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Capitol

Capitol - sagenhaftes Springenvermögen

Schneeweiß, vor Kraft strotzend, selbstbewusst und kalibrigen Adel versprühend - Capitol I präsentierte sich seinen Betrachtern wie eine Sagengestalt. Der monumentale Hengst gilt zu Recht als einer der beste Vererber von Springpferden in Holstein, in Deutschland, wenn nicht der ganzen Welt. Weit über 2.5 Millionen Euro verdienten seine Nachkommen auf Turnierplätzen im Norden und Süden, in Europa, Amerika und Australien, auf Championaten und Meisterschaften.


Allein bei den Olympischen Spielen in Sydney starteten vier Nachkommen des Hengstes, der in der Gewinnsumme seiner Nachkommen nur von Landgraf I, Pilot, Polydor, Furioso II, Grannus und Lord übertroffen wird. „Capitol hat für Holstein Famoses geleistet. Sein Wert liegt in der außergewöhnlichen Springveranlagung, dem enormen Vermögen und der unkomplizierten Leistungsbereitschaft – Merkmale, die er beständig an seine Nachkommen weitergab“, resümiert Dr. Thomas Nissen, Zuchtleiter des Holsteiner Verbandes. 24 Jahre alt wurde der blütenweiße Schimmel, dann musste er am 28. September 1999 wegen einer schweren Nierenerkrankung von seinem Leiden erlöst werden.

Das Publikum zu Begeisterungs-Raunen, zu tosendem Applaus, zu offenen Mündern hinreißen - das konnte Capitol I wie kaum ein anderer. Als krönender Abschluss der stets im Februar stattfindenden Hengstpräsentationen des Holsteiner Verbandes wurde der mächtige Schimmel im Freispringen gezeigt. „Da lagen die Stangen auf Ständerhöhe und mühelos überwand Capitol Höhen von zwei Metern“, denkt sein Züchter Harm Thormählen zurück. Und war es auch noch so kalt damals, Capitol’s beeindruckende Schlussvorstellung eines mehrstündigen Programms ließ sich niemand entgehen. Bereits als Fohlen wurde Capitol von dem großen Pferdemann Maas Johannes Hell aus dem Züchterstall Thormählen erworben.




Hell war damals Geschäftsführer des Holsteiner Verbandes. Auf der Körung selbst war Capitol noch einer von vielen. „Ein großrahmiges Pferd, eher etwas quellig, nicht sonderlich auffallend, aber abstammungsmäßig hoch interessant – in der mittleren Riege präsentierte sich der junge Capitol 1977“, erinnert sich Dr. Nissen, der damals noch als Zuschauer in Neumünster weilte. Auch in der Hengstleistungsprüfung, die Capitol 1978 in Medingen absolvierte, zählte der Holsteiner noch nicht zu den Überfliegern. 82.56 Punkte lautete das Endergebnis des Schimmels – 26. Platz von 30 Teilnehmern. „Die Rittigkeit war unterdurchschnittlich, die hohe Springbegabung zwar deutlich zu erkennen, doch Capitol hatte Probleme, ins Wasser zu gehen“, so Dr. Nissen.

Einer, der den Schimmel schon früh unter dem Sattel hatte, war der mehrfache Vielseitigkeits-Olympiareiter Herbert Blöcker: „Capitol hatte ein gewaltiges Vermögen, seine Rittigkeit war in Ordnung. Er war eben ein etwas schwerer Typ, vielleicht ein bisschen maulig, aber das ist oft so bei Hengsten, die viel decken und deswegen nur wenig geritten werden.“ Blöcker erinnert sich noch an einen Schau-Abend in Neumünster, an dem Nationenpreisreiter Sören von Rönne Capitol in einer Springquadrille vorstellte. „Da hinterließ er mächtig Eindruck.“



Seine erste Decksaison verbrachte der Hengst auf der, in Ostholstein gelegenen Station Langenhagen. Dort blieb er bis 1984. „Aufgrund seiner hervorragenden Abstammung und seines gewaltigen Vermögens, das er beim Freispringen demonstriert hatte, war er gleich sehr gefragt bei den Züchtern“, erinnert sich Hans Fehrs, Inhaber der Station, die zu den drei ältesten Verbandsstationen Holsteins zählt.

