HAUPT- UND LANDGESTÜT MARBACH
IN BADEN-WÜRTTEMBERG
Marbach an der Lauter, durch Herzog Ludwig von Württemberg
1573 als Hofgestüt gegründet, gilt als ältestes Staatsgestüt
Deutschlands.
Zunächst entstand auf dem Hofgut Einsiedel ein Gestüt mit dem
Ziel, Pferde für den Hof in Urach zu züchten. Nach dem Verfall
des wenig später gegründeten Gestüts in Oberfeld konzentrierte
Herzog Christoph die Pferdezucht auf dem benachbarten Lehensgut und späteren
Hofgestüt Marbach mit dem Einsatz von Hengsten unterschiedlichster
Populationen.
Sein Sohn Ludwig benutzte ab 1573 vorwiegend Andalusier und Neapolitaner,
deren Nachzucht im damaligen Dominikanerinnen-Kloster und jetzigen Gestütshof
Offenhausen untergebracht wurden.
Im 30-jährigen Krieg wurden das Hofgestüt und das heutige Vorwerk
Güterstein, ursprünglich ein Zisterzienserkloster, weitgehend
zerstört. Unter König Wilhelm I. von Württemberg entstand
Anfang des 19. Jahrhunderts ein neuer Gestütshof, auf dem heute unter
anderem Stutfohlen aufgezogen werden.
St. Johann ist der größte Gestütshof, gehörte ursprünglich
zum Kloster Güterstein und diente der Fohlenaufzucht; heute ist es
ein vorwiegend landwirtschaftlich genutzter Betrieb.
Zum riesigen Areal des HuLG gehören weiterhin die Vorwerke
Hau, Fohlenhof und Schafhaus. Analog allen anderen Zuchtgebieten wurde
auch die Pferdezucht in Baden und Württemberg in den folgenden Jahrhunderten
durch die jeweiligen Landesherren geprägt und zog den Einsatz von
Hengsten unterschiedlichster Populationen nach sich.
So setzte der verschwenderische Herzog Karl Eugen Mitte des 18. Jahrhunderts
neben Holsteinern und Oldenburgern auch blutgeprägte Zuchtpferde
ungarischer und neapolitanischer Abstammung ein, wenig später bevölkerten
falb- und isabellfarbene, aber auch gescheckte und getigerte Pferde das
Hofgestüt, dessen Aufrechterhaltung Unsummen verschlang.
Um 1770 besaß das Gestüt weit über 700 Pferde, die für
die Landwirtschaft jedoch überwiegend ungeeignet waren.
Mit dem Amtsantritt von König Wilhelm I. (1816) kam es zu einer Neuordnung
der Pferdezucht und einer Trennung des Hofgestüts und der Landespferdezucht;
letztere wurde in Marbach mit den Gestütshöfen Offenhausen,
Güterstein und St. Johann konzentriert.
Trotz des Einsatzes schwerer ungarischer Hengste und Anglo-Normänner-Stuten
blieben die Nachkommen noch immer zu leicht, so dass wiederum Hengste
aus den norddeutschen Marschen eingesetzt wurden. Erst mit der Festlegung
auf einen für das Militär wie die Landwirtschaft geeigneten
Pferdetyp, der unter Landoberstallmeister Cäsar von Hofacker entstand,
kann von einer Konsolidierung gesprochen werden.
Von Hofacker erwarb unter anderem Zuchtpferde aus Ostpreußen, wobei
er die kleinen, gedrungenen Typen mit viel Rumpftiefe bevorzugte. In Kombination
mit Anglo-Normannen, darunter der Linienbegründer Faust, aber auch
Comet, Communist und Mc Mahon, entstand das Württembergische Warmblutpferd,
das um 1900 hinsichtlich Größe und Typausprägung ein recht
homogenes Bild bot.
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Nachfolgende Zuchtversuche mit Holsteinern und Oldenburgern,
aber auch Hengsten aus Hannover, erwiesen sich nur bedingt als erfolgreich,
obwohl der Oldenburger Elegant über seinen Sohn Flieder Gründer
einer Hengstlinie wurde.
Während man zwischen 1917 und 1931 gänzlich auf die Einkreuzung
fremden Bluts verzichtete, erinnerte man sich nach dem 2. Weltkrieg an
den ehemals segensreichen Einfluss des ostpreußischen Pferdes und
setzte mit Golddollar einen Trakehner mit durchschlagender Vererbung ein.
