SÄCHSISCHES LANDGESTÜT MORITZBURG

Die Errichtung des Landgestüts Moritzburg, nach der deutschen Wiedervereinigung wie das Hauptgestüt Graditz der Sächsischen Gestütsverwaltung unterstellt, durch König Anton "den Gütigen" erscheint im Vergleich zu den anderen Staatsgestüten relativ spät.
Tatsächlich ist die Pferdezucht Sachsens und Thüringens weitaus älter, denn schon im 16. Jahrhundert finden Gestüte in Merseburg, Borschütz, Kalkreuth und Stolpen Erwähnung; im 17. Jahrhundert sind es Veßra, Wendelstein, Paudriztsch und Zella. 1630 ist erstmals von Graditz die Rede, und Ende des 17. Jahrhunderts entstand das Torgauer Gestüt, zu dem außer Graditz noch Kreyschau, Repitz, Döhlen sowie Neu- und Altblessern gehörten.
Die Landespferdezucht befand sich im 17. Jahrhundert in einem desolaten Zustand, zumal Hengste aus den fürstlichen Gestüten Landwirten und Grundbesitzern nicht zur Verfügung standen, vielmehr "Hengstreiter" von Dorf zu Dorf zogen.
Das Ergebnis war eher planlose Vermehrung denn sinnvolle Zucht, und erst ab 1766 kamen erste Landbeschäler zum Einsatz. Mit der Errichtung eines Landgestüts in Annaburg (1800) wurden erste Weichen gestellt; erstmals wird auch Moritzburg erwähnt, zunächst jedoch als Filiale der "Landfohlenerziehungsanstalt" Annaburg.
König Anton verfügte 1828, " ... daß künftighin die Landbeschäler nach Ablauf der Deckzeit nach Moritzburg gebracht werden sollten".

Das ursprüngliche Jagdhaus vor den Toren Dresdens ließ Kurfürst Friedrich August II., in die Geschichte als August der Starke eingegangen, zu dem beeindruckenden, von Wasser umgebenen Barockschloß Moritzburg umbauen.
Nach den Plