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Donnerhall

Donnerhall - ein legendärer Dressurstar

Denkmäler zieren die Welt. Einige sind groß, riesig groß. Etwa die Sphinx in Ägypten. Die meisten geben sich aber bescheidener. Sie müssen ihre Größe nicht durch überdimensionale Ausmaße unter Beweis stellen. Sie sind groß.

"Große Gedanken kommen aus dem Herzen", schreibt der französische Philosoph Luc de Clapier. Das gilt auch für Pferde, zumindest für einige, für ganz besondere.

Pferdedenkmäler gibt es reichlich. Die Kunstgeschichte ist voll davon: Der Parthenonfries des griechischen Altertums, das Gemälde von Graf Anton Günther, hoch zu Roß auf dem legendären Kranich; Schimmelfan Napoleon vor Waterloo oder Friedrich der Große, der - das Brandenburger Tor im Rücken - gen Schloßplatz schaut, in Berlin, unter den Linden.

Historische Persönlichkeiten. Die Pferde sind Staffage. Was zählt, ist der Mann im Sattel. Vergangenheit. In der heutigen Zeit ist vieles anders. Die Mächtigen der Gegenwart werden sich wohl kaum auf dem Pferderücken verewigen lassen. Bill Clinton in Bronze? Wahrscheinlich wird er als Zigarrenraucher oder als Jogger mit Turnschuhen der Nachwelt überliefert werden. Vielleicht mit geblähten Nüstern - aber das ist wohl auch die einzige Parallele. Und Helmut Kohl steht eher die staatsmännische Geste, als die Dynamik eines dahinpreschenden Pferdes. Immerhin: Bundeskanzler Gerhard Schröder wird eine gewisse Affinität zu Pferden nachgesagt.

Doch auch heute gibt es noch Bildhauer, die Bronzen gießen. Bronzen von Pferden. Nur bedarf es - im Falle unseres Helden - keines Herrschers oder Feldherren als Vorbild. Er selbst gibt Anlaß genug. Er ist ein Denkmal. Eine lebende Legende: Donnerhall.

Auch wenn es nie zum ganz großen internationalen Einzeltitel gereicht hat. So wie ihn Halla errungen hat, die vor dem DOKR in Deutschlands Reiterzentrale Wahrendorf steht. In Lebensgröße. Das Phänomen Donnerhall - es läßt sich nicht in DM ausrechnen, anhand von Medaillen vergegenwärtigen oder in nüchterne Zahlen fassen. Donnerhall hat den Brückenschlag geschafft zwischen Spitzenleistungen im Dressurviereck und herausragender Vererbungskraft. Zucht und Sport - Hand in Hand: eine Devise, die heute unbestritten ist. Die Maßstäbe setzt. Eine Devise, die es ohne eine einzigartige Erscheinung wie Donnerhall nicht geben würde. Ohne die glücklichen Umstände, die den Dunkelfuchs auf dem Grönwohldhof aufwachsen ließen, ohne den unvergessenen Mäzen Otto Schulte-Frohlinde, vor allem aber ohne Karin und Herbert Rehbein, die aus dem Musterschüler einen Professor - summa cum laude - machten.

Daß es möglich ist, einen Hengst, einen aktiven Beschäler bis zu deutschen Meisterschaftswürden zu bringen, so recht hat das zuvor niemand glauben wollen. Gut - die Hengste der Landgestüte, die zeigen auch ihre Talente. Piaffieren und passagieren auf den jährlichen Hengstparaden. Präzise ausgebildet nach den Prinzipien der Reitlehre, die ja als Wissenschaft an den Fürstenhöfen und eben dort in den Gestüten gepflegt und vervollkommnet wurde. Aber das ist Show. Turnieratmosphäre - das ist ein ganz anderes Kapitel. Da sitzen Richter, da wird bewertet. Und das soll funktionieren mit einem Deckhengst? Es funktioniert. Und wie! Donnerhall und die Rehbeins haben es unter Beweis gestellt. Mehr noch: seine gekörten Söhne eifern gerade auch in dieser Hinsicht ihrem Vater nach. Sind Bundeschampions, Leistungsprüfungssieger und erfolgreich bis Grand Prix.

Umdenken - das ist gerade in der Pferdesportszene nicht einfach. Zu individuell die Vorstellungen der verschiedenen Beteiligten, zu verkrustet die Ansichten. "Zucht ist Zucht und Sport ist Sport" - diese Annahme begleitete skeptisch Donnerhalls erste Schritte. Diejenigen, die beides unvereinbar sahen, mußten eingestehen: "Ja, wir haben uns getäuscht". Die Züchter betraten Neuland: Der Hengst ist auf dem Turnier, die Stute kann nicht gedeckt werden. Das ist der saure Apfel, die bittere Pille, die ersteinmal geschluckt sein will. Glücklicherweise versüßt durch die aufkommende künstliche Besamung. Die nicht immer, aber doch immer öfter Rettung in der Not verspricht.

Erfolg hat viele Väter. Vater Zufall dürfte einer der entscheidensten Faktoren sein, spricht man über Karrieren von Spitzenpferden. Auch Donnerhall hat von Väterchen Zufall profitiert. Mehr als einmal.

Als die Stute Ninette am 30.5.1981 fohlt, ist Züchter Otto Gärtner zur Stelle, wie stets. In Wensin bei Traventhal hat er einen kleinen Stall und ein paar Weiden. Satter, guter Boden. Die Holsteinische Schweiz ist nicht nur während der Rapsblüte ein schöner Landstrich. Eine Gegend, die förmlich danach schreit, Stuten und Fohlen zu beherbergen. Otto Gärtner gehört nicht zu den großen Züchtern, die mit fünf oder mehr Stuten züchten. Mal sind es zwei, mal drei Stuten - je nachdem wieviele Stutfohlen zur Welt kommen, und wieviel er sich von den kleinen Stütchen verspricht. Ob er sie aufziehen möchte, ob sie selbst einmal Zuchtstuten werden sollen. Dabei ist Gärtner ein Mann mit Prinzipien: "Hauptsache: schwarz".

Sein Faible für Rappen liegt in der Kindheit begründet: Gärtner stammt aus Schlesien, vor dem Krieg das Nachzuchtgebiet der Oldenburger. Schwere, kalibrige Karrossiers - von Sport, von Springen oder Dressur, ist da noch lange nicht die Rede. Der kleine Otto wächst mit der Vorstellung auf: Ein Pferd ist schwarz, kräftig und zeigt - vor der Kutsche - viel Dynamik. Legt sich richtig in die Stränge und begeistert durch die charakteristische Knieaktion. Nicht übertrieben, aber genügend ausgeprägt. Ein Oldenburger eben.

Über ein Jahrzehnt ein Ergfolgstrio
Karin, Herbert und Donnerhall


Und die züchtet Otto Gärtner auch in seiner neuen Heimat Ostholstein. Lange mußte er suchen, bis er eine Stute findet, die all diese Merkmale aufweist: Ninette. Eine Oldenburger Stute aus der Umzüchtungsphase: Ihr Vater Markus ist Halbblüter, stammt von Manolete xx ab. Einem Schlenderhaner, der sich auch in dem Pedigree der Militarylegende Volturno wiederfindet - übrigens ein Vererber, der sogar noch vor Donnerhalls Einstand Zucht und Sport zusammenbrachte.