In Langenhagen, 1938 gegründet, standen wahre Größen der Holsteiner Zucht: Caletto I, Calypso I und früher der Blüter Marlon xx beispielsweise. „Leider war der Hengst sehr faul beim Decken, da musste man viel Geduld haben“, schmunzelt Fehrs. „Aber dieses Problem war unter allen Ramzes AA-Nachkommen - und diesen Hengst führt Capitol ja gleich zweimal im Pedigree – bekannt.“ Gut Ding will eben Weile haben – Capitol ließ sich Zeit in seinem Job. Mit Spannung wurde sein erster Fohlenjahrgang erwartet: 35 Capitol-Kinder, 20 Hengst- und 15 Stutfohlen, kamen 1979 auf die Welt – vornehmlich in Ostholstein. „Dort traf Capitol auf eine Stutengrundlage, die bereits sehr sportlich ausgerichtet war“, reflektiert Dr. Nissen. Überzeugen konnten seine Nachkommen jedoch nicht alle: „Schöne, schnabelige Fohlen mit guten Gesichtern und guten Bewegungen waren dabei, doch auch das ein oder andere etwas schwere“, charakterisiert Fehrs, der auch Körbezirksvorsitzender von Ostholstein ist. Schnell wurde deutlich: Capitol braucht Blut. Dr. Nissen: „Die besten Pferde machte Capitol mit blutgeprägten Stuten oder solchen, die das Blut von Cor de la Bryère führten.“

Das wohl überzeugendste Beispiel seiner Vererbungskraft lieferte Capitol im Jahr 2000 beim CHIO Aachen: Cento gewann in einem atemberaubenden Stechen unter Otto Becker den Großen Preis, dicht gefolgt von seinem väterlichen Halbbruder Carthago, der auf den zweiten Platz kam. In einem solch schweren Springen die beiden erstplatzierten Pferde zu stellen, die zudem beide gekörte Hengste sind, das dürfte schon einmalig sein. Nur kurze Zeit später zählte Cento zum Gold gewinnenden Team der Olympischen Spiele von Sydney, zwei Jahre später sorgte Cento erneut für Schlagzeilen: Der Schimmelhengst gewann mit sensationellen Runden das Weltcup-Finale von Leipzig. „Cento spürt, wenn es drauf ankommt, und will alles richtig machen. Er ist ein sehr intelligentes, vorsichtiges Pferd, das manche Sachen sogar schneller sieht als ich“, beschreibt Otto Becker seinen Star im Stall.

Doch nicht nur in der Eigenleistung überzeugt der mächtige Schimmel beständig, sein Ausnahme-Springvermögen vererbt Cento auch weiter: 1999 gelang im Bundeschampionat der fünfjährigen Springpferde allein vier Cento-Kindern der Sprung ins Finale. Die meisten seiner Nachkommen, die bisher über 125.000 Euro verdienten und von denen viele bereits in der S-Klasse starten, tragen den Baden-Württembergischen Brand. Auch die Umkehrpaarung – Cor de la Bryère als Vater und eine Capitol-Stute als Mutter – brachte erfolgreiche Pferde. Bestes Beispiel: Corrado I, unter Franke Sloothaak zweifacher Weltcup-Gewinner, 1993 Sieger in den Großen Preisen von Aachen und Frankfurt, ein Jahr später Deutscher Meister und mehrfacher Gewinner von Nationenpreisen. „Corrado ist ein Pferd von selten erlebter Genialität“, bringt es Franke Sloothaak auf den Punkt.



Doch schon lange vor den Ausnahmespringern Cento und Corrado wurde Capitols Vererbungskraft offenkundig. Einen ersten Leistungsvergleich der Vererbung eines Junghengstes ziehen die Holsteiner Züchter traditionell auf privater Ebene ab: Wenn die ersten Nachkommen zwei Jahre alt sind, werden sie verladen und an einem zentralen Punkt beim Freispringen getestet. „Das Vermögen, das in den Capitol-Kindern steckte, war enorm – alle sprangen sie sehr gut“, so Fehrs. Unter den auffällig vielen Schimmeln war auch Corso, einer der ersten, international erfolgreichen Nachkommen des Hengstes.

