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Rubinstein
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Rubinstein - ein Jahrhunderthengst
"Auf den Flügeln des Olymp", "nach striktem Goldrezept gezüchtet", "ein Jahrhunderthengst" - die Lobeshymnen auf den Glanzrappen klingen pathetisch. Nicht zu Unrecht. Ein Hengst wie Rubinstein, der im Juni 2000 14-jährig viel zu früh von dieser Welt gehen musste, hat sie nicht nur verdient, er hat sie auch unter Beweis gestellt - und das mehrfach. 40 Siege auf Grand Prix-Niveau, Mitglied des deutschen Olympiakaders 1996, Vater von 89 Staatsprämienstuten und 66 gekörten Hengsten, von Auktionsspitzen und Grand Prix-Siegern. Drei Ausnahmepferde. Das Besondere: Sie alle sind mit Rubinstein aufs Engste verwandt: Rubinsteins Mutter Antine ist die Vollschwester von Amon und Ahlerich, sowie der Stute Adone, die mit Romadour II Rembrandt das Leben schenkte. Und Romadour II steht als Großvater in den geradezu gold-bepuderten Papieren Rubinsteins. Welch ein Pedigree! Genau das war es auch, das Gudula Vorwerk-Happ aufhorchen ließ. Ein Hengst aus dieser, weltweit wohl einzigartigen Familie, dazu noch schick, schwarz und sogar günstig - 35.000 Mark kostete der Ausnahmebeschäler als dreijähriges Pferd. Zuvor war er bei einem Besichtigungstermin zur westfälischen Körung abgeschmettert worden. "Zu klein, zu wenig Pferd, Mängel im Hinterbein - nicht körfähig" hieß es lapidar. Doch de Baey glaubte an den Rappen, ließ ihn Hengst und begrüßte wenig später Vorwerk-Happ mit der Oldenburger Körkommission auf seinem Hof. Die zeigten sich sehr angetan, wollten sich vor allem das wertvolle Blut für ihr Zuchtgebiet sichern. Damit war es besiegelt: Rubinstein ging nach Oldenburg.
Erfolgsgespann: Spitzenstuten Adone und Antine Hier gab man dem Rappen von Beginn an alle Chancen: Auf der Nachkörung 1988 erhielt er die Anerkennung und war schon in seinem ersten Deckjahr gefragt wie kaum ein anderer Junghengst je zuvor. Gespannt warteten die Züchter auf das Ergebnis der Hengstleistungsprüfung. Sie wurden nicht enttäuscht. Erwartungsgemäß mit hohen Punkten in der Rittigkeit absolvierte Rubinstein die Prüfung in Adelheisdorf mit 136,56 Punkten als Dritter eines 66-köpfigen Feldes. Auch seine Springanlage wurde überdurchschnittlich bewertet.
Der junge Rubinstein: Ein Bild von Pferd Dann kam der erste Fohlenjahrgang: Überaus korrekt im Exterieur, schick, mit feinen Gesichtern, im Trab gegenüber dem Vater sogar noch verbessert - allein 16 Fohlen erhielten die Prämie "Hengstanwärter" und wurden mit einer glatten 10,0 ausgezeichnet. Einer sorgte sogleich für eine Sensation: Bundesfohlenchampion Rubicon wurde auf der Vechtaer Herbstauktion für 53.000 Mark zugeschlagen und war damit das bis dato teuerste versteigerte Fohlen aller Zeiten. Und als wollte Rubinstein es den Westfalen, die ihn ein Jahr zuvor verschmähten, beweisen, gewann er als Vierjähriger das "Optimum" in Münster - Materialpferdechampion! Die Auszeichnung auf der Oldenburger Körung war die logische Konsequenz der außerordentlichen Erfolge des jungen Hengstes - unter dem Sattel, wie in der Vererbung: Unter tosendem Beifall wurde Rubinstein 1990 zum Oldenburger Hauptprämiensieger ausgerufen. Nachdem Rubinstein schon 1991 mehrere Siege und Platzierungen in Dressurpferdeprüfungen der Klasse L einheimste, wurde sein erster Auftritt vor großem Publikum von hohen Erwartungen begleitet: Rubinstein startete beim Bundeschampionat 1992 in Verden. Würde er die starke Konkurrenz bei den Sechsjährigen hinter sich lassen können? In der entscheidenden Finalprüfung musste er unter Detlev Nesemann nur dem Hannoveraner Don Juan-Sohn Don Johnson mit Heiner Schiergen den Vortritt lassen und wurde knapp geschlagener Vizechampion. Mit Spannung wurde im Herbst 1992 der erste Jahrgang in der Weser-Ems-Halle zu Oldenburg erwartet. Würden die Junghengste die in sie gesetzten Hoffnungen halten können? Den Run auf ihren Vater bestätigen? Sie konnten - mit Bravour. Vier Rubinstein-Söhne erhielten das begehrte Gütesiegel "gekört", zwei wurden mit einer Prämie ausgezeichnet. Doch nicht nur das: Ein dunkelbrauner, mit gewaltigen Bewegungen versehener, viel Edelblut führender Strahlemann wurde zum Siegerhengst ausgerufen: Rohdiamant, späterer HLP-Sieger, Bundeschampion und im Milleniumsjahr unter Lisa Wilcox zum amerikanischen Olympiakader gehörender Spitzenvererber. Welch ein Einstand!