Ninette kann Manolete xx nicht verleugnen. Geht man auf Blickkontakt, dann ist da das große schwarze Auge des Vollblüters, das einem offen entgegenstrahlt. Auch sonst kann Ninette ihre Vorfahren nicht abstreiten. Über 100 Jahre züchterisches Engagement fließen in ihren Adern. Alle Stuten ihrer Familie beginnen mit dem Buchstaben N - Indiz für die Pflege eines Stutenstamms in jenem Zuchtgebiet, das seit Jahrhunderten auf private Hengsthaltung setzt. Daß die Residenzstadt OIdenburg vom 30jährigen Krieg unberührt blieb, verdanken die Oldenburger einem ganz besonderen Geschenk an die marodierenden Truppen unter General Tilly: Pferde schenkte der Herzog, sie stimmten den Wüterich sanft, ließen ihn in Wardenburg, kurz vorm südlichen Stadttor verharren.

Donnerhall als 9jähriger Hengst

Legende oder historische Wahrheit? Die Geschichtsschreiber sind sich einig. Schwarz auf weiß kann man es in den Chroniken nachlesen. Bis in die Zeit des Grafen Anton Günther zurück lassen sich die Spuren der Familie, die einmal den umjubelten DLG-Siegerhengst Donnerhall hervorbringen sollte, nicht verfolgen. Aber bis ins 19. Jahrhundert: 1884 ist als Geburtsdatum für Nagate, eine Tochter des Hengstes Naumann, in den alten Stutbüchern des Verbandes der Züchter des Oldenburger Pferdes verzeichnet. Auch wenn die Tinte ein wenig verblaßt ist, sieht man den geschwungenen Lettern an, mit wieviel Mühe der Name zu Papier gebracht wurde. Schönschrift statt elektronischer Datenverarbeitung.

Nagate ist bei Esensham zuhause. Ein kleiner Flecken in der Wesermarsch. Zwischen der Weser und dem Jadebusen. Rodenkirchen - heute eher unbedeutend und nur durch das nahegelegene Atomkraftwerk Unterweser in den 80er Jahren in den Schlagzeilen - ist nicht weit. Und Rodenkirchen ist Sitz des Nordoldenburger Pferdezuchtverbandes. Eine Organisation mit weltweitem Ruf. Was heute der Klassiker aus Sindelfingen ist, der gute Stern nicht nur auf deutschen Straßen, das ist damals das Kutschpferd aus den Marschen Nordoldenburgs. Ein Statussymbol, ein Kultobjekt. Damals wie heute gilt: Man fährt schwarz, lackschwarz.

Die Linie der Nagate zeichnet sich durch Langlebigkeit aus: Beim Blättern in den alten Bänden, die heute im Tresor lagern beim "Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes", trifft man sie immer wieder: Stuten mit dem "N" am Anfang, die vielen Fohlen das Leben geschenkt haben. Verkäufe ins Ausland sind notiert. Um 1910, als das deutsche Kaiserreich in seinen letzten Zügen liegt. In den schwierigen Jahren des ersten Weltkriegs heißt es Dienst fürs Vaterland leisten - Stuten werden an die Kavallerie abgegeben.


Donnerhall, 9jährig

Aber der Stamm überlebt die Irrungen und Wirrungen des 20. Jahrhunderts. Mittlerweile weitverzweigt, über das gesamte Oldenburger Zuchtgebiet, das aus dem Nord- und dem Südoldenburger Pferdezuchtverband fusioniert ist. Otto Gärtners Ninette ist am Dümmer, also kurz vor Osnabrück geboren. Sie ist schwarz, sie läßt Kindheitserinnerungen an die Jugend in Schlesien wach werden. Also wird sie gekauft. Erste Bedeckung: Furore, einer der ersten Furioso II-Söhne. Ein Rappe, was sonst. Es fällt ein Stutfohlen, ebenfalls Rappe. Herz, was willst Du mehr...

1980 steht ein junger Hengst auf dem Grönwohldhof. Ein Hannoveraner. Pechschwarz - und schon das macht ihn für Gärtner interessant. Als der Hengst sich dann in Bewegung setzt, sind alle Zweifel zerstreut: "Donnerwetter!". Der soll's sein. Nomen est omen.

Ninettes Partner, Donnerwetter, stammt von Disput ab. Otto Schulte-Frohlinde hat den Hengst auf dem Verdener Hengstmarkt erstanden von Günter Pape aus Hemmoor.

Ninette wird tragend und bringt ein Hengstfohlen zur Welt. Ihren ersten Sohn: Am 30. Mai 1981 wird das Fohlen geboren, das einmal DLG-Siegerhengst werden soll, Deutscher Meister, Mannschaftsweltmeister. Doch der Züchter ist erst einmal geschockt: Da kommt eine weiße Nasenspitze zum Vorschein und als das Fohlen im Stroh liegt erhärtet sich der Verdacht: Ein Fuchs. Rappe mal Rappe; und dann ein Fuchs! Immerhin ein Dunkelfuchs. Bestürzung bei Otto Gärtner. Einmal noch läßt er Ninette von Donnerwetter decken. Und wieder ein Fuchs: Discovery ist mittlerweile siegreich in S-Dressuren. Dennoch entscheidet sich Otto Gärtner, den Hengst zu wechseln: Wanderfalk, der ist schwarz - das 1984 geborene Hengstfohlen - ebenfalls ein Fuchs - ist kein halbes Jahr alt, da sorgt sein älterer Bruder das erste Mal für Schlagzeilen. Auf der Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf erzielt Donnerhall das zweitbeste Resultat - Reservesieger. In der Rittigkeit - 9,5 - unschlagbar.

Doch der Weg von den Weiden bei Züchter Otto Gärtner in Travenhorst über den Grönwohldhof in die Hengstleistungsprüfung verläuft alles andere als stringent. Auf Umwegen erst kommt Donnerhall auf den Grönwohldhof. Das auffällige Hengstfohlen - Züchter Gärtner erinnert sich gerne an die Anhänglichkeit, die Donnerhall von Anfang an ausgezeichnet hat - soll verkauft werden. Es findet sich auch ein prominenter Kaufinteressent: Bernhard Huslage aus dem südoldenburgischen Brokstreek kommt in seiner Tätigkeit als Körkommissar nach Holstein, um die in der Exklave gezogenen Fohlen zu begutachten. Der Dunkelfuchs mit den großen, dunklen Augen fällt ihm sofort auf. Huslage und Gärtner werden handelseinig: 5.000 Mark soll der Hengst kosten, der übrigens so kräftig zuckt als das Brenneisen sich ihm nähert, daß das gekrönte O fortan mit deutlicher Schieflage auf seinem Hinterschenkel prangen soll.

Alle weiteren Formalitäten, so die Absprache, sollen über den damaligen Zuchtleiter des Oldenburger Pferdezuchtverbandes, Dr. Roland Ramsauer, abgewickelt werden. Ein vielbeschäftigter Mann, der auch schon mal etwas vergessen kann: Bürostreß. Verschiedene Male ruft Otto Gärtner in Oldenburg an; immer vergißt Dr. Ramsauer die ihm aufgetragenen Nachrichten weiterzuleiten. Gärtner muß davon ausgehen, daß Huslage abgesprungen, sein Interesse an dem Donnerwetter-Fohlen erloschen ist. Glück im Unglück: Otto Schulte-Frohlinde möchte das Dunkelfuchs-Fohlen. Donnerhall kommt auf den Grönwohldhof, wird dort als Hengst aufgezogen.