Als Volltreffer aber erwies sich der seinerzeit schon recht betagte, ehemalige
Georgenburger Landbeschäler Julmond v. Julianus, ab 1960 Hauptbeschäler
in Marbach und Reformator der baden-württembergischen Pferdezucht
mit 22 gekörten Söhnen und über 20 Gestütsstuten.
Ihm folgten Schabernack, Kastor und der überragende Pregel. Der heutige
Bestand ist geprägt durch zahlreiche Beschäler aus der Landespferdezucht,
darunter der in Marbach gezogene Rappe Gardez von Ganymed I, dessen Mutter
Herzblatt von Herzbube/T. 18 Fohlen zur Welt brachte
Besondere Bedeutung erlangten aber auch Gabriel v. Grande, Pikfein v.
Pik Bube I und Flirt v. Futuro. Der massive Einsatz von Holsteiner trägt
erste Früchte, von den in Oldenburg und Hannover erworbenen Hengsten
verdienen Glorieux, Grafenstein, Lenys Lemon und Matcho Son besondere
Erwähnung.
Bislang ist ein Linienbegründer vom Format eines Julmond nicht in
Sicht, was kein Manko sein muss, zumal die Gestütsleitung angesichts
der zahlreichen privaten Deckstationen in Baden- Württemberg flexibel
reagieren muss und diesbezüglich in der Vergangenheit ein feines
Händchen bei ihren Hengstankäufen bewiesen hat.
Zu den Aushängeschildern des HuLG im Sport zählen die Springstute
Galathee von Ganymed I, inzwischen international erfolgreich unter Dirk
Ahlmann, und der Rappe Gachino von Gardez, der nach seinem Sieg in der
Leistungsprüfung Landes- und Süddeutscher Champion wurde und
von Olympiasiegerin Ulla Salzgeber für internationale Auftritte vorbereitet
wird. Bis Grand Prix Special erfolgreich ist der in Marbach geborene Astolfi
von Adriano.
Die Vollblutaraberzucht Deutschlands lag und liegt ausschließlich
in privater Hand - mit einer Ausnahme: Zwischen 1814 und 1819 erwarb König
Wilhelm I. einige Hengste und Stuten aus dem Orient und legte damit den
Grundstock für sein Privatgestüt Weil bei Esslingen. 1932 wurde
die Mehrzahl der Hengste und Stuten vom Land Baden-Württemberg übernommen
und erhielten in Marbach eine neue Heimat.
Der in Ägypten erworbene, bildschöne Hauptbeschäler
Hadban Enzahi prägte die Marbacher-, aber auch die deutsche und internationale
Araberzucht wie kein anderer, der Rappe Gharib als sein Nachfolger war
ein würdiger, gleichfalls überzeugender Spitzenbeschäler.
Allein die Vollblutaraber sind einen Besuch in Marbach wert.
Eine weitere Spezialität ist das Schwarzwälder Kaltblut, Füchse
mit üppiger blonder Mähne und Schweif, die sich großer
Beliebtheit erfreuen. Süddeutsche Kaltblüter gehören ebenso
zum Beschälerbestand wie einige Haflinger, Vollblüter und Hengste
der Rasse Schweres Warmblut.
Hinsichtlich seines Hengstangebots ist Marbach "up to date",
ausgewiesen durch den Einsatz von Reitpferdehengsten aktueller Blutlinien.
Dem Haupt- und Landgestüt, das alljährlich hunderttausende von
Besuchern aus aller Welt besuchen, ist die Reit- und Fahrschule angeschlossen,
zudem gehören zum HuLG Prüfstationen für Bullen, Hühner,
Schweine und Schafe.
Die Hengstleistungsprüfungsanstalt erfreut sich seit Jahren großer
Beliebtheit und wird auch von Hengsthaltern aus Norddeutschland stark
frequentiert.
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Haupt- und Landgestüt Marbach
Leitung: Landoberstallmeister
Dr. Helmut Gebhardt
D-72532 Gomadingen-Marbach
Tel.: 0049-(0)7385-96950
Fax.: 0049-(0)7385-969510
e-mail: poststelle@hul.bwl.de
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Landoberstallmeister Dr. Helmut Gebhardt |
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