Pilot - Initialzünder einer gewaltigen Luftflotte
Seltenheit, wenn nicht Einmaligkeit, hat sie in jedem Fall - die Ausnahmekarriere des westfälischen Stempelhengstes Pilot: jüngster Gewinnsummen- Millionär aller Zeiten, Vater von Weltmeistern und Olympiasiegern, Begründer einer Hengstlinie mit rund 70 gekörten Söhnen, Flaggschiff-Repräsentant geballter westfälischer Springkraft. 17 Jahre alt ist er nur geworden, doch in seiner kurzen Wirkungszeit setzte Pilot neue Maßstäbe hinsichtlich sportorientierter Vererbungskraft.
Ein Pilot, das war nicht unbedingt ein einfaches Pferd für jedermann, kein Allround-Partner für entspannte Sonntags-Ausritte. Ein Pilot forderte, stellte Ansprüche, besaß große Sensibilität in sich und erwartete sie auch von seinem Reiter. Dann war er zu Höchstleistungen fähig. Konnte Häuser springen und das geben, wonach die Sportpferdezucht im Maximum strebt: Leistungsbereitschaft.
Das verdeutlichen Pferde wie P.S. Priamos, dem das Kunststück gelang, unter zwei verschiedenen Reitern - Dirk Hafemeister und Ludger Beerbaum - zweimal in Folge zur goldgewinnenden Weltmeisterschafts- Mannschaft von Deutschland zu zählen. Oder Bugatti Pedro, der unter Wolfgang Brinkmann bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 mit dem Gewinn von Teamgold hohe Ehre für seinen damals gerade 14-jährigen Vater einlegte. Pilot war ein Spezialvererber - aber von allerhöchster Güteklasse. Wobei - sein Enkel Placido strafte alle Kritiker an Pilot's Dressurvererbung mit dem zweifachen Sieg im Bundeschampionat der fünf- und sechsjährigen Dressurpferde 2000 und 2001 Lügen.
Doch, wo das wahre Metier der Piloten lag, ist dennoch unbestritten: im Parcours.

Es war ein heißer Sommertag, als der nordrheinwestfälische Landstallmeister Dr. Gerd Lehmann sich zu einer Bemerkung hinreißen ließ, dessen züchterische Bedeutung einige Jahre später geradezu frappierend deutlich wurde: "Von dieser Stute würde ich gerne einmal einen Sohn haben." Das Objekt seines Interesses trabte vor Lehmanns Augen in fuchsfarbener Jacke auf der Stutenschau in Marl dahin und trug den Namen Gratia. "Eine imponierende Erscheinung, die enorm gehen konnte.
Sie fiel schon auf, als die Pferde wartend in der heißen Sonne standen - alle dösten mit gesenkten Köpfen vor sich hin, nur Gratia blickte aufmerksam mit wachem Gesicht umher. "Der liebe Gott war mit ihm“, wie es Dr. Lehmann, der die Geschicke Warendorfs 29 Jahre leitete, heute ausdrückt. Gratia brachte am 14. März 1974 in der Tierklinik von Dr. Peter Cronau in Wattenscheid ein braunes, mit vier weißen Beinen und Blesse gekennzeichnetes Hengstfohlen von Pilatus zur Welt: Pilot. Damals hieß der kleine Kerl jedoch noch Pierino.
"Von Anfang an war Pilot sehr keck, aufmerksam, an allem interessiert - er schreckte vor nichts zurück", so seine Züchterin Christa Geldback. Pilot war das erste Fohlen seiner Mutter, die zwei Jahre später noch ein Stutfohlen von Fantast brachte. Gratia, selbst mit dem Hannoveranerbrand gekennzeichnet, führt über Graphit den legendären Grande in ihrer Abstammungstafel. Graphit hat in dem rappfarbenen Ausnahme-Springvererber Grannus sein Meisterstück vollbracht und gilt als harter Leistungsvererber.
Mit einer Nachkommens- Gewinnsumme von über 729.000 Euro zählt Graphit zu den Beschälern der 80er Jahre. Ähnlich, wie ihr väterlicher Halbbruder Grannus ist auch Gratia aus einer Halbtrakehner-Mutter gezogen, die von dem Pythagoras- Sohn Keith abstammt. "Keith war zu seiner Zeit einer der letzten Originaltrakehner, die, von Ostpreußen aus, gerettet werden konnten“, weiß Dr. Lehmann. Das Rezept, nach dem Gratia und Grannus gezogen sind, wurde bei dem Hengst Prinzregent aufs Engste kombiniert: Abstammend von Pilot, ist seine Großmutter Odessa direkte Mutter von Grannus. Der von Hannes Meindl gezogene Bayer stellt die geballte Ladung Springgene in seinem Pedigree auch selbst im Parcours unter Beweis, inklusive einer Qualifikation zum Bundeschampionat, dem Treffen der besten Nachwuchspferde Deutschlands.
Väterlicherseits stammt Pilot, wie der zweite bedeutende Nordrhein-Westfälische Spitzen-Springvererber Polydor von Pilatus ab. Dieser Hengst entstammt der Linie des 1958 in Irland erworbenen Vollblüters Pluchino xx, selbst Sohn des italienischen Derbysiegers Niccolo dell' Arca xx. Pilatus, der mütterlicherseits das Blut des bedeutenden Hannoveraners Duellant führt, war einer der, zur damaligen Zeit, wenigen Privathengste Westfalens. Aufgestellt war der sehr vielseitig vererbende Pilatus bei Kunibert Münch in Datteln, ehe er 1978 in die Niederlande verkauft wurde. Münch war es auch, der Pilot als Absetzer erworben und 1976 zur Körung vorgestellt hat. Dort wurden die Qualitäten des Junghengstes früh erkannt und mit dem Titel des ersten Reservesiegers ausgezeichnet.
Dr. Ferdinand Dohmen, über 20 Jahre Zuchtleiter und Geschäftsführer des westfälischen Pferdestammbuchs, verfasste damals folgenden Kommentar über Pilot, damals noch Pierino: „Der erste Reservesiegerhengst Piernio von Pilatus war ein großrahmiger mit 1.66 Meter Stockmaß auch echt größerer Hengst. Pierino stand ebenfalls ausdrucksvoll im Typ und in seiner Maskulinität. Er schien aber bezüglich der Stellung der Beine noch nicht voll ausgewachsen zu sein. Die Hinterbeine standen etwas eng und auch die schwunghafte Bewegung, die ebenfalls von hinten nach vorne getragen wurde, ergab noch eine gewisse Verlagerung des Gewichts auf die Vorhand. Die Entwicklung dieses Hengstes wird ihn sicherlich noch besser ins Gleichgewicht bringen.
Typmäßig kam dieser Hengst dem modernen Reitpferd am nächsten. Er dürfte auch in der Lage sein, solide, robuste Landespferdestuten, in Richtung auf das neue Zuchtziel zu verbessern. Seine Vorfahren sprechen ebenfalls dafür. Er ist der Sohn des Privathengstes Pilatus, der ein Enkel des Vollblüters Pluchino xx und des Celler Landbeschälers Duellant ist.
Pilot - einer der größten „Volltreffer“ seiner Karriere.

Dr. Gerd Lehmann, Landstallmeister a.D. Nordrhein-Westfälisches Landgestüt Warendorf
Die Mutter stammt aus der hannoverschen Zucht vom Celler Landbeschäler Graphit und der hannoverschen Stute Kornelia, die ihrerseits vom Trakehnerhengst Keith beeinflusst ist. Aus der Zusammensetzung des Pedigrees wird erkennbar, dass der Hengst Pierino von seinen Ahnen die Noblesse bekommen hat und daher sicherlich auch in der Lage sein wird, die etwas noblere und etwas leichtere Ausformung des heutigen Reitpferdes zu gewährleisten." Noch am Tag der Körung erwarb Dr. Lehmann den Junghengst und gab ihm den Namen Pilot.
Ob bereits damals in weiser Voraussicht seines phänomenal vererbenden Springvermögens - sei dahin gestellt. „Pilot's Pedigree war von allererster Sorte - das hat wesentlich in die Ankaufsentscheidung mit eingespielt“, denkt Dr. Lehmann an die Körung des jungen Westfalen zurück. Unumstritten war der Erwerb für das Landgestüt nicht: „Wollen Sie jetzt Schecken züchten?",fragten viele Kritiker mit bissiger Ironie.
Das übrigens gleich zweifach: Denn nicht nur Pilot brachte mit seinen vier weißen Beinen und der auffälligen Blesse Farbe nach Warendorf, auch der ebenfalls bunt gekennzeichnete Argentan-Sohn Artwig zählte zum Junghengst-Lot. Das war vielen Züchtern eindeutig zu viel des Guten.
Es war ein Herbstabend, als Dr. Gerd Lehmann und Gustav Tiemann, Deckstellenleiter der Station in Sande bei Paderborn, vor Pilots Box standen. „Den hätte ich wohl gerne“ meinte Tiemann. „Das ließe sich wohl realisieren“, antwortete Dr. Lehmann. Nicht, ohne den Züchtern die auf Hannoveraner, Trakehner und Vollbluthengsten basierende Abstamung des Hengstes eingehend zu erläutern, entließ Dr. Lehmam den Junghengst nach Sande. 45 Stuten, die maximale Kapazität für einen Remontehengst, hatte Pilot dann in seinem ersten Deckjahr auf der Liste. Bevor der mit Spannung erwartete Premieren-Fohlenjahrgang kam, stand die Leistungsprüfung an.
Ordentlich, im Mittelfeld absolvierte der Hengst sie - ein Überflieger, der das Interesse scharenweise auf sich zieht, von dem die Fachwelt spricht - nein, das war Pilot damals beileibe nicht. Aber bereits mit auffälligen Höhepunkten in der Stangenwelt ausgestattet. Als die ersten Pilot-Kinder geboren waren, wurden sie wieder laut, die beißenden Stimmen der Kritiker: „Die sind alle viel zu bunt“, war das vernichtende Urteil, das die durchweg positiven Aspekte übertönte. Konsequenz: zurückgehende Stutenzahlen.
Die Wende kam, als die ältesten Pilot-Nachkommen fünfjährig waren und zeigen konnten, was wirklich in ihnen steckt. „Das hat man selten - nicht nur einige wenige, sondern durchweg alle Pilot-Kinder verfügten über weit überdurchschnittliches Springvermögen. Solch eine durchschlagende Vererbungsleistung gibt es nicht oft", resümiert Dr. Lehmann. Stieg damals schon die Nachfrage nach dem Hengst sprunghaft an, war spätestens ein Jahr später der Bann komplett gebrochen und auch die letzten Kritiker verstummt: Weit über 100 Stuten bekam Pilot im Natursprung zugeführt. 1980 standen die ersten Pilot-Söhne zur Körung an. Ein westfälischer Junghengst, gezogen aus einer Remus I-Mutter, bestand den kritischen Blicken der Kommission. Er wechselte später nach Brasilien, wo er stark genutzt wurde.
Aus seinem ersten Jahrgang, der 1978 auf die Welt kam, stellte Pilot mit dem von Norbert Koof gerittenen Perlitt bereits einen später in der S-Klasse erfolgreichen Nachkommen. Zu Pilot's ersten gekörten Söhnen zählt der Warendorfer Landesbeschäler Pinocchio, mütterlicherseits aus einer Adlerorden-Mutter gezogen. Der 1982 geborene Hengst weist mit einer Nachkommens-Gewinnsumme von über 448.000 Euro die höchste aller Pilot-Söhne auf. Maßgeblich daran beteiligt ist der unter dem „Kaiser" Heinrich-Wilhelm Johannsmann auf internationalem Niveau eingesetzte Landesbeschäler Prosario NRW. Im Jahr 2000 war Prosario das gewinnreichste westfälische Springpferd.
Sein Vater Pinocchio zählt auch in der Anzahl der gekörten Nachkommen zu den bedeutendsten Pilot-Söhnen: Hinter Pit I mit 16 und Pablo mit zwölf gekörten Hengsten, kann Pinocchio auf zehn für die Zucht zugelassene Söhne blicken.
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Erwartungsgemäß tragen die meisten Pilot-Söhne den westfälischen Brand, doch wurde die Ausnahmestellung seiner Vererbungskraft schnell in vielen anderen Zuchtgebieten erkannt und gesichert. Oldenburg etwa nutzte den westfälisch gebrannten, aus einer Matrox-Mutter gezogenen Pablo, der auf der bekannten Station Böckmann viele Jahre aufgestellt war. Reservesieger der Hengstleistungsprüfung 1991 in Medingen und Teilnehmer am Bundeschampionat der fünfjährigen Springpferde 1993 in Mannheim, verfügt Pablo mittlerweile über eine Nachkommens-Lebensgewinnsumme von 263.000 Euro. Zwölf Söhne stellte Pablo in der Zucht, von denen der aus einer Azarro-Mutter gezogene Prinz Pablo, 1998 in der HLP Neustadt/Dosse in Charakter und Leistungsbereitschaft die Maximalnote 10.0 bekam.
Hannovers Landgestüt Celle sicherte sich mit dem 1991 geborenen Perpigon einen Pilot-Sohn, der in schweren Springen Erfolge für seine berühmte Heimat sammelte. Perpignon stammt übrigens aus der Watzmmm-Tochter Whyoming, die mit dem in Oldenburg aufgestellten Pilot-Sohn Prestige Pilot das Ausnahmepferd Placido brachte. 1998 mit 360.000 Mark Spitzenpferd der Verdener Elite-Auktion, wurde Placido unter Dr. Ulf Möller 2000 und 2001 umjubelter Bundeschampion der fünf- und sechsjährigen Dressurpferde. Die Wertnoten sprechen Bände: 9.8.
In einer Währung ausgedrückt, schlagen Placido's Erfolge siebenstellig zu Buche: Für damals 1.05 Millionen Mark wurde der Wallach im Millenniumsjahr über die P.S.I.-Auktion versteigert. Prestige Pilot selbst verdeutlicht seine Vielseitigkeit auch auf dem Turnier: Siege in Dressur- und Spingpferdeprüfungen bis zur Klasse M stehen im Scheckheft des bewegungsstarken Brauen. Auch das südlichste Zuchtgebiet Deutschlands, Bayern, setzt Pilot-Söhne mit Erfolg ein: Polling etwa, Landbeschäler in Schwaiganger, der selbst über Tiefgefriersperma „erzeugt" wurde und auf eine Nachkommens-Gewinnsumme von 36.000 Euro blicken kann. Sachsens Landgestüt Moritzburg, im Schatten des glanzvollen Barockschlosses, setzt auf den Pilot-Enkel Pasolini.
Wer einen Pilot-Sohn für seine Stute ins Auge gefasst hat, der kann nahezu unter allen Farben wählen: Mit einer schimmelfarbenen Jacke kommt Popcorn daher, der im Landgestüt Warendorf aufgestellt und aus einer Frühlingstraum II-Mutter gezogen ist. Die Schimmelfarbe hat der sympathische Hengst wohl von seinem dritten Vater, Radetzky, geerbt. Bunt und fuchsfarben präsentiert sich Landbeschäler Pit I, der sich seit Jahren in der Tabellenführung der Nordrhein-Westfälischen, Gewinnsummen- Jahrgänge mit Phantom ablöst. Pit I, aus einer Frühlingstraum II-Agent-Mutter gezogen, ist übrigens der Vollbruder zu Norbert Koof's Spitzenpferd Prinzregent. 370.000 Euro haben die Nachkommen von Pit I, der auch 16 gekörte Söhne brachte, bisher zusammen gesprungen. Dazu zählt auch die 1992 geborene Rheinländerstute Perina, die unter Meredith Michaels-Beerbaum sechste der Weltcup-Qualifikation in Verona war.
Pit's Sohn Pittsburg war hochplatzierter Teilnehmer am Hengstchampionat in Alsfeld und wirkt im Sächsischen Landgestüt Moritzburg. Pit's Vollschwester Paddy stellte mit Damokles den Privatbeschäler Dinard L. Züchterisch besonders bedeutend war Pilot's Fohlenjahrgang 1985. Neben Pit I kamen aus dem 1987 zur Körung anstehenden Lot fünf weitere gekörte Söhne: Der selbst in S-Springen erfolgreiche Phantom, dessen Sohn Pornpidu NRW unter Markus Renzel im Jahr 2000 gewinnreichster siebenjähriger Westfale war, die Landbeschäler Phönix und Piquet, der imposante Power und Pageno. Dieser Fuchshengst ist der Vollbruder zu einem der erfolgreichsten Pilot-Nachkommen: Bugatti Pedro. Unter Wofgang Brinkmann zählte der Westfale, zum Goldteam der Olympischen Spiele 1988 in Seoul. Auch Pageno selbst brachte mit Perin einen Olympioniken - der von Peter Nagel-Thornau in den großen Sport gebrachte Braune zählte mit Margie Engle zum Amerikanischen Team von Sydney.
Weltweit war das Blut von Pilot gefragt, geachtet und begehrt. „Es gab eine Zeit, in der regelrecht Wallfahrten nach Westfalen stattfanden, um sich das Blut dieses Ausnahmehengstes zu sichern“, so Dr. Lehmann. Ein Pilot hatte seinen Wert, ohne Frage. Dennoch kam nicht jeder Reiter mit ihm klar. „Piloten sind lebendig, einsatzfreudig mit guter sportlicher Qualifikation. Es sind edle, gute Leistungspferde, sensibel, temperamentvoll. Persönlichkeiten, die, wenn sie fachgerecht behandelt werden, keine Probleme machen. Sie sind alles andere als gleichgültig oder doof - Ungerechtigkeiten oder eine Ausbildung, die den Grundsätzen der klassischen Ausbildung widerspricht, quittieren sie auf ihre eigene Art", drückt es Dr. Lehmann aus. Und fügt hinzu: „Der Leistungsgedanke muss in jeder Zucht eine Rolle spielen. Und wie bei den Menschen auch. haben erfolgreiche Individuen meist ihre Eigenheiten und Besonderheiten. Das haben auch die Piloten."
Über 70 Söhne wurden gekört - dennoch ist die Fortführung über die Väterliche Linie noch lange nicht gesichert.

Züchterisch manifestieren konnte sich bisher keiner mit Nachdruck. Im Jahr 2000 wurde eine Statistik bekannt, nach der im Landgestüt sieben Pilot-Söhne zusammen ganze 29 Stuten gedeckt haben. Eine traurige Missachtung der Leistungsgene eines Hengstes, der seine Ausnahmestellung mehrfach bewiesen hat. Hoffen lässt immerhin die Stellung von Pilot-Stuten in der Zucht.
"Eine Pilot-Stute im Züchterstall ist wahres Tafelsilber“, drückt es Peter Krautwig, Marketing- und Öffentlichkeits- Chef des Westfälischen Pferdestammbuches aus. Da gibt es zum Beispiel Dinard L von Damokles, der vierjährig auf dem Bundeschampionat der Reitpferde startete, zweifach Dritter der Springpferde- Konkurrenzen an gleicher Stelle wurde und auf elf gekörte Söhne blicken kann. Dinard L's Sohn Dinaro gewann 1995 die HLP mit dem Spitzen-Rittigkeits- Index von 153.09 Punkten und siegte wenig später beim Bundeschampionat der dreijährigen Reitpferde.
Mittlerweile kann er auf ErfoIge in der S-Klasse blicken. Auch der von Ehrentusch abstammende, ganggewaltige Landesbeschäler Kettner's Ehrenwort stammt aus einer Pilot-Mutter. Ebenso Lars Nieberg's internationaler Sporthengst Giorgio, der bereits Siege in Großen Preisen verbuchen kann. Ebenfalls aus einer Pilot-Mutter stammt der Reservesieger der NRWKörung 1999, Lamerto H von Linaro sowie der hessische Landbeschäler Accept, über Acord II-Pilot strikt auf Springleistung gezogener Bundeschampionatsteilnehmer. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen: der westfälische Landgestütshengst Co-Pilot von Contender, Reservesieger des Springindexes in seiner Hengstleistungsprüfung 2000, Bundeschampionatsfinalist Georgenhof's Lausejunge von Landfriese I und Otto Becker's Springkanone Grandilot von Grandeur.
Das wohl beeindruckendste Pferd, das Pilot geliefert hat, ist der Fuchswallach P.S. Priamos. Der 1982 geborene Westfale kann auf die fantastische Gewinnsumme von 847.235 Euro blicken. Nicht weniger eindrucksvoll liest sich seine Erfolgsbilanz: 42mal stand P.S. Priamos auf Siegerehrungen von S-Springen an erster Stelle, ebenfalls 42mal an zweiter, 29mal an dritter Stelle und 217mal war er platziert. Vier weitere Siege in ein, zwei und drei-Sterne-S stehen zu Buche. Mit Dirk Hafemeister gewann er 1993 den Großen Preis von Dortmund und Spangenberg und wurde 1994 mit der Deutschen Mannschaft Weltmeister in Den Haag. Nach Nationenpreis-Siegen im schwedischen Falsterbo und Rotterdam, wechselte Priamos 1996 zu Ludger Beerbaum. Der wurde mit ihm ein Jahr später Deutscher Meister, gewann den Großen Preis von Stuttgart und nahm, mal eben, noch einen Weltcup-Qualifikations-Sieg in London mit, ehe er 1998 wiederum zum Goldteam der Weltmeisterschaften zählte.
Erst im Jahr 2001, nachdem Priamos mit Beerbaum's Bereiter Marco Kutscher noch einige Drei-Sterne S-Platzierungen sammelte, wurde der Fuchs mit 19 Jahren aus dem Sport verabschiedet. Heute läuft der Spitzencrack mit Beerbaum's Olympiastute Ratina Z auf den Weiden in Riesenbeck. Der einzige championats-erfolgreiche Sportler war Priamos natürlich nicht - Pirol zählte 1993 unter Lesley McNaught zum Mannschaftsgold gewinnenden Team der Europameisterschaft. Partisan holte 1992 Mannschaftsgold bei der Europameisterschaft der Jungen Reiter. Für Italien startete Pilot's High Flight unter Valerio Sozzi in Weltcup- Prüfungen und siegte in Nationenpreisen. Allein 16 Nationenpreise gewann der Hengst Poker, vormals unter Otto Becker aktiv, nun unter Flagge mit Chuck Watters am Start.
Ein in die Annalen eingehendes Sportpferd könnte Pialotta werden. Die 1991 geborene westfälische Pilot-Akitos xx-Tochter gewann unter dem Schweden Rolf-Göran Bengtsson EinzelBronze und Mannschaftssilber auf der Europameisterschaft 2001 in Arnhein. Außerdem führte die Stute mit der charakteristischen Blesse die Weltrangliste der besten Springpferde, ausgewertet von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), im Jahr 2001 mit Weile an. Zwischen Priamos und Pialotta liegen Generationen. Und dennoch verbindet sie, neben ihrem großartigen Vater, vieles: bedingungslose Leistungsbereitschaft, Springvermögen, Siegeswillen.

Härte hat auch Pilot selbst gezeigt. Mehrere Jahre laborierte der Hengst an einem Beckenanbruch. Damals war das Röntgen noch nicht so weit, es war schwer, die Ursache zu finden, weshalb Pilot eines morgens lahm ging. Nach einer Muskelatrophie lautete die Diagnose: Beckenanbruch. Dank seiner Deckfreudigkeit blieb der Hengst jedoch der Zucht erhalten. Doch dann konnte er eines Morgens nicht mehr aufstehen - das Becken war gebrochen, Pilot musste erlöst werden, denkt Dr. Lehmann zurück. Das war im Jahr 1991 - Pilot war damals gerade 17 Jahre alt. Was hätte er noch alles leisten können!
Westfalen ohne Pilot - das ist schwer vorstellbar. Der braune Hengst, der anfangs wegen seiner individuellen Zeichnung im Zentrum der Kritik stand, wuchs weit über sich hinaus. "Pilot hat dem westfälischen Zuchtgebiet zur Weltgeltung verholfen wie kaum ein Anderer, um dieses Blut hat uns die Welt beneidet", bringt es Dr. Lehmann auf den Punkt. Seit 1985 führte er die Nachkommens- Gewinnsummen-Tabelle seiner Altersklasse an, war von 1993 bis 1995, sowie 1997 und 1998 gewinnreichster Hengst Deutschlands.
Die Millionen-Grenze überwanden seine Kinder 1990, als Pilot selbst 16 Jahre alt war. Damit ging der Hengst als jüngster Gewinnsummen- Millionär in die Geschichte ein. Allein im Olympiajahr 1992 verdienten 58 Pilot- Nachkommen jeweils mehr als 1.000 Mark im Sport. 2002 lag die Gewinnsumme seiner Nachkommen bei sensationellen 3.657.000 Euro.
Wie aktuell Pilot noch heute ist, zeigte die Oldenburger Elite-Auktion 2002 in Vechta: Unter dem Namen Primus F.J.E wurde ein via Tiefgefriersamen erzeugtes Pilot-Hengstfohlen für 30.000 Euro versteigert. Gezogen aus einer Argentinus-Direx-Mutter kommt über Direx die Vebindung zu P.S. Priamos.
So schließt sich der Kreis - ein Kreis maximaler- Leistungsfähigkeit von relativer Einmaligkeit.
Julia Wentscher
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