Auch im Seitenbild ohne Fehl und Tadel: Mittlerweile war Rubinstein siegreich in ersten S-Dressuren - von elf Starts unter Martina Hannöver münzte er zehn in Siege um. "Rubinstein war ein unheimlicher Kämpfer mit einer kaum vorstellbaren Sensibilität in sich. Er hatte einen Top-Charakter wie ihn sich jeder Reiter wünscht und nur selten findet", erinnert sich Hannöver. Auch seine Nachkommen wandelten auf den Erfolgsspuren ihres Vaters: Dreimal erhielt Rohdiamant in seiner Hengstleistungsprüfung von Fremdreitern die Zehn und wurde mit sensationellen 150,01 Punkten unangefochtener Sieger im Dressurindex - vor seinem Halbbruder Rubirando. Kein Zweifel an seiner Klasse ließ der Dunkelbraune am Bundeschampionat der dreijährigen Reitpferde aufkommen: Sieger unter Martina Hannöver. Die Erfolgsstory des bisher wohl profiliertesten Rubinstein-Sohnes wies ebenso steil nach oben, wie die seines Vaters: Bundeschampion der fünfjährigen Dressurpferde, Siege in Grand Prix-Prüfungen auf internationalem Parkett, unter Lisa Wilcox in der Olympia-Auswahl für das amerikanische Team.
Rohdiamant und Lisa Wilcox: Mit großen Tritten Auch Rubinstein war der Olympialuft zeitweilig ganz nahe. 1996 stand er mit Martina Hannöver nach mehreren Grand Prix-Siegen im Kader für Atlanta. Die elegante, überaus harmonische Erscheinung des Paares zog die Zuschauer stets in ihren Bann. Rubinstein wirkte nicht durch pompöses Hengstgehabe, nicht durch spannungsgeladene Tritte, sondern durch ungemein hohe Rittigkeit und Konzentrationsfähigkeit.
Der Meisterschüler bei der Arbeit: "Das waren schon große Momente, wenn unser Hengst in der Siegerehrung ganz vorne stand und die deutsche Flagge gehißt wurde", erinnert sich Gudula Vorwerk-Happ ein wenig wehmütig an die Glanzzeiten des Hengstes zurück. Nach dem Wegzug Hannövers wurde Rubinstein für kurze Zeit von seinem ständigen Betreuer Ferdinand Krogmann gearbeitet, ehe Heike Kemmer in seinem Sattel Platz nahm.
Ein ganz besonderes Pferd - das weiß auch Rubinstein galt schon zu Lebzeiten als einer der profiliertesten Dressurvererber der Gegenwart. Er brachte Pferde, die von jedermann zu reiten sind, klar im Kopf, umgänglich, leistungsbereit und mit hoher Rittigkeit ausgestattet. In fördernden Händen nicht selten Musterschüler, die auch schwerste Lektionen problemlos lernen. Bisher gewannen sie über 700.000 Mark auf Turnieren und brachten ihrem Vater einen Zuchtwert Dressur von 155 Punkten (FN 1999) ein. Damit rangiert Rubinstein unter den Top Ten der Althengste I.
Noch in dunkler Jacke: Bundeschampion Royal Diamond - "R" wie Rubinstein, "R" wie Rittigkeit - nicht wenige Söhne der schwarzen Legende konnten die Hengstleistungsprüfung für sich entscheiden. Der mittlerweile unter Ellen Bontje in St. Georg und Intermediaire I-Prüfungen siegreiche Rubioso N war so einer, ebenfalls der Bundeschampion der sechsjährigen Dressurpferde 2000, Royal Diamond. Regazzoni, der 1998 mit einem sensationellen Körjahrgang - darunter der für 350.000 Mark versteigerte Hannoveraner Riccione - Furore machte, lag 1994 in Münster-Handorf an der Spitze. Rubinstar, '96 Sieger im Nobilis-Cup, Ruiz Soler und der Celler Landbeschäler Rotspon machten es ihm gleich.
Man wünschte dem Hengst noch viele weitere Jahre in seiner Beschälerbox in Cappeln. Doch es sollte nicht sein. Am 18. Mai rührte der Hengst sein Futter nicht an, wurde sofort einem Tierarzt vorgestellt, der einen geschwollenen Hoden feststellte. In der Tierklinik Telgte lautete die Diagnose Hodendrehung mit kolikartigen Schmerzen; Dr. Friedrich von Saldern musste einen Hoden entfernen. "Danach befand sich unser Hengst eigentlich schon wieder auf dem Weg der Besserung, wir gingen mit ihm grasen und er wirkte recht munter", erinnert sich Gudula Vorwerk-Happ an die Hoffnungen nach der Operation. Doch plötzlich ging es rapide bergab. Rubinstein bekam eine toxische Hufrehe an beiden Vorderhufen, Kreislaufschwäche. Am 5. Juni 2000 war sein Leben ausgehaucht. Ein schwer zu fassender Verlust für die Dressurpferdezucht Deutschlands, Europas, der ganzen Welt.
Bernhard Drühe und Fiddi Möller bringen Wie sagte doch Johann Hinnemann, Ex-Bundestrainer der deutschen Dressurelite? "Ein Jahrhunderthengst, das ist Rubinstein. Seine Vererbung hinsichtlich Rittigkeit, Sitzkomfort, Umgänglichkeit und Leistungsbereitschaft ist einmalig." Ein Jahrhunderthengst - und schon Geschichte.
Ein Jahrhunderthengst - in Typ, Interieur, Julia Wentscher |