Unter dem Schweizer Willi Melliger startete Corso in Mächtigkeits- und Zeitspringprüfungen und ging hoch platziert aus Nationenpreisen hervor – 1989 zählte das Paar zum Schweizer Teamin Aachen, das den dritten Platz erzielte. „Corso kann man fast als Wegbereiter für Capitol sehen. War der Hengst vor Corso’s Erfolgen immer mal wieder ein wenig umstritten, begann mit Corso ein wahrer Run auf Capitol-Nachkommen. Unheimlich viele Schweizer kamen nach Holstein und wollten auch einen Capitol haben“, denkt Norbert Bolay, Vermarktungschef in der Holsteiner Absatzzentrale Elmshorn. Umso gefragter wurde Capitol bei den Züchtern.

Pferde wie Verelst Goliath, aus einer Caletto I-Stute gezogen, zeigen die enorme Leistungsbereitschaft der Capitol-Kinder: Unter Marc van Dijck wurde das Pferd 2001 jeweils Zweiter im Nationenpreis und Großen Preis von Madrid, zählte im selben Jahr zum siegreichen Team im Nationenpreis von Dublin und Aachen und verließ die Turnierplätze von Arnheim, St. Gallen, La Baule, Berlin, Oslo und Helsinki hoch platziert. Die 1991 geborene Capitol-Tochter Charlottenhof’s Charisma sammelte unter Sören von Rönne und der Schwedin Charlotte Lund Weltcup-Punkte, der Hengst VDL Cardento siegte unter Peter Eriksson 2001 im Preussag-Championat von Hannover und startete erfolgreich im Nationenpreis von Falsterbo und St. Gallen.



„Ein selbstbewusstes Pferd, das wusste, was es wollte“, charakterisiert Hans Jochen Asbahs den Hengst. Auf dessen Station in Bokel verlebte Capitol I seine letzten Jahre. „Manchmal wollte er allerdings mit dem Kopf durch die Wand. Unheimlich aggressiv konnte er werden, wenn ein Hengst neben ihm stand, den er nicht leiden konnte. Dann stieg er pausenlos am Gitter hoch, legte die Ohren an, trat mit voller Wucht vor die Wände. Uns blieb nichts anderes übrig, als einen anderen Hengst neben ihn zu stellen“, denkt Asbahs zurück. Landgraf I, mit 3.5 Millionen Euro Nachkommens-Gewinnsumme der erfolgreichste Vererber Deutschlands, konnte Capitol I gar nicht leiden.

Beide Hengste verbrachten ihre letzten Jahre in Bokel.Dort durften sie auch auf die Weide gehen, sich den frischen Wind Holsteins übers Fell blasen lassen. 1995 zog der damals 20-jährige Hengst auf der, zwischen Itzehoe und Elmshorn gelegenen, Station ein. „Noch im Alter war Capitol stark gefragt bei den Züchtern, doch leider wurde sein Sperma immer schlechter“, so Asbahs. Schließlich deckte der Schimmel wieder im Natursprung – und war kaum zu bändigen. „Beim ersten Angriff stürmte er unwahrscheinlich los und zog einen, trotz Kette, durch die ganze Halle. Beim Decken selbst ließ er sich jedoch viel Zeit.“ Eine gewisse Dickfelligkeit im Umgang – die muss Asbahs dem Hengst bescheinigen. „Die allerletzte Elegance fehlte ihm. Dazu war er vielleicht auch ein wenig zu schwer, zu wenig Blutpferd.“ Dafür vererbte er seinen Nachkommen beste Charakterwerte. „Capitol-Nachkommen sind umgängliche, unkomplizierte Pferde, die keine Probleme machen“, charakterisiert Bolay. Das spiegelte sich auch auf den Holsteiner Verbandsauktionen wider.

1994 sorgte die springgewaltige Cecilia für Aufsehen: 250.000 Mark wurden für die, aus einer Latus II-Stute Gezogene geboten. Das war nicht nur der Spitzenpreis der Auktion, sondern auch der bis dato höchste Zuschlagspreis, der je in Neumünster gezahlt worden war. Viele Capitol-Nachkommen echselten über die Holsteiner Auktionen in die Hände internationaler Spitzenreiter. Caprera etwa, aus einer Lagano-Stute gezogen, die unter Jeroen Dubbeldam, Olympiasieger von Sydney, Erfolge sammelte. Sie wurde 1996 versteigert. Oder Cardinale, 1991 für 200.000 Mark zugeschlagene Capitol-Lord-Tochter, die unter Willi Melliger startete. Capitols Ausnahmestellung in der Zucht kommt nicht von ungefähr. In seinem Pedigree vereinen sich mit den Stämmen 104 a und 173 zwei der leistungsstärksten Linien der Holsteiner Zucht. Geboren wurde der kalibrige Schimmel am 2. Mai 1975 auf dem Hof von Harm Thormählen in Kollmar.

Capitols Mutter Folia, über Maximus-Ramzes AA gehäuft Edelblut führend, leistete Unschätzbares in der Zucht: Neben Capitol I brachte sie mit dessen Vollbruder Capitol II, den Landgraf I-Söhnen Latus I und II sowie Cellebrio von Caletto II insgesamt fünf gekörte Söhne. Bundeschampion Latus I wirkte auf der Station von Paul Schockemöhle, ehe er 1993 einging. Unter Franke Sloothaak erhielt er in einer Springpferdeprüfung die Traumnote 9.5. Sein Vollbruder Latus II, dessen Nachkommen bereits eine Gewinnsumme von über 330.000 Euro erzielt haben, deckt, nach einigen Jahren im Baden-Württembergischen Haupt- und Landgestüt Marbach, wieder in Holstein und brachte international erfolgreiche Springpferde. Über Folias erste Tochter Kausa, die selbst im Turniersport erfolgreich war, ist die braune Stute Großmutter des gekörten Hengstes Cadillac. Der Caletto II-Sohn wurde in Baden-Württemberg eingesetzt und sammelte selbst knapp 10.000 Euro in schweren Springen.



Folias Tochter des Jahrhunderthengstes Cor de la Bryère, Lektion, wurde unter Imke Dehn Europameisterin in der Vielseitigkeit. Drei gekörte Hengste konnte Folias Tochter U-Capitola, Vollschwester von Capitol I und II, stellen: Mit Lord brachte sie den, nach seinem Zuchteinsatz in Dänemark und Holstein, in Amerika wirkenden Lord Capitol, mit Calando I den beim Studbook Zangersheide gekörten Cevin. Die Anpaarung mit Stempelhengst Landadel brachte den bei Anton Böckmann aufgestellten Landcapitol. Der 1994 geborene Holsteiner war selbst bereits in schweren Springen erfolgreich und kann schon auf zwei gekörte Söhne blicken. Auf der Oldenburger Spezial-Auktion in Vechta 2002 konnte Landcapitol mit dem, aus einer Trouble Maker AA-Mutter gezogenen Wallach Lovemaker das mit 27.000 Euro zugeschlagene Spitzenpferd stellen.

Neben Landcapitol ist U-Capitola über ihre von Landgraf I abstammende Tochter Birte Großmutter von zwei gekörten Hengsten: Casir Ask von Cor de la Bryère wirkt in Dänemark, der sehr hoch eingeschätzte Quidam de Revel-Sohn Quite Easy war 2001 zweiter Reservesieger Holsteins. Damit haben fünf gekörte Hengste die Ausnahmestute Folia zur Mutter, vier zur Großmutter und bisher zwei zur Urgroßmutter. Zählt man einmal alle Nachkommen-Gewinnsummen dieser elf Hengste zusammen, stößt man auf eine unglaubliche Zahl: Weit über drei Millionen Euro haben sich Folias Nachkommen erkämpft. Folia selbst ist eine Tochter des Halbblüters Maximus, der unter dem Olympiareiter Kurt Jarasinski und Manfred Kloes internationale Springen bestritt.

Auch Folias Mutter, die 1961 geborene Stute Vase, kann prominente Verwandtschaft aufweisen: Ihr Vollbruder Romanus war in der Zeit von 1959 bis 65 unter Hans Günter Winkler eines der besten Springpferde Deutschlands, holte sich 1961 Bronze bei den Europameisterschaften in Aachen, ein Jahr später Silber in London und zählte, 1963 zum ebenfalls Silber gewinnenden Team in Rom. Als der Schimmel zwei Jahre später, nach seinem Sieg im Mächtigkeitsspringen von Stockholm, aus dem Sport verabschiedet wurde, bekam Vases Züchter Rheder Thormählen 30.000 Euro für die Stute geboten. Doch er blieb hart. Und leistete damit einen unbezahlbaren Dienst für die Holsteiner Zucht.

Vases Mutter Rappel, also die Urgroßmutter von Capitol, konnte Thormählen als 20-Jährige erwerben. Und das hatte einen einfachen Grund: Rappel brachte ihre Besitzer zur Weißglut, weil sie die traditionellen Weide-Abgrenzungen Holsteins – Wassergräben und Hecken – einfach ignorierte. Wurde es ihr zu langweilig, galoppierte sie an, taxierte den Graben, drückte ab – und galoppierte von dannen. Wollte der Bauer sie morgens zur Arbeit holen, konnte er sich erst mal auf die Suche nach der springfreudigen Stute machen.

Selbst ihre Mutterliebe wurde von ihrer Abenteuerlust unterdrückt – der kleine Romanus wurde mehrmals im Graben gefunden, weil Rappel ihn im Stich gelassen hatte. Mehrfach wechselte Rappel aus diesem Grund den Besitzer, wurde einmal gar für wenige hundert Mark vorm Schlachter gerettet. Thormählen ließ die Heinzelmann-Tochter erneut von dem Anglo-Araber Ramzes AA decken – Vase war das Ergebnis. 25-jährig brachte Rappel ihr letztes Fohlen zur Welt, als 23-Jährige lief sie noch L-Springen. Beispielhafte Langlebigkeit, die sich wie ein roter Faden durch den Stamm 173a zieht – Capitols Mutter Folia wurde 29 Jahre alt. Doch nicht nur die mütterliche Abstammung Capitols zählt zum Besten, was das Land zwischen den Meeren zu bieten hat. Auch väterlicherseits hat Capitol erfolgreiche Ahnen: Vater Capitano ist ein Enkel des hoch geschätzten Vollblüters Cottage Son xx und trägt über seinen Muttervater Ramzes AA erneut Blut.


Auch Capitano, dessen Nachkommen beachtliche 360.000 Euro verdienten, wurde von Rheder Thormählen in Kollmar gezogen. Seine Mutter verdeutlicht das Zuchtrezept Thormählens in aller Konsequenz: „Mein Vater kaufte Stuten, die sich im Spitzensport bewährt hatten, um mit ihnen weiter zu züchten. Damit führte er die strenge Selektion Holsteins noch weiter: Denn in diesem Zuchtgebiet kamen nur Stuten zum Einsatz, die ihre hohe Leistungsbereitschaft und ihre Bereitschaft, zu kämpfen, in der Arbeit vor dem Pflug bewiesen hatten. Die Böden in der Kollmarer Marsch werden nicht umsonst Minutenböden genannt: Innerhalb kürzester Zeit werden sie, je nach Wetter, knochentrocken oder extrem schlammig – sie verlangten den Pferden alles ab“, erklärt Rheder’s Sohn Harm Thormählen. Der selbst international erfolgreiche Springreiter übernahm das Gestüt 1973.

Zurück zu Capitano’s Mutter Retina: Die Schimmelstute sorgte als siebenjährige für eine Sensation: Unter Fritz Thiedemann gewann sie in der bis dato schnellsten Zeit das Stechen um das weltbekannte Hamburger Spring-Derby. „Sie zählt zu den zwei Pferden, die sowohl beide Qualifikationen dieses extrem schweren Springens gewinnen konnten, als auch aus dem Derby selbst als Sieger hervorgingen“, berichtet Thormählen stolz. Interessant: Retina nacheifern konnte bislang nur ihr Urenkel Capriol: Der Capitol-Sohn trug den Lorbeerkranz im Jahr 2000 unter Holger Wulschner und wurde in der Ehrenrunde mit tosendem Applaus bedacht. Der dunkelbraune Hengst Capriol zählt zu den erfolgreichsten Nachkommen seines berühmten Vaters: Unter seinem ständigen Reiter Holger Wulschner, der im mecklenburgischen Passin eine Hengststation unterhält, war er mehrfach hoch platziert in Drei-Sterne-S-Prüfungen, begann seine internationale Laufbahn 1996, nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften in Balve.

Im gleichen Jahr war Capriol Vierter im Großen Preis von Hickstead, lief 1997 und 98 die Weltcup-Tour, wurde 1999 Deutscher Vizemeister und stand im Jahr 2001 an fünfter Stelle in der Gesamtwertung der Riders Tour. Capriol kann bereits auf eine Reihe S-erfolgreicher Nachkommen blicken. Darunter findet sich auch der gekörte Sachsen-Anhaltiner Degenhardt's Caprisio, der 1999 auf dem Bundeschampionat der fünfjährigen Springpferde startete und mit Holger Wulschner bereits in Großen Preisen erfolgreich war.

Gleich einer der ersten gekörten Capitol-Söhne muss, nach der Lebensgewinnsumme seiner Nachkommen gewertet, als Erfolgreichster angesehen werden: Über 500.000 Euro sprangen die Kinder des 1986 geborenen Schimmelhengstes Carolus I bisher zusammen. Der aus einer Roman-Mutter gezogene Hengst war selbst im Sport mit dem Schweizer Nationenpreisreiter Stefan Lauber und Hans-Peter Konle international erfolgreich. Sechs gekörte Söhne, darunter den 98er Siegerhengst von Baden-Württemberg, Carlsson G, konnte Carolus I bisher stellen. Wo Carolus I Vererbung hinzielt, demonstrierte Carlsson G bereits an den Körtagen: Wertnoten von 9.5 und 10.0 waren die logische Konsequenz seiner beispielhaften Springveranlagung. Zahlreiche Bundeschampionats-Teilnehmer, darunter die Stute Carinena, die 1996 das kleine Finale der Springpferde mit der Spitzen-Wertnote von 9.6 entschied.


Auch Carolus' Sohn Clinton, von dem Holsteiner Thomas Voss pilotiert, beweist seine Einstellung zum großen Sport konstant in schweren Springen: Über 100.000 Euro sprang der 1990 geborene Hengst bisher zusammen. Begehrt sind die Carolus I-Nachkommen ohne Frage: 2001 erzielte der Carolus I-Sohn Carlos 170.000 Euro auf der P.S.I.-Auktion in Ankum. Im Jahr 2002 stand Carolus I als Mutter der Holsteiner Siegerin auf der Verbandsstutenschau, Only You, im Mittelpunkt des züchterischen Interesses. Mit dem, für das Weltcup-Finale 2003 unter Christian Ahlmann qualifizierten Schimmel Cöster und dem Junioren-Europameisterschafts-Zweiten, Callistro, der unter Janne-Frederike Meyer Erfolge sammelt, hat der Capitol-Sohn Calato zwei absolute Spitzenpferde gestellt. Der aus einer Landgraf I-Mutter gezogene Hengst zählt sicherlich zu den besten Capitol-Nachkommen überhaupt.

Im Sport ohne Frage ein ganz Großer ist der zweifache Olympiateilnehmer von Atlanta und Sydney, der Hengst Carthago Z von Capitol. Mit Jos Lansink, Chefbereiter des belgischen Gestüts Zangersheide, das unter seinem ehrgeizigen Initiator Leon Melchior zu den führenden Springpferdezuchten der Welt zählt, errang der Schimmel viele Erfolge in Nationenpreisen und auf Championaten. Seine Tochter HS Europa sorgte im Jahr 2000 gleich zweimal für Aufsehen: Nach ihrem famosen Sieg gegen stärkste Konkurrenz im Bundeschampionat der fünfjährigen Springpferde erzielte sie auf der P.S.I.-Auktion den sensationellen Preis von 2.3 Millionen Mark.

Mit dem Bundeschampionats-Teilnehmer Charly hatte Carthago Z auf der 2000er P.S.I.-Auktion noch ein weiteres Eisen im Feuer: Der Wallach wurde für umgerechnet rund 225.000 Euro nach Italien zugeschlagen. Carthago zählt mit einer Nachkommens-Gewinnsumme von über 350.000 Euro und neun gekörten Söhnen zur Vererbungs-Elite der Capitol-Kinder. In der Zahl seiner zur Zucht zugelassenen Hengst-Söhne wird Carthago Z nur von Franke Sloothaak’s Erfolgspferd Cassini I übertroffen: Elf Cassini-Kinder erhielten – vornehmlich in Holstein – das begehrte „Okay“ der Körkommissare. Cassini selbst startete seine Karriere unter Bo Kristoffersen, damaliger Chefbereiter des Holsteiner Verbandes und mittlerweile Nationaltrainer der Dänischen Equipe.

