HAUPTGESTÜT GRADITZ IN SACHSEN

Graditz findet als Gestüt schon 1630 Erwähnung, doch erst 1722, als Hofbaumeister Pöppelmann von August dem Starken den Auftrag erhielt, ein Gutshaus zu errichten, beginnt die Geschichte des damaligen Hofgestüts.
Im Vordergrund stand die Versorgung des kurfürstlichen Marstalls mit geeigneten Pferden, erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts standen ausgewählte Hengste auch als Landbeschäler zur Verfügung.
Mit der Übernahme durch den preußischen Staat (1815) bekam Graditz die Bedeutung, die es über mehr als ein Jahrhundert inne hatte.
In das "Königlich-Preußische Hauptgestüt" wurden Stuten aus Trakehnen und Neustadt eingestellt und schon ein Jahr später betrug die Mutterstutenherde 200 Köpfe. 1866 wurde die gesamte Vollblutzucht in Graditz zentralisiert.
Georg Graf von Lehndorff, Landstallmeister von 1866 bis 1906, ab 1887 bis 1912 Oberlandstallmeister und Leiter der preußischen Gestütsverwaltung, oblag es, die bis dato auf wenige Privatgestüte, vornehmlich in Mecklenburg und Schlesien beschränkte Vollblutzucht im staatlichen Auftrag aufzubauen und zu konsolidieren. Er richtete sein Augenmerk jedoch auch auf die Versorgung der Warmblutzucht mit geeigneten Vollbluthengsten.
Wenn immer wir auf das Zitat "Blut ist der Saft, der Wunder schafft!" stoßen, werden wir an Graditz erinnert, und bis heute ziert dieser Ausspruch des Grafen von Lehndorff den Stutenstall.
Zur großzügig angelegten Gestütanlage in den Elbniederungen, mitunter auch als "Sandwüste" bezeichnet, gehörten umfangreiche Stallkomplexe, die mit dem um das Gestüt gruppierten Gestütsdorf bis heute ein architektonisch einmaliges Ensemble bilden.

Der preußische Staat ließ sich seine Vollblutzucht einiges kosten und kaufte unter anderem für eine immense Summe den in Irland geborenen Dark Ronald xx, Hauptbeschäler in Graditz und Linienbegründer der deutschen Vollblutzucht. Erwähnenswert sind zudem die Enkel des ungeschlagenen St. Simon, Ard Patrick und Nuage, die hervorragende Rennpferde, Stuten und Hengste hinterlassen haben. Deutlich wird die Klasse der Graditzer Pferde, die in Hoppegarten bei Berlin trainiert wurden, durch neun Siege im Deutschen Derby zwischen 1886 und 1920.
Der unübersehbaren Dominanz der traditionell in schwarz-weiß laufenden Graditzer versuchte der Union-Club mehrfach dadurch einen Riegel vorzuschieben, indem man sie in einigen Rennen vom Start ausschloß oder aber auf das errechnete Generausgleichgewicht einige Kilo "draufpackte".
Als eine Blutanämieinfektion die gesamte Gestütsherde erfaßte, wurden sämtliche Vollblüter in das unter Order von Burchard von Oettingen stehende, 1919 gegründete Hauptgestüt Altefeld in Hessen verbracht.
1930 kehrten sie nach Graditz zurück und dem Dark Ronald-Sohn Herold gelang es, in den folgenden Jahren mit Dionys und dem überragenden Alchimist zwei Derbysieger zu stellen.
Als Folge des 2. Weltkriegs kam es zur Auflösung der Gestütsherde:
Im Frühjahr 1945 bezogen zunächst aus Trakehnen evakuierte Hengste und Stuten auf ihrem Marsch in den Westen ihre Boxen; im April 1945 verfügte der Stab einer sowjetischen Panzerarmee den Abtransport der Pferde.
Kurzfristig diente Graditz der Roten Armee als Pferdedepot, doch schon in den fünfziger Jahren baute man unter unsäglichen Schwierigkeiten das Vollblutgestüt wieder auf - unter anderem durch den Ankauf von Hengsten in Westdeutschland.

HAUPTGESTÜT GRADITZ IN SACHSEN

Asterios von Oleander wurde im Gegenzug gegen Birkhahn von Alchimist, Derbysieger von 1948, angepachtet und als Hauptbeschäler aufgestellt.
Die Bilanz der folgenden Jahre konnte sich sehen lassen: Zwischen 1954 und 1990 stellte Graditz beim DDR-Derby in Hoppegarten 15 Champions, darüber hinaus waren Vollbluthengste aus Graditz für die Reitpferdezucht der ehemaligen DDR von eminenter Bedeutung.
Heute fährt man zweigleisig: Die Vollblutherde
steht in privatem Besitz und die Tradition der Graditzer Zucht ist somit gesichert. Die Population entspricht durch Ankäufe in England, USA und Irland internationalem Standard und die Rennpferde laufen in klassischem schwarz-weiß.
Die Sächsische Gestütsverwaltung unterhält eine durch Edelblut geprägte, etwa 30 Köpfe umfassende Stutenherde zur Zucht potenzieller Hengstanwärter.
Als Hauptbeschäler werden vornehmlich Trakehner Hengste eingesetzt.

Hauptgestüt Graditz
Leitung: Steffen Bothendorf
Dorfstr. 65
D-04860 Torgau-Graditz
Tel.: 0049-(0)3421-902781
Fax.: 0049-(0)3421-902280
e-mail: gestüt-graditz@freenet.de

Gestütsleiter Steffen Bothendorf
Gestütsleiter Steffen Bothendorf

 


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