Im Herbst treffen sich Bernhard Huslage und Otto Gärtner. Der Züchter möchte wissen, warum der Körkommissar denn den Hengst nicht mehr hatte haben wollen. Bernhard Huslage erfährt erst jetzt von den Telefonaten und dem Versäumnis von Dr. Roland Ransauer. Er knöpft sich den Zuchtleiter vor. Dennoch, so resümiert er heute, sei es eigentlich eine Glückssache, daß nicht er, sondern der Grönwohldhof den Hengst bekommen hat. "Bei mir wäre Donnerhall ja nie das geworden, was er geworden ist".

Was alles in dem Pferd steckt, das vor allem durch die tief dunkle Jacke, die satte, braunrote Fuchsfarbe auffällt, ist den Körkommissaren 1983 bei der Körung noch nicht bewußt. Heute schwärmen sie zwar - damals aber lautete das Urteil gerade einmal: "gekört". Mehr nicht, für die Prämierung kamen andere in Frage. Die Strahlemänner der Junghengstkörung 83, Welttraum und Fernblick mit Namen, kennt heute kaum noch jemand. Aber sie sind reif, proper - der kleine Donnerhall hingegen ist noch recht schmal, die Halsung noch längst nicht so ausgeprägt. Und die Oberlinie - die ruft natürlich die Korrektheitsfanatiker auf den Plan. Schwamm drüber - welches Genie wird schon auf Anhieb erkannt.

Wunderkinder stehen früh im Rampenlicht: Ein Titel, der Donnerhall dreieinhalbjährig zuerkannt wird. In der Heidelandschaft vor den Toren Celles mögen die Gestütswärter den Dunkelfuchs, der langsam erwachsener wird, mehr und mehr seine Partien auszufüllen versteht. Nach 90 Tagen zeichnet es sich ab: Donnerhall wird auf jeden Fall eine der besten Prüfungen des Adelheidsdorfer Jahrgangs 1984 ablegen. Nur wie gut? Gespannt verfolgt Otto Gärtner die Runde seines Hengstes im Parcours. Daß er in der Dressur souverän an der Spitze stehen würde, daran zweifelt niemand. Aber die bunten Stangen? Gerd Folkers, Mitglied der Körkommission, plagen da Zweifel. Nicht so Otto Gärtner: "Der schmeißt keine Stange runter, der ist ja mit Deister verwandt". Glück oder züchterische Intention - Donnerhall bleibt fehlerfrei. Reservesieger der Hengstleistungsprüfung. Die Freude ist groß.

Nicht nur beim Züchter, auch beim Besitzer. Otto Schulte-Frohlinde schließt den Fuchs ins Herz. Sympathie, von der auch Otto Gärtner profitieren soll: Auf die alljährliche Entenjagd wird der Mann aus Travenhorst fortan stets eingeladen.

Donnerhall gedeiht prächtig. Er wechselt in den Dressurstall. Bei Karin und Herbert Rehbein entwickelt er sich schnell zum Liebling der Stallgasse: "Donni". Eine Persönlichkeit von Anfang an. Einfach in der Arbeit, lerneifrig.

Doch auch in seiner züchterischen Karriere gehts konstant bergauf: 1986 - ein Meilenstein. Nicht nur in Donnerhalls Laufbahn, sondern auch in der Chronik des Oldenburger Pferdezuchtverbandes. In Hannover findet die DLG-Ausstellung statt. Traditionell machen hier die Landbeschäler aus Celle und Warendorf das Rennen unter sich aus. Den Vertretern anderer Zuchtgebiete kommt meistens nur eine Statistenrolle zu. Das scheint auch 1986 ersteinmal so zu sein. Hannover fährt seine "Geheimwaffe" World Cup I auf, mit der Hoffnung, daß der Fuchs im zweiten Anlauf die begehrte Trophäe erringen kann. Aber da ist Donnerhall und der stößt auf Sympathien. Vor allem beim Publikum, das ihn frenetisch feiert: Ingo Pape führt den Fünfjährigen und er legt einige Kilometer zurück an diesem Wochenende.

"Das Volk wollte ihn einfach" erinnert sich Körkommissar Bernhard Huslage. Und Kollege Folkers ergänzt: "Das war ein Mordshallodri, jedes Mal, wenn Donnerhall die Halle betrat." Die Zuschauermeinung geht auch auf die Jury über. Während die deutschen Vertreter sich ein bißchen an den Gebäudeschwächen in der Oberlinie stören und immer wieder gen World Cup I schielen, gibt es für den Holländer van der Veen gar keine Diskussion: Dem Oldenburger gebührt die Krone!

Die Entscheidung fällt für Donnerhall. Unbeschreiblicher Jubel in der Halle. Ingo und Donnerhall atmen tief ein und spurten was das Zeug hält. Otto Schulte-Frohlinde läßt die Puppen tanzen. Per Telefon - er kann selbst nicht zugegen sein - ordnet er an: "Egal, was es kostet - ich bezahl's". Das muß man den Oldenburgern nicht zweimal sagen...

Karin Rehbein, die Donnerhall anschließend auch noch unterm Sattel in Hannover vorstellt, weiß es noch als wäre die Schau erst gestern entschieden worden. "Er ist ein Showman, er liebt die große Bühne, wenn die Leute mitgehen, dann kommt er erst so richtig in Schwung." Das war auch damals schon so, als Donnerhall noch nicht ein weitgereister Jetsetter war.

Und nervenstark ist er. Die Equitana, die Weltmesse des Pferdesports ruft, Donnerhall kommt. Mit der Schärpe des Champions. Auf der Hop Top Show geht die Post ab. Bunte Lichter, grelle Spots, laute Musik. Hinter den Kulissen: Ponys, Fackeln, Kutschen. "Aber Donnerhall blieb cool - und das obwohl er ja noch so jung war" - für Karin Rehbein steht spätestens in diesem Moment fest: Ein Ausnahmepferd.

Donnerhall lernt schnell. Fliegende Wechsel bereiten keine Probleme - ein Charakteristikum, das auch für seine Kinder gilt. Zwei Jahre Trainingsarbeit und der Hengst beherrscht das Grand Prix Programm. Doch bevor Herbert und Karin Rehbein sich für einen Einsatz in der schwersten Klasse des Dressursports entscheiden, soll "Donni" erst einmal in M-Dressuren und im Prix St. Georges Turnierroutine sammeln. Beim ersten Start kann keiner den Hengst überhören: Donnerhall wiehert von der ersten Grußaufstellung bis zum Schluß. Am nächsten Tag klappt's schon besser. Keck meldet er sich einmal als er bei X hält, dann aber konzentriert er sich voll und ganz auf seine Aufgabe.

Donnerhall geht bald Grand Prix. Vom Fleck weg gehört er zu den Placierten, auf den ersten Sieg muß man nicht lange warten. Höhepunkte des Programms: Trabverstärkungen, die herrliche Galoppade, Passage und Piaffen.

Die ersten Donnerhalls kommen unter den Sattel. Nur wenige Stuten werden Donnerhall in den ersten Jahren zugeführt. Zu weit ist der Grönwohldhof vom Oldenburger Kernzuchtgebiet zwischen Weser und Ems entfernt. Dennoch wird ein auf dem Grönwohldhof gezogener Hengst aus dem ersten Jahrgang gekört: Don Primero. Fünfjährig wird er Bundeschampion der fünfjährigen Deutschen Dressurpferde in Verden. Wertzahl: 9,3. Heute ist er siegreich bis Grand Prix Special. Wie sein Vater hat auch er als in LK I geprüfter Hengst schon Pferde für die Vechtaer Auktion gestellt, die zu sechsstelligen Summen zugeschlagen wurden.

Das Jahr 1990 - Donnerhalls Saison als neunjähriger - endet mit einer stolzen Erfolgsbilanz: 33 Siege in schweren Dressuren. Donnerhall kann sich langsam auch als Vererber mehr und mehr profilieren. Ein Sohn wird über die von Paul Schockemöhle und Ullrich Kasselmann veranstaltete PSI Auktion verkauft. Im Vechtaer Fohlenring tauchen auch hin und wieder Donnerhall-Nachkommen auf.

Donnerschlag, bei Günther Pape in Hemmoor aus der Pik Bube-Schwester Pirola gezogen, wird Ie Prämienhengst und absolviert seine Leistungsprüfung als viertbester. Ein züchterischer Volltreffer wie sich später herausstellen soll. Für das Gestüt St. Ludwig ein Dauerbrenner. Das Rheinland gehört dank Donnerschlag und seinen Söhnen zu den ersten Zuchtgebieten außerhalb Oldenburgs, das von Donnerhalls Vererbungskraft profitiert. Auch die Züchter im angrenzenden Holland recken die Hälse - Donnerschlag und sein Sohn Dream of Heidelberg gehören seit Jahren zu den populärsten Beschälern im Westen Deutschlands.

Aber so richtig los geht's erst im Jahr 1992. Donnerschwee (Z.: Dr. Jobst Hartmann, Itzehoe) wird Spitzenpferd der Frühjahrsauktion. 220.000 Mark kostet der Sohn der Jahrgangsbesten der Bundesstutenschau 1986, Weltwunder (v. Freiherr). Soviel hat zu dieser Zeit noch kein anderes Pferd auf einer deutschen Verbandsauktion gekostet. Donnerschwee war 1993 erfolgreichster gekörter Hengst beim Bundeschampionat der Dressupferde und hat mittlerweile schon S-Dressuren gewonnen und geht jetzt Grand Prix.

Donnerhall und Otto Schulte-Frohlinde

Die Bundeschampionate '92 in Verden gehen als "Donnerhall-Festival" in die Annalen ein: Bei den Dreijährigen wird Primavera (Mutter v. Pik König) Dritte. Ihr gelingt der seltene Erfolg, zuvor im Rasteder Schloßpark sowohl das Reitpferdechampionat zu gewinnen als auch zur Oldenburger Siegerstute auserkoren zu werden.

Noch deutlicher ist die Dominanz bei den Vierjährigen: Hier gewinnt der Hannoveraner Davignon, zweite wird die Oldenburgerin "Deutsche Einheit". Als Fohlen hatte Otto Schulte-Frohlinde diese Tochter der Stute Pik Stahl dem Militaryteam geschenkt, das im südkoreanischen Seoul auf den olympischen Spielen die Goldmedaille gewinnen konnte. Jeder Olympiasieger hatte ein Fohlen geschenkt bekommen. Auch die Springreiter-Equipe. Deren Stütchen, eine Schwester von Don Primero, landet bei Paul Schockemöhle, der die Donnerhall-Stute mit Classiker anpaart. Resultat: Capuccino, ein gekörter Hengst, der später für viel Geld via PSI seinen Besitzer wechselt.

Doch niemand profitiert so von dem Schulte-Frohlind'schen Geschenk wie die Buschreiter: "Deutsche Einheit" wird am 3. Oktober in Vechta versteigert. 420.000 Mark kostet die Vizechampionesse. Der Niederländer Adrie Gordijn ist der Käufer. Deutschland steht Kopf. Lange Zeit ist dieser spektakuläre Zuschlagpreis unerreicht. Und als es 1996 den Hannoveranern in Verden gelingt, 450.000 Mark im Auktionsring zu erzielen, ist wieder Donnerhall der Vater des Spitzenreiters. Donnerhall, der für hannoversche Stuten anerkannte Oldenburger - dann klappt's auch bei den Nachbarn.

Adrie Gordijn strahlt: Ein Geschenk: "Donné" - so heißt die Stute fortan, unter diesem Namen wird sie bestes Dressurnachwuchspferd ihrer Altersklasse in den Niederlanden. Heute hat auch sie bereits Erfolge auf Prix St. George-Niveau aufzuweisen. Sven Günther Rothenberger und seine Frau Gonnelien bringen die souveräne, nervenstarke Stute - eine der edelsten Donnerhall-Töchter - heraus.

Ihre Kollegin in Verden, die Siegerstute Primavera, hat einen anderen Weg eingeschlagen. Sie steht in der Zucht, genießt die Weiden in Hemmoor. Eine imposante Gestalt. Wer sie über das Grün galoppieren sieht, wer Zeuge wird, wenn sie aus dem Nichts heraus im starken Trab über die Koppel "metert", der kommt nicht umhin, staunend stehen zu bleiben. Hengstmutter ist sie auch schon.

1993 stellt Donnerhall abermals die Siegerstute im Rasteder Schloßpark: Hallo. Wieder ist Pik Bube der Muttervater. Die "Mischung a la Grönwohld" - einst eher aus dem Zufall heraus entstanden, denn züchterisches Kalkül, setzt sich durch. Immer wieder erweist sich diese Blutkombination als besonders erfolgreich. Viele deutsche Zuchtgebiete haben mittlerweile davon profitiert.

Hallo hat eine Vollschwester namens Highnoon. Eines der ersten Pferde, das für Donnerhalls Vererbungsqualitäten Reklame macht. Als junges Pferd auf dem Grönwohldhof in Ausbildung, qualifiziert sie sich für die Bundeschampionate des Deutschen Dressurpferdes in München und Verden. In Verden reitet Julia Westphal die Stute, die auch in ihrem Besitz steht, auf den vierten Platz des Championats. Mittlerweile hat Highnoon sich im Grand Prix Sport etablieren können. Sie ist ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, besonders in den Lektionen höchster Versammlung gleichen sich die Silhouetten. Unter Herbert Boger konnte die Stute 1998 viele internationale Placierungen erringen.

Längst gehört Donnerhall auf den Vechtaer Elite-Auktionen zu den Hengsten, die mit einer eigenen Nachkommengruppe vertreten sind. Eine besonders lukrative Anpaarung ist dabei die Kombination Donnerhall x Weltwunder (v. Freiherr-Adrian). Nach dem schon erwähnten Prämienhengst Donnerschwee kommen Deutscher Orden, Dr. Lobo, DJ Lobo sowie der Davignon-Sohn Dayton unter Uwe Heckmanns Hammer. Ihr Gesamterlöß: zusammen eine gute halbe Million Mark.

Zurück zum Sport: Die Rehbeins sind bescheidene Leute. In einem Metier, das sich immer mehr durch Querelen, durch wer-mit-wem-auf wessen-Pferd in der Öffentlichkeit darstellt, bilden sie eine Ausnahme. Sie bilden ihre Pferde solide aus und stellen sich dem Wettbewerb. Sich anzubiedern, das ist nicht ihr Stil. Leistung zählt. Die Leistung im Dressurviereck, nicht am Rand desselben. Vielleicht – so Insider - ist hier der Grund zu sehen, warum Donnerhall bei der Auswahl zu internationalen Championaten immer nur als Ersatzpferd nominiert wird oder als "sechstes Rad am Wagen" gar nicht erst ins Team kommt.