Mit Franke Sloothaak zählte Cassini 1999 zum siegreichen Deutschen Team beim Nationenpreis im italienischen Modena, war im selben Jahr knapp geschlagener Zweiter im Mächtigkeitsspringen von Mauberge in Frankreich und gewann 1998 den Großen Preis von Arnheim. Zweimal startete der Schimmel in der Weltcup-Tour, ehe er, nach Beendigung seiner Sportlaufbahn 1999, ausschließlich in der Zucht eingesetzt wurde. „Cassini hatte unwahrscheinliche Möglichkeiten und sprang mit einer außergewöhnlichen Technik, um die ihn viele beneidet haben. Mittlerweile habe ich schon Nachkommen von ihm unter dem Sattel, die sich sehr positiv zeigen“, so Franke Sloothaak. Cassini stellte 1997 den für 70.000 Mark versteigerten Auktioniken Callistro, der unter Achaz von Buchwaldt und Jessica Kürten startete. Zu Cassinis gekörten Söhnen zählt mit Candillo auch der Sieger der 96er Hengstleistungsprüfung von Medingen.


Hoch erfolgreich in den Niederlanden wirkt der aus einer Lord-Mutter gezogene Schimmelhengst Celano. Er trug in seinen ersten Deckjahren das Capitol-Blut nach Sachsen. Und das überaus erfolgreich: Seine vornehmlich sächsischen Nachkommen bescherten ihm einen Spitzenplatz in der FN-Zuchtwertschätzung. Selbst unter Rob Ehrens hoch platziert in den Großen Preisen von Arnheim und Leeuwarden, errang er im Jahr 2000 den begehrten Titel „Best Stallion“ beim internationalen Hengstturnier im niederländischen Zwolle.

Auch der 1988 geborene Hengst Campione zählt zu den insgesamt fünf Capitol-Nachkommen, die bei Olympischen Spielen an den Start gingen. Mütterlicherseits über Sacramento Song xx-Cottage Son xx 0viel Blut führend, steht Campione als Vater des Bundes-Championatsfinalisten Camporado B im Pedigree. Dieser Holsteiner sorgt in Bayern für die Verbreitung des Capitol-Bluts. Auch die von Christian Ahlmann pilotierte Stute Comtessa, die 2003 den Großen Preis von Braunschweig gewann, hat Campione zum Vater. Über 21 gekörten Söhnen und 273 eingetragenen Stuten gibt Capitol seine hoch geschätzten Gene weiter. Mit einem Zuchtwert von 154 Punkten liegt er unter den Top Ten deutscher Springvererber. Geniales Springvermögen, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weiße Jacke, famose Leistungsbereitschaft – das sind Markenzeichen, die einen echten Capitol-Nachkommen auszeichnen. Der Ehre ihres unvergessenen Vaters wegen.


CAPRIOL (v. Capitol I – Ladykiller xx, Z.: Klaus Rathjen, Bokel) und Holger Wulschner schrieben im Jahr 2000 Derbygeschichte in Hamburg-Flottbek: Noch nie hatte es bis dahin jemand geschafft, beide Derbyqualifikationen und das Derby selbst siegreich für sich entscheiden zu können. Neben zahlreichen internationalen Erfolgen war dies sicherlich ein ganz besonderer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte dieses Paares.


Nach beständig guten Leistungen im internationalen Turnierzirkus wurden VDL CARDENTO (v. Capitol I – Lord, Z.: Reimer Witt, Wellinghusen) und Peter Eriksson 2001 in das Schwedische Team berufen. Sie trugen maßgeblich zum Gewinn der EM-Silbermedaille der Schwedischen Mannschaft bei der EM in Arnheim bei. 2002 war dieses Paar u. a. siegreich im Großen Preis von Stockholm.


VERELST GOLIATH (v. Capitol I – Caletto I, Z.: Wolfgang Colmorgen, Meldorf) war mit seinem Reiter Marc van Dijck seit einigen Jahren eine feste Stütze des Niederländischen Teams bei Welt- und Europameisterschaften. So war er nur eins von fünf Pferden mit einer Doppel-Nullrunde am letzten Tag der EM in Arnheim. Anfang des Jahres 2003 wechselte Goliath in den Besitz der Amerikanerin Alison Firestone.


