die ganz im herrlichen Typ ihres Vaters stehende Stute Lady 251.000 Mark an, ein Jahr später kostete das Dressurpferd Le Touquet 500.000 Mark, 1998 stellte Landadel besondere Qualität sogar im Terzett: Neben Laudatio war der aus einer Grande-Mutter gezogene westfälische Hengst Le Carneval erst für 425.000 Mark zu haben, der aus einer Ramiro-Mutter gezogene Hengst Lichtblick kostete 263.000 Mark. 1999 folgte Lagumas Light mit 370.000 Mark, im Jahr 2000 war es der Landadel-Enkel Landay, abstammend von Landfriese I-Aldatus, der mit 150.000 Mark für klingende Kassen sorgte. Viele von ihnen haben im Turniersport ihre Leistungsbereitschaft unter Beweis gestellt.

Die zeigt auch der schimmelfarbene Silwa Little Gun, den die Konkurrenz unter Helena Weinberg oft nur von hinten gesehen hat: Bereits 1998 noch unter Hauke Luther Sieger im Großen Preis von Malmö, startete er ein Jahr später voll durch: London, Weltcup-Springen von Berlin, der Große Preis von Stuttgart – alles gewonnen. 2001 siegte der für schnelle Runden bekannte Oldenburger im Weltcup-Springen von Moskau. Dort trumpfte der Schimmel auch 2003 auf und erhöhte seine Lebensgewinnsumme auf 376.293 Euro.

Auch in der Siegerehrung des als schwerstes Springen der Welt bekannten Hamburger Derbys galoppierte ein Landadel-Nachkomme ganz vorne. Das war im Jahr 2001 die imposante Stute Landdame FRH, in deren Sattel Franke Sloothaak saß. Bereits als Siebenjährige fiel Landdame durch ihr enormes Springvermögen und ihren Ehrgeiz auf: Sie siegte in Rotterdam und Donaueschingen, verließ ein Jahr später Neumünster, Rom, Hickstead und Kiel als Sieger und gewann die Großen Preise von Leipzig und Zürich, sowie 2000 ein Drei-Sterne-S-Springen in London. Als Hannoveranerin ersteigerte Sloothaak die Stute auf der Verdener Herbstauktion 1996 für 100.000 Mark. Nur drei Jahre später war sie mit 149.765 Euro laut FN-Jahrbuch Zucht erfolgreichster Nachkomme von Landadel.

Ihr Vollbruder Laurion, gekörter Hengst, ist nicht minder erfolgreich: Unter Sören Pedersen war er zweifacher Finalist im Bundeschampionat, nahm an der Europameisterschaft 2001 teil, war 2002 Dänischer Vizemeister und zeigt als mehrfacher Starter in Nationenpreisen und Großen Preisen beständig seine Leistungsbereitschaft.


Genau diese Einstellung ist das Markenzeichen der Vererbungskraft von Landadel. Und sie zeigt sich durch die Bank über mehrere Generationen hinweg. Beispiel gefällig? Ludwig von Bayern, mit bayerischem Brand ausstaffierter Publikumsliebling der Oldenburger Hengsttage 2001, über Vater Landor S ein Enkel von Landadel: „Er ist das beste Nachwuchspferd, das ich je hatte“, sagt Gerd Sosath, bei dem der Hengst auf Station steht und der ihn im Sport vorstellt. Höchstnoten im 30-Tage-Test, den Ludwig von Bayern mit einer Zehn in der Rittigkeit und einer 9,5 im Freispringen absolvierte und altersgemäß Siege in Springpferdeprüfungen der Klasse A und L sowie die Qualifikation zum Bundeschampionat 2004 untermauern Sosaths Einschätzung.

Bereits bewiesen hat die sein Vater Landor S. Über 20 gekörte Söhne finden sich unter den Nachkommen des 1991 geborenen Oldenburgers, außerdem erfolgreiche Sportler und hoch bezahlte Auktionspferde. Landor S hat im Sport gezeigt, was in ihm steckt. Schon in seiner Hengstleistungsprüfung 1994 zeigte er, worin sein Metier liegt: Mit 133.66 Punkten lag er im Teilbereich Springen auf Platz zwei. Ein Jahr später war er bereits bestplatzierter Vierjähriger im Oldenburger Hengstchampionat, 1996 Landeschampion der fünfjährigen Springpferde in Rastede und platzierter Finalist im Bundeschampionat Warendorf. Genau dort bot er ein Jahr später einen spannungsgeladenen Finalritt, bei dem das Publikum gebannt mitfieberte. Mit katzenhafter Geschmeidigkeit in den Wendungen, blitzschneller Beintechnik am Sprung und ebenso famosen Reaktionen holte sich Landor S verdient den Bundeschampionats-Sieg. Bis hin zu Erfolgen in Großen Preisen war der Landadel-Godehard-Sohn erfolgreich.

Mittlerweile widmet sich der Hengst alleine seinen Vaterpflichten. Das mit ebenso großem Erfolg: An seine einstige Triumphstätte, die Burandtwiese in Warendorf, sandte er 2003 neun Nachkommen und schaffte es als einziger Vererber, zwei Finalisten bei den sechsjährigen Springpferden zu stellen. Darunter Lagato, auf der PSI-Auktion 2003 für 200.000 Euro versteigerter Hengst aus einer Caletto I-Mutter, der mit der Höchstnote von 9,3 ins Stechen einzog. Dort allerdings musste er anderen den Vortritt lassen, darunter seinem väterlichen Halbbruder Llandovery, der auf den sechsten Platz gelangte.

Llandovery übrigens entfachte auf der PSI-Auktion 2002 ein Feuerwerk der Gebote und trieb den Zuschlagpreis auf stolze 600.000 Euro. Nicht ganz so teuer, aber dennoch rekordverdächtig war der Preis, den der Landor S-Sohn L’Arc de Triomphe 2002 auf der französischen Fences-Auktion erzielte: 460.000 Euro. Ein begnadeter Sportler ist auch Little Love, aus einer Classiker-Godehard-Mutter gezogen und 1998 Oldenburger Landeschampion der fünfjährigen Springpferde.

Überzeugt durch eigene Sporterfolge und die seiner Nachkommen:

Landor S

Auch auf den Körungen sorgten Landor-Nachkommen mehrfach für Aufsehen. Besonders beim 2002 ins Leben gerufenen Springpferdezuchtverband Oldenburg International, den der Hengst mit schier einmaliger Kraft dominiert: Von bisher drei Siegerhengsten stammten zwei von Landor S: Lovis Corinth, der 2002 erster Siegerhengst des neuen Verbandes wurde und 2004 Lauterbach. Aus einer Holsteiner Stute von Corofino I gezogen, weckte der moderne, abgedrehte Lovis Corinth bereits auf der Vechtaer Auktion hohe Begehrlichkeit und wurde für 90.000 Mark versteigert. Auf der Oldenburger Körung 2001 zum Reservesieger ernannt, im 70-Tage-Test mit einer 9,5 im Freispringen und einer 9,0 im Parcoursspringen bonitiert, beweist der Hengst eine hohe Leistungsveranlagung.

Ebenfalls mit Holsteiner Blutelementen mütterlicherseits ausgestattet, überzeugt der aus einer Contender-Mutter gezogene Lauterbach mit Springtalent der Extra-Klasse und kostete auf der Körung 50.000 Euro. Doch nicht nur männliche Nachkommen erbten Landors Vererbungskraft. So stellte er 1999 mit Lady Madonna die Siegerin der Oldenburger Elitestutenschau in Rastede, zwei weitere Brillantringstuten und drei Jahre später mit Lady Heida die Siegerin der springbetonten Stuten auf der Bundesstutenschau in Neustadt/Dosse. Deren Vollschwester Lady Heida II erhielt in ihrer Stutenleistungsprüfung eine Zehn fürs Freispringen.

Landor ist übrigens kein Unikat. Seine Mutter Fureida wurde mehrfach mit Landadel angepaart. Das glorreiche Trio könnte man diese Paarung nennen – fielen doch drei gekörte Söhne daraus. Neben Landor Landwerder, erfolgreich auf Grand-Prix-Ebene in den USA, und Lagoheidor. Dieser bewegungsstarke Braune siegte in seiner HLP, schaffte nach Erfolgen im Parcours den Sprung ins große Viereck und war in den Niederlanden bis Grand Prix erfolgreich. Zu seinen auffallendsten Nachkommen zählen der Baden-Württemberger Lonevan, mit dem sich Ingrid Klimke 2004 für den Nürnberger Burgpokal qualifizierte, und der gekörte Hengst Lord Oldenburg, der in Vechta für 200.000 Mark versteigert wurde. Der Vierte im Bunde, Schimmel Laertes, beweist sich als Wallach in schweren Parcours.

S-Springen: Diese hohe Karrierestufe im Leben eines Pferdes – einhergehend mit dem Stolz der Züchter - schafften viele Landadel-Nachkommen. Dobel’s Luigi war so einer - der 1991 geborene Oldenburger sammelte mit Otto Becker zahlreiche Siege und hohe Platzierungen bis hin zu Drei-Sterne-Niveau. „Oft waren die Stuten noch interessanter. Bei Wallachen schlug manchmal das schwere Farnese-Blut von Landadels Mutterseite durch. Die Stuten waren meist eleganter“, beschreibt Tönne Böckmann. Lange Zeit zu den erfolgreichsten „Landadel-Ladys“ zählte Argelith Luna Luna. „Eine richtig zickige Stute, im Parcours aber unheimlich vorsichtig und eine absolute Kämpferin“, charakterisiert Besitzerin und Reiterin Eva Bitter. Mit der aus einer Vollkorn xx-Mutter gezogenen Stute reiste sie acht Jahre von Turnier zu Turnier, zählte zu den siegreichen Teams in den Nationenpreisen von Prag 1998 und Budapest 1999. „Nun hoffen wir auf ein Fohlen von Stakkato“, wünscht sich Bitter.

Noch voll im Sport ist die Holsteinerin Fein Cera.

Auf der Weltmeisterschaft 2002 im heißen Jerez lief die dunkelbraune Stute zur Höchstform auf und avancierte zum besten Pferd der Entscheidung um den Titel.

Traditionell mit Pferdewechsel ausgetragen, verhalf Fein Cera allen Reitern der Endausscheidung zu fehlerfreien Runden, musste nur unter der Schwedin Helena Lundbäck Zeitfehler in Kauf nehmen. Als bestes Pferd der WM ausgezeichnet, trug sie ihren Reiter Peter Wylde zur Bronzemedaille. Im Jahr 2003 ersprang die von Harm Thormählen gezogene Stute mit Siegen im Großen Preis von Düsseldorf und Nörten-Hardenberg 57.882 Euro,ein Jahr zuvor waren es 54.279 Euro, 2004 setzte das Paar ihrer Karriere die Krone auf und kam mit der olympischen Mannschafts-Silbermedaille nach Hause.

Einen herausragenden Erfolg markierte auch die Oldenburger Stute C’ Dur für ihren Vater Landadel: Sie gewann die Klasse der fünfjährigen und älteren Stuten auf der Bundesstutenschau 1998 in Warendorf. Aus einer Zeus-Mutter von Paul Wendeln gezogen, brachte sie mit dem Donnerhall-Sohn D’Dur den zweiten Reservesieger der Körung 2000. C’Durs Vollbruder Laphroaig war seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, in Springprüfungen erfolgreich und wirkt in Österreich.

Landadel bürgt auch auf der Mutterseite für Qualität. Viele gekörte Hengste und erfolgreiche Sportler entspringen solchen Anpaarungen. Erstes Beispiel: Roh Magic, nordrhein-westfälischer Landbeschäler von Grand-Prix-Sieger Rohdiamant, Prämienhengst und Endringteilnehmer der Körung in Münster-Handorf 2001. Nach gleichem Rezept gezogen, war der gekörte und prämierte Hengst Rabano schon als Fohlen Käufern 50.000 Mark wert. Mit dem aus einer Holsteiner Mutter gezogenen Rosizky stellte er einen Prämienhengst in Münster-Handorf 2002. Escalero – Ex Libris kombiniert mit Landadel - war Käufern in Vechta 170.000 Mark wert, mit Hannovers Starbeschäler Weltmeyer entstanden der bayerische Landbeschäler Weltenadel sowie der hannoversche HLP-Sieger Westernhagen.

In Anpaarung mit Dressur-Weltmeister Sandro Hit brachte eine Landadel-Tochter keinen Geringeren als Oldenburgs 2002-er Siegerhengst Stedinger, der – selbst in Reitpferdeprüfungen erfolgreich - mit auffallend typgeprägten Fohlen überzeugt. Mit dem springgewaltigen Caretello als Vater ist der bayerische Hengst Carlando international unter Heinrich-Hermann Engemann erfolgreich im Parcours. Der Bundeschampionatsfinalist Forrester, abstammend vom zweifachen olympischen Mannschaftsgold-Gewinner For Pleasure, beweist seine Leistungsbereitschaft unter Sören Pedersen auf internationalem Niveau.

August der Starke

Und mit Argentinus brachte die Landadel-Tochter Elinda Vechtas Preisrekordhalter August der Starke: Der gekörte Hengst, unter der Österreicherin Victoria Max-Theurer bis Grand Prix erfolgreich, wurde 1999 für 667.000 Mark versteigert. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Fakt ist: Eine Landadel-Stute im Stall ist züchterisches Tafelsilber.

Ebenso ein von Landadel abstammender Hengst. 66 Söhne wurden alleine in Deutschland gekört. Darunter viele, die ihre Qualitäten selbst im Sport unter Beweis stellen. So wie der aus einer Calypso II-Graphit-Mutter gezogene Hannoveraner Lambourghini Diabolo: Nach Siegen in Springpferdeprüfungen hat der 1995 geborene Hengst erfolgreich Einzug in die S-Klasse gehalten.

Der noble Lancado, ganz im typischen „Landadel-Look“ gehalten, beweist seine schon pedigreemäßig über Contender- Wedekind hochgeschätzte Leistungsbereit- schaft in schweren Springen, erhielt bereits in seiner HLP dafür die Traumnote zehn.

Abstammungsmäßig vom Allerfeinsten präsentiert sich Landcapitol. Wie der Name schon vermuten lässt, stammt der selbst in S-Springen erfolgreiche Holsteiner aus der Vollschwester des Stempelhengstes Capitol. Fünf gekörte Söhne konnte der 1994 geborene Hengst bereits verzeichnen. Boxennachbar zu dem auf der Station Böckmann aufgestellten Braunen war der mittlerweile nach Polen verpachtete, bisher bis M-Springen erfolgreiche Landrover. Auch seine Mutterlinie hat es in sich: Mutter Aleska Z brachte mit Cor de la Bryére den international erfolgreichen Springhengst Cordalmé, der selbst schon Olympiapferde und mit HGF Can Fly den Bundeschampion der Fünfjährigen 2002 stellte.

Bereits in internationale Sphären vorgedrungen ist Landphönix. Mütterlicherseits auf den westfälischen Stempelhengst Pilot ingezogen war der Hengst Finalist auf den Bundeschampionaten 1999, entschied zweimal das Sögeler Hengstespringen für sich und empfiehlt sich mit internationalen Erfolgen. Für ihn spricht auch sein 1998 geborener gekörter Sohn Landpirol, 2003 Sechster beim Bundeschampionat der fünfjährigen Springpferde und künftig unter dem besten deutschen Olympiareiter von 2004, Marco Kutscher, unterwegs.

Die Liste erfolgreicher Landadel-Söhne ließe sich endlos fortsetzen.

Da wären noch Lamoureux II, Siegerhengst der nordrhein-westfälischen Körung 1996 und Landbeschäler in Warendorf. Oder Lincolm L, der sich erst unter Markus Merschformann, dann mit Toni Hassmann unter anderem in Frankfurt, London und Paris in die Siegerlisten eintrug. Viele dieser Erfolge konnte Landadel selbst nicht mehr erleben. Der Hengst musste 1995 im Alter von 13 Jahren nach einer schweren Kolik erlöst werden. „Wir brachten ihn direkt in die Klinik, doch eine Operation wollten wir ihm nicht mehr zumuten“, denkt Böckmann zurück.

Damit ging die Ära eines ganz besonderen Hengstes zu Ende. „Der frühe Tod dieses Ausnahmevererbers war ein schwerer Schlag für die Zucht, der Landadel herausragende Söhne und weit überdurchschnittliche Leistungspferde lieferte“, drückt es Horst Ense, Vorsitzender des Bereichs Zucht bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, aus. Denn: Landadel hat die moderne Sportpferdezucht beeinflusst wie kaum ein Anderer. Die Bezeichnung Stempelhengst ist für diesen Holsteiner gerade passend, wenn nicht noch untertrieben.

In Bronze verewigt und unvergessen:
Stempelhengst Landadel auf dem Hof von Bernd Eylers


Julia Wentscher

 


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