Doch 1994 schlägt die Stunde Donnerhalls. Zwar ist er wieder nicht berücksichtigt worden für die Dressur-Mannschaft, die die deutschen Farben auf den Weltreiterspielen in Den Haag vertreten soll, aber es kommt anders. Der Faktor "Schicksal" spielt eine Rolle.- Während die Mannschaft sich bereits auf Den Haag vorbereitet, finden die deutschen Meisterschaften in Mannheim statt. Die heißesten nationalen Entscheidungen aller Zeiten, mit Temperaturen von über 40° C – gemessen im Schatten. Die Pferde stehen in den Stallzelten und lassen die Ohren hängen. Ventilatoren verschaffen angenehme Kühlung. Donnerhall wird – in Abwesenheit von Isabell Werth, Nicole Uphoff-Becker und Monika Theodorescus – Deutscher Meister. Dann die Nachricht aus dem Trainingslager: Monika Theodorescus Grunox ist nicht in Form. Donnerhall wird nachnominiert, darf nach Den Haag reisen.

Der erste Tag der Weltreiterspiele. Auf dem Programm: der Grand Prix, genauer die erste Hälfte. Die Prüfung wird an zwei Tagen geritten. Donnerhall ist der letzte Starter der ersten Hälfte. Die Sonne verabschiedet sich allmählich. Ein goldener Schimmer liegt über dem Zuiderpark-Stadion von Den Haag. Die Ränge sind dichtbesetzt. Nicht nur die aus Deutschland angereisten Fans wollen Donnerhall sehen. Aufgrund seiner Popularität als Deckhengst in Benelux sind auch die Niederländer, die Belgier sowie Dressurfreaks aus Übersee wie elektrisiert.

Noch lukt die Sonne über die oberen Ränge der hohen Tribünen.- Auch sie will das Schauspiel nicht versäumen. Immer längere Schatten werfen die Banner auf den Sand im Stadion. Da kommt er. Majestätisch. Selbstbewußt.

Karin Rehbein "gibt noch einmal Gas". 100 Meter starker Trab. Ausdrucksvoll, taktsicher. Applaus brandet auf. "Donni" weiß, was er seinen Fans schuldig ist....

Mit 1675 Punkten verlassen beide das Viereck. Mannschaftsgold, wie sich am nächsten Tag herausstellt. Insgesamt das siebtbeste Resultat. Die Reiter müssen sich entscheiden: Grand Prix Special oder Kür? In beiden Disziplinen werden die Weltmeister gesucht. Donnerhall geht Kür. Musical-Melodien begleiten die mit technischen Schwierigkeiten gespickte Vorstellung. "One singular sensation every step that he makes" – jeder Schritt eine Sensation. Der Titelsong aus "A Chorus Line" beflügelt die Oldenburger. 45 Goloppwechsel von Sprung zu Sprung. Passage-Traversalen und Piaffe-Pirouetten. Der Musterschüler steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Die Grußaufstellung, exakt auf den letzten Akkord der Musik. Karin Rehbein nimmt die Zügel in eine Hand, nickt. Ohrenbetäubender Jubel im Stadion. Während seine Frau winkend das Viereck verläßt – Donnerhall sich im Applaus zu sonnen scheint – wischt sich Herbert Rehbein, der schon so viele internationale Dressurcracks entdeckt, gefördert und auf Medaillenkurs gebracht hat, verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. "Danke Donni".

Die Kür-Bronzemedaille von Den Haag krönt das sportlich erfolgreichste Jahr Donnerhalls. Daß es gerade in der Kür zu Weltmeisterschaftsehren gereicht hat, findet Karin Rehbein dabei gar nicht so verwunderlich. "Küren haben ihm schon immer gelegen. Auch als sie noch nicht so populär war, haben wir schon immer Kür geritten". Ob Donnerhall musikalisch ist? Karin Rehbein winkt ab. Wenn er die Musik hört, dann will er immer auf jeden Fall sein bestes geben. Er liebt es, wenn das Publikum mitgeht".

Das Publikum – häufig ist es Donnerhall wohl gesonnen. Sicher – wo Stärken sind, sind auch Schwächen. Und die Richter schauen mit Argusaugen, finden das ein oder andere, was zu Punktabzügen führt. Dennoch: Charisma hat man, oder man hat es nicht. Donnerhall hat reichlich.

Das Problem des Dressursports ist die Disziplin. Die Disziplin, die dem Publikum abverlangt wird: Wenn in einem Grand Prix die Einerwechsel wunderbar, schnurgerade und bergauf gesprungen gelingen, darf nicht geklatscht werden. Wenn im Grand Prix Special die abschließenden Passage-Volten und die Piaffe in X einem einen Schauer über den Rücken jagen, muß man verharren. Erst wenn der Gruß die Vorstellung beendet hat, dürfen die Zuschauer aus sich herauskommen. Das kann schon einmal auf Kosten der Spontanität, der Reaktion auf unmittelbar Erlebtes gehen. Andererseits gilt der Gesamteindruck. Wer in einer Klaviersonate schon nach dem ersten Satz frenetischen Applaus spendet, wird den Groll der anderen Zuhörer auf sich ziehen. Warum dieser Vergleich zwischen klassischer Musik und klassischer Reitkunst? Nur um Donnerhall, den Virtuosen, zu würdigen. Denn wie stark die Ausstrahlung des Kraftpakets in der dunklen Fuchsjacke sein kann, hat ein Abend auf dem Oldenburger Landesturnier in Rastede gezeigt.

Die Donnerhall-Bronze einige Tage nach der Fertigstellung

(aufgenommen im Winter 1997/98 auf dem Hof von Bernd Eylers)


Samstagabend: Die Ränge sind voll besetzt. Unter Flutlicht läuft ein buntes Schauprogramm: Fohlen, Materialpferde, junge Stuten an der Hand. Donnerhall ist der Stargast dieser Nacht. 22.00 Uhr – der Wettergott, nicht gerade typisch für das Landesturnier, hat ein Einsehen mit den gut 8.000 Zuschauern – eine laue Sommernacht. Flutlicht taucht die Szene in gleißendes Weiß. Bunt bepflanzte Kübel umreißen ein Viereck. Die Musik setzt ein. Polkarhythmen aus dem Hause Strauß. Dann kommt Donnerhall.

Sein Fell glänzt, das Licht betont die austrainierte, muskulöse Gestalt. Drei, vier vielleicht fünf Minuten folgen die Zuschauer Donnerhalls Vorführung. Plötzlich springen die ersten auf, hüpfen über die Umzäunung. Sie wollen näher dran sein. Keine 60 Sekunden später drängeln sich die Menschen um das Viereck. Sie klatschen im Takt, Donnerhall kommt richtig in Fahrt: Passage, Piaffe. Energisch fußt der Fuchs ab. Power total! Alles federt. Alle sind begeistert.

Von 1994 war bereits als dem erfolgreichsten Jahr Donnerhalls die Rede. Züchterisch ist es Donnés jüngerer Bruder, Duntroon, der ein weiteres Highlight darstellt. Im Herbst 1993 wird er Reservesiegerhengst in der Oldenburger Weser-Ems-Halle. 1994 wird der statiöse Dunkelfuchs zum 100-Tage-Test nach Adelheidsdorf geschickt: Er gewinnt die renommierteste Hengstleistungsprüfung Deutschlands. Bester von 50 Kandidaten mit 137,76 Punkten. Die nächsten Jahre steht der Hengst auf Holtrup auf Station. Einige Auktionsfohlen stammen aus dieser Zeit, in der Duntroon nur wenig reiterlich gefördert wird.

Das ändert sich schlagartig, als der Hengst zu seiner Besitzerin Kristy Oatley-Nist auf den Grönwohldhof gelangt. Im Herbst 1997, Duntroon beherrscht gerade einmal das kleine Einmaleins, kommt er in Training. Er lernt schnell. Sehr schnell. Schon in der Saison 1998 geht er unter Karin Rehbein in S-Dressuren an den Start – mit Erfolg. Auch unter seiner Besitzerin, der Halb-Australierin, die als junge Reiterin – noch mit deutschem Paß – gleich mehrere Europameisterschaftstitel einheimsen konnte, geht Duntroon erfolgreich. Karin Rehbein sagt, kaum ein Pferd erinnere sie so an Donnerhall wie Duntroon.

Seine Reputation als Deckhengst vermag der Dunkelfuchs bei den Oldenburger Hengsttagen 1998 zu unterstreichen: Der Reservesieger stammt von Duntroon ab. Für 400.000,-- DM wird er an das Gestüt Flyinge zugeschlagen. Ausbilden soll dieses traumhafte Reitpferdemodell Kyra Kyrklund. 400.000,-- DM – nur der Siegerhengst war 1998 teurer. Und auch in seinen Adern fließt das Blut Donnerhalls. Für 500.000,-- DM sichert sich Paul Schockemöhle den in Belgien geborenen Rohdiamant-Sohn, der aus einer Donnerhall-Stute gezogen wurde.

Donnerhall bei
der Europameisterschaft in Verden

Mal sehen, ob auch diese Enkel Donnerhalls der Tradition ihres Vaters bei der Hengstleistungsprüfung werden nacheifern können.

Hohe Punktzahlen – gerade im Teilindex Rittigkeit – gelten mittlerweile als Gütesiegel der Donnerhall-Nachkommen. Dream of Glory, der über Pik Bube, Romadour II und Urioso auf den berühmten Holsteiner Stamm der Stute Rappel zurückgeht, wird Rittigkeitssieger der HLP Medingen 1993: 146,06 Punkte stehen auf seinem Konto. Er wurde über die PSI-Auktion an den Alsenhof verkauft. Der Rappe hat aus seinen ersten Jahrgängen beständig teure Auktionsfohlen auf verschiedenen Plätzen stellen können. Und unterm Sattel kommen die Dream of Glory-Kinder ganz groß raus: Beim Bundeschampionat 1998 in Warendorf donnert es – wieder einmal – in den Pedigrees der erfolgreichen Pferde.

Bei den dreijährigen Hengsten führten über die Hälfte aller Finalisten Donnerhall-Blut. Dream of Glory stellt mit dem Hannoveraner Dreamy’s Dream und dem Württemberger Dr. Jackson den Bundeschampion und den Dritten des Finales der dreijährigen Hengste, Vize-Champion bei den Stuten und Wallachen wird die Don Primero-Tochter Donna Primera aus dem Zuchtgebiet Zweibrücken. Donnerhall und seine Söhne wirken eben bundesweit befruchtend.

Nicht vergessen werden darf dabei der Champion der fünfjährigen Dressurpferde, Del Piero (aus einer Mutter v. Matcho AA). Der Hannoveraner ist ein direkter Donnerhall-Sohn. Seine Reiterin Susan Draper hatte mit dem Oldenburger Ducello (v. Davignon) auch einen Finalisten bei den dreijährigen Hengsten unterm Sattel.

In vielerlei Hinsicht sind die Ergebnisse der Bundeschampionate 1998 charakteristisch für die Vererbung und die Bedeutung Donnerhalls: Er ist in Mode, aber ein Modehengst ist er nicht. Plateauschuhe kommen und gehen, das kleine Schwarze bleibt immer aktuell. Anders als viele Eintagsfliegen, deren Sterne so schnell aufgehen, daß man sie am Firmament gerade wahrgenommen hat, wenn sie auch schon wieder zu verlöschen drohen, bleibt Donnerhalls Licht eine feste Konstante. Beinahe ein Fixstern am Dressurhimmel. Am ehesten vielleicht mit der Venus zu vergleichen. Präsent durch intensiven Schein und beim Blick in den Himmel nicht zu übersehen. Schon da, wenn andere Sterne gerade schwach schimmern. Immer noch da, wenn die Morgenröte dem Licht des Sternenhimmels den allmorgendlichen Kampf ansagt.

Daß er seine eigenen Qualitäten an seine Kinder weitergibt, erklärt auch die ungebremste Nachfrage nach Töchtern und Söhnen auf den unterschiedlichsten Absatzveranstaltungen nahezu aller deutscher Zuchtgebiete. Die Trakehner einmal ausgenommen, wobei gerade die Anpaarung von Donnerhall mit Vertreterinnen des ostpreußischen Pferdeadels sich als durchaus erfolgreich herausgestellt hat.

Donnerhall ist in der ewigen Bestenliste der Preisschlager deutscher Auktionsspitzenpreise auf Platz drei (Verden 450.000,-- DM) und vier Vechta 420.000,-- DM) vertreten (Stand November 1998). Bei den Fohlen ist er doppelter und unangefochtener Rekordhalter.

Die erste Sensation: 1995 – während der 43. Elite-Auktion in Vechta: Bei den Fohlen tanzt ein Hengstfohlen mit der Katalognummer 17 in die Halle. Ein Donnerhall vom Scheitel bis zur Sohle. Man muß dem kleinen Mann nur ins Gesicht schauen. Unverkennbar! Seine Mutter stammt – wie könnte es anders sein- von Pik Bube ab. "Donovan Bailey" hat Uwe Heckmann den Youngster getauft. Schließlich ist der gerade Weltmeister bei der Leichtathletik WM geworden. Man muß an Morgen denken und in die Zukunft investieren. Einmal mehr bleibt im Bieterduell einzig die Hand Adrie Gordijns am längsten in der Luft. Resigniert notieren sich die Widersacher den Preis des Fohlens in ihre Kataloge: 130.000,-- DM. 1998 nimmt der Fuchs am Bundeschampionat teil und wird über die PSI-Auktion versteigert.

Im Herbst 1998 dann das Unfaßbare: Ja 130.000,-- DM für ein Fohlen sind noch zu überbieten: Wieder ist es der Auktionsplatz Vechta, wieder ist es Uwe Heckmanns Hammer und wieder heißt der Käufer Adrie Gordijn. Diesmal sind es 155.000,-- DM, die Deinhard, ein aus einer Lemon Tree-Mutter gezogener Fuchs, kostet. Deutschland steht Kopf, denn erstmals kostet das Spitzenfohlen mehr als das teuerste Reitpferd. Das wiederum, der Wallach Duisenberg, stammt von Davignon ab und ist für 150.000,-- DM zu haben, in der Preisgestaltung folgt Dark Dream (v. Don Gregory), bei den Fohlen (!) müssen für den zweitteuersten Kandidaten 70.000,-- DM (v. De Niro) angelegt werden. Dollar und Donnerhall – beides beginnt mit D!

"Ich wär so gern ein Millionär" – man muß kein Prinz sein, um diesen Traum zu träumen. Aber ein Donnerhall-Nachkomme! Auf der PSI 1998 traf sich die Hautevolee der Pferdeszene, Devise: sehen, gesehen werden, kaufen. Bei den Dressurpferden konzentrieren sich die Wünsche der Interessenten auf einen großen Fuchs. Nicht unbedingt ein Märchenprinz was den Typ anbelangt, aber ein Pferd mit drei sehr guten Grundgangarten und überragendem Talent für die Piaffe.

Der Dunkelfuchs namens Diamant trägt das bayrische Brandzeichen, seine Mutter stammt von dem Bolero-Sohn Bolschoi ab. Für eine runde Million Mark wird der Fuchs nach Bonn verkauft. Gummibärchen-Tycoon Haribo hat zugeschlagen. Entdeckt hat Ulrich Kasselmann den kalibrigen Fuchs bei einem Händler. Dorthin hatte der Züchter den Wallach verkauft, nachdem die bayrische Auswahlkommission für Auktionen den Fuchs zweimal abgeschmettert hatte, wegen "Unrittigkeit" – was ausgerechnet für einen Donnerhallsohn eine recht ungewohnte Eigenschaft darstellt. Aber in Bayern ist halt manches anders....

Der in Hannover gezogene Don Gregory, der im oldenburgischen Cappeln stationiert ist, schickt sich an, als Vererber und im Sport auf Donnerhalls Spuren zu wandeln. In Kiel gewann er 1996, damals noch unter Martina Hannöver, den Grand Prix, ist also bereits ein "klassischer Sieger" – züchterisch trumpft er seitdem auf: Daydream, aus der Trakehnerstute Cinderella gezogen, war Spitzenpferd in Vechta und dominierte im darauffolgenden Sommer die Hengstleistungsprüfung in Medingen. Ihm folgten gleich mehrere, die den Sprung in den "Club der Hunderttausender" geschafft haben. Don Gregorys Vererbungskraft ist noch längst nicht verhallt, da donnert der nächste Hengst an die Tür, beansprucht ein eigenes Kapitel im großen Buch mit der Überschrift: "Linienbegründer Donnerhall": De Niro.

Donnerhall und Maxim

1996 stand er ganz vorne bei der Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf: Der hannoversche Rappe gewann mit 145 Punkten den Teilindex Rittigkeit und wurde insgesamt Reservesieger. Er stellte hoch bezahlte Fohlen und wurde 1997 in Oldenburg als Viereinhalbjähriger zum Siegerhengst ausgerufen: Eigenleistung und Nachkommenschaft ließen De Niro als Titelträger über jeden Zweifel erhaben.

Die Oldenburger Hengsttage 1996 – auch sie kamen nicht ohne Donnerhall aus. Drei direkte Söhne wurden gekört, wovon der extrem typvolle Donatelli als bester bis ins Prämienlot vorrücken konnte. Er wird auf der Traditionsstation Kathmann in Holtrup stationiert, zwei Jahre später erhält er die Ic-Hauptprämie.

Publikumsliebling dieser Körung: ein Donnerhall-Enkel. Der Ic-Prämienhengst De la Gardie, ein Davignon-Sohn, tritt eine weite Reise an. Er wird Landbeschäler in Schweden, im Gestüt Flyinge. In der Leistungsprüfung glänzte er – in Deutschland, in Medingen, aber auch in seiner neuen skandinavischen Heimat.

Noch einmal zurück zu Donnerhall. Zu den Jahren nach Den Haag. Erster Höhepunkt des Jahres 1995: Hollywood, dort wo sich die Stars treffen. Austragungsort des Finales des Volvo Dressurweltcups. Der Auftakt, der Grand Prix, gelingt nicht fehlerfrei. Schlechte Ausgangsposition für Karin Rehbein, die dann aber nach einer sehr guten Kür insgesamt den fünften Platz erreicht. Das Ziel in dieser Saison ist klar: die Europameisterschaften in Luxemburg. Verletzungspech vereitelt allerdings eine Teilnahme. 1995 ist das einzige Jahr in Donnerhalls langjähriger Karriere, in der die Gesundheit nicht 100 Prozent mitspielt.

Der Traum von einem zweiten Auftritt in den USA, der Traum von Atlanta, von olympischem Edelmetall, der bleibt allerdings für immer nur ein Traum. Der Dressurausschuß entscheidet sich 1996 für ein Quartett ohne Donnerhall.

Donnerhall und Karin Rehbein melden sich zum Auftakt der Hallensaison im Herbst erfolgreich zurück. In Berlin gewinnen beide die Kür in der Deutschlandhalle. Dressurrichter Heinz Schütte zeigt sich von der Frische des damals Fünfzehnjährigen beeindruckt. In Neumünster, im Februar 1997, ist "Donni" in der Kür gar so keck, daß er vorwitzig nach dem Schenkel schlägt – Platz drei.

Donnerhall geht als Sieger der West-Europaliga beim Finale im niederländischen s’Hertogenbosch an den Start. Diesmal kommt Platz vier heraus.

Der letzte große Erfolg Donnerhalls, den Herbert Rehbein noch miterleben kann. Im Sommer 1997 erliegt der wohl bedeutendste Dressurausbilder der vergangenen Jahrzehnte einem Krebsleiden. Wann immer der Name Karin Rehbein in Zusammenhang mit Donnerhall fiel, klang auch sein Name an. Karin und Herbert Rehbein haben gemeinsam viele international erfolgreiche Pferde herausgebracht. Donnerhall ist ihr Meisterstück. Die Quintessenz einer Ehe, in der sich alles um das Pferd drehte.

Das CHIO Aachen 1997 ist Qualifikationsturnier für die Europameisterschaften, die in diesem Jahr im niedersächsischen Verden stattfinden. Karin Rehbein verzichtet auf den Start so kurz nach dem Tod ihres Mannes. Sie kann noch nicht wieder reiten. Der Schmerz sitzt zu tief.

Die letzte Qualifikation nutzt sie dann aber doch. Bei den deutschen Meisterschaften wird sie Zweite- "Es war sicherlich in Herberts Sinn", resümiert Karin Rehbein nach ihrem Ritt. Die Vizemeisterin wird nominiert für die EM: In Verden holen die Deutschen Dressurreiterinnen erwartungsgemäß Gold in der Mannschaftswertung. Doch wer macht das Rennen um die Bronzemedaille in der Einzelwertung? Wem gelingt der Sprung auf’s Treppchen neben Isabell Werth und Anky van Grunsven, die – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche – werden den Sieg unter sich ausmachen? Viele Wetten stehen auf Louise Nathorst und Walk on top, den Sieger des Weltcup-Finales. Doch es kommt anders: Donnerhall geht die drittbeste Kür der Europameisterschaften und erhält damit die Bronzemedaille. Nadine Capellmann-Biffar wird trotz gleicher Punktzahl nach den drei Wertungsprüfungen nur Vierte. Donnerhalls Showtalent, die bessere Kür-Placierung, ist die Basis für den Erfolg, den Karin Rehbein rückblickend als den größten ihrer Karriere betrachtet.

Dabei hätte es 1998 fast noch einmal zu einer Einzelmedaille bei den Weltreiterspielen gereicht. Das Jahr hatte schon gut begonnen: Vorne mit von der Partie beim Weltcup-Finale, dann der Derbysieg in Hamburg. Bei den deutschen Meisterschaften in Gera geht Donnerhall sein Kürprogramm, so wie es sein soll. Das reicht zwar nicht zum Sieg, aber am Viereckrand stehen einige, die in Donnerhall den eigentlichen Sieger dieser Prüfung erkannt haben wollen. Donnerhall qualifiziert sich für die Weltreiterspiele in Rom.

In der ewigen Stadt geht’s noch einmal ums Ganze. Nach dem Grand Prix ist Donnerhall Vierter: Mannschaftsgold für Deutschland. Im Grand Prix Special wieder Rang vier, in der Zwischenwertung reicht das für den dritten Platz. Beste Voraussetzung für die Kür. Hier reicht es dann "nur" für Platz fünf. In der Endabrechnung der vierte Platz.

In Rom fällt Karin Rehbein den Entschluß, Donnerhall aus dem Sport zu verabschieden. Schon vorher hat die Chefin vom Grönwohldhof betont, wenn Donnerhall abtrete, denn nur auf einem schönen Turnier. Und "er muß noch 100 Prozent fit sein". Zu viele Größen aus dem Dressurlager hat sie sang- und klanglos untergehen sehen. Zu alt, um noch im Viereck wirklich strahlen zu können. Oder aber der offizielle Veterinär sah sich gezwungen, eine Weltkarriere in einer Verfassungsprüfung zu beenden. "Das Schicksal wird Donnerhall nicht widerfahren".

In Rom geht Donnerhall seine letzte Ehrenrunde. Zumindest auf einem Turnier. Denn von der Zuchtbühne tritt er noch längst nicht ab. Es wird nur seine Verabschiedung aus dem Sport gefeiert. Auf den Oldenburger Hengsttagen 1998 erweisen mehr als 3.000 begeisterte Zuschauer der schon zu Lebzeiten zur Legende gereiften Hengstpersönlichkeit ihre Reverenz: Erfolgreiche Söhne sind erschienen: Dream of Glory, der einstige Bundeschampion Davignon, der amtierende deutsche Klassenprimus Del Piero. Da ist der fünfjährige De Niro, der plötzlich piaffiert als sei es das selbstverständlichste von der Welt. Duntroon, auf dem Sprung nach ganz oben. Außerdem die Grand Prix Sieger Don Gregory und Don Primero.

Vor allem aber ist er da: Donnerhall. Aus den Lautsprechern in der ausverkauften Weser-Ems-Halle in Oldenburg dröhnt ein stampfender Rhythmus. Synthesizerklänge, Musik, bei der jeder mit muß. Der 600.000-Mark-Lebensgewinnsumme schwere Hengst trabt herein wie ein König. Er kennt sein Publikum, er weiß, dies ist sein Auftritt. Noch einmal greift Karin Rehbein tief in die Trickkiste des Grand Prix Sports: Galoppwechsel à tempi – nicht 20, nein – weit über 40. Und Piaffen, Passagen, Energie pur! Lebensfreude, Power!

Dann der feierliche Moment: Donnerhall steht in der Mitte, daneben sein Züchter Otto Gärtner. Peter Wandschneider, der Stallmanager vom Grönwohldhof wird dazu gebeten. Und Paul, der englische Pfleger, der Donnerhall in den vergangenen Jahren begleitet hat. Donnerhall, der ein zweites Mal in seinem Leben mit dem Titel "Oldenburger Dressurhengst des Jahres" ausgezeichnet wird, bekommt eine große Schubkarre Mohrrüben. Dann kommen seine Söhne, im Halbkreis nehmen sie Aufstellung. Das Licht geht aus. Oldenburgs Auktionsmanager Uwe Heckmann hat die Regie ausgetüftelt: 80 kleine Kinder kommen in die abgedunkelte Arena. Sie tragen Laternen. Auf jeder einzelnen prangt das Oldenburger Brandzeichen: Ein Zuchtgebiet sagt "Dankeschön Donnerhall". Die Kerzen flackern in den von Kinderhand getragenen Lampions. Ein diffuses Licht beleuchtet die Szene: Der Protagonist steht da. Gleich einem Denkmal. Unbeweglich, nur seine Augen leuchten. "Ich bete an die macht der Liebe" – der Choral mit Gänsehaut-Garantie erschallt. Längst stehen die Menschen in der Weser-Ems-Halle. Andächtig lauschen sie den Klängen. Mehr als ein Auge, das da feucht wird.

Dann das Finale – die 80 Kinder bilden eine schmale Gasse. Über die Mittellinie geht Donnerhall auf seine definitiv letzte Ehrenrunde vor den Augen "seiner" Oldenburger Züchter. Im Spot passagiert Karin Rehbein durch das Lichtermeer der Laternen. Zwei-, dreimal piaffieren sie noch auf dem Weg nach draußen. Donnerhall tanzt, strahlt. Das Publikum ist außer sich. Dann die letzten 20 Meter. Eine letzte Trabverstärkung. Karin Rehbein winkt. Draußen wird sie von jedem der Kinder eine rote Rose erhalten.

Donnerhall und Peter Wandschneider

Szenen wie diese wiederholen sich in den folgenden Wochen. Die große Abschiedstournee durch ganz Deutschland – ein Triumph aller Orten. In der Stuttgarter Schleyerhalle am vorletzten Novemberwochenende genauso wie – vor heimischen Publikum – in Schleswig-Holstein, in der Kieler Ostseehalle am ersten Advent.

Keine Frage – Donnerhall ist es gelungen, eine eigene Hengstlinie zu begründen. Ein Ausnahmevererber, der sogar Holsteiner Stuten decken darf. Und das, obwohl doch die "Knaller aus dem Norden" eigentlich allen fremdblütigen Hengsten skeptisch und ablehnend gegenüberstehen. Donnerhall ist in den Niederlanden und in Belgien, in den USA und in Dänemark, Österreich und Frankreich anerkannt. Söhne und Enkel wachsen weltweit heran und sorgen für die Verbreitung der Gene, die vor allem eines garantieren: Rittigkeit und Intellekt. Die, bei Licht besehen, wohl wichtigsten Qualitätsmerkmale in der Warmblutzucht.

Ein Blick auf die Körplätze der führenden deutschen Zuchtgebiete im Herbst 1998 unterstreicht Donnerhalls Bedeutung: In Hannover werden mehrere Söhne und Enkel gekört. Ein direkter Donnerhall-Sohn (Mutter v. Matcho AA) steht im 1. Celler Lot, sieht einer Karriere als Landbeschäler entgegen.

In Warendorf donnert es sogar an der Spitze. Bei der NRW-Körung stammt der Siegerhengst von Donnerhall (Mutter v. Rosenkavalier). Auch er wird Landbeschäler. Der Reservesieger (v. Donnerwind-Mephistopheles) setzt die Generationsfolge fort. Und in Oldenburg stammt der Siegerhengst aus einer Donnerhall-Mutter, auch der Reservesieger führt den Jahrhunderthengst in zweiter Generation. Er hat Duntroon zum Vater.

118 Siege in S-Dressuren, eine Lebensgewinnsumme von annähernd 640.000,-- DM. Allein in Deutschland sind 250 Nachkommen in Sport erfolgreich.

Ohne Zweifel ist Donnerhall der bedeutendste Dressurhengst der Gegenwart. Ohne Zweifel ist er ein Linienbegründer. Einer, von dem auch im Jahr 2050 mit Respekt gesprochen werden wird. Egal in welche Richtung sich die Reitpferdezucht entwickeln wird: Einen Hengst wie Donnerhall wird die Welt immer brauchen!


Jan Tönjes

 


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