CAPITAL W (v. Capitol I – Caletto I, Z.: Wolfgang Colmorgen, Meldorf), Vollbruder des im Moment noch prominenteren Goliath, schiebt sich mit seinem Reiter Thomas Schepers immer weiter in die vordere Phalanx des internationalen Springsports. So waren diese beiden u. a. Mitglied der Deutschen Mannschaft, die im Jahr 2002 den dritten Platz im Nationenpreis von Lummen belegte.


CAROLUS H (Capitol I – Roman, Z.: G. Hartmann, Rendsburg) verhalf seinem damaligen Reiter Thomas Voß mit zahlreichen Erfolgen zum Anschluss an die Spitze der internationalen Springreiterelite. Vor einigen Jahren in die USA verkauft, konnte er sogleich die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen und war mit seiner neuen Reiterin u. a. siegreich im hochdotierten American Gold Cup.


CHARLOTTENHOF’S CHARISMA (Capitol I – Lord, Z.: Johann Vollersen, Sterdebüll) gehört seit einigen Jahren zu den Erfolgsgaranten im Stall von Sören von Rönne: 2001 Zweiter im Weltcupturnier von Aarhus, damals noch unter der Dänin Charlotte Lund, schiebt sich dieses Pferd immer mehr in den Blickpunkt des Interesses: Zahlreiche internationale Erfolge, u. a. beim CSI in Neumünster 2003, bestätigen die, in diese Stute gesetzten Hoffnungen.



BULL’S CHEASEPEAK BLUE (v. Capitol I – Caletto I, Z.: Otto Junge, Edemannswisch) ist mit seiner Besitzerin und Reiterin Connie Bull beständig in den Siegerlisten internationaler Events zu finden. U. a. war dieses Paar Teilnehmer der Europameisterschaften 2001. Im darauf folgenden Jahr waren beide bei der WM in Jerez vertreten.


Aus den Erfolgen des CORSO (Capitol I – Maximus, Z.: Willi Howe; Kabelhorst) resultierte eine große Nachfrage nach Nachkommen des Capitol I, insbesondere bei Schweizer Reitern. Unter seinem ständigen Reiter Willi Melliger war dieser, 1979 geborene, sprunggewaltige Schimmel Sieger vieler Großer Preise und erfolgreicher Teilnehmer internationaler Championate.


Calato v. Capitol I a.d. Vanessa III HSP v. Landgraf I - Calypso I Züchter: Haidkoppel Pferdehof, Hohenlockstedt. Einer der typvollsten, gekörten Capitol I-Söhne in der Holsteiner Zucht, der selbst in schweren Springprüfungen hoch erfolgreich eingesetzt wurde. Dieses Talent zeigen auch seine Nachkommen. Seine Mutter war mehrfache Schausiegerin und erfolgreich in  S-Springen unter Thies Luther.


Colman v. Carthago a.d. Rosenquarz v. Lord - Marlon xx. Züchter: Klaus Meyn, Wesseln. Ein auffallend schön gebauter Capitol-Enkel, der über eine einmalige Blutkombination verfügt und aus einer wertvollen Mutterlinie stammt. Sein erster Sporteinsatz und seine Fohlen sind vielversprechend und deuten auf eine große Zukunft in Holstein hin.

Cassini I v. Capitol I a.d. Wisma v. Caletto II - Mahmud. Züchter: J. Hermann Claussen, Neuenkirchen
Er gehört zu den gefragtesten Vererbern der Holsteiner Zucht. Cassini I war selbst unter Franke Sloothaak in Großen Preisen erfolgreich und ist in der Lage, diese Leistungsgene weiterzugeben.
Viele seiner Nachkommen sind heute schon erfolgreich im großen Sport.


Quite Capitol v. Quidam de Revel a.d. U-Capitola v. Capitano - Maximus · Züchter: Harm Thormählen, Kollmar Er war Prämienhengst 2001 in Holstein und verfügt über ein Ausnahmepedigree. Am Sprung wird dieser Holsteiner voll dem Pedigreezuchtwert gerecht. Sein Vater, der Jalisco-Sohn Quidam de Revel, gilt in Frankreich als bester Springpferdevererber. Seine Mutter ist Vollschwester zu Capitol.

 


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Samstag, 19.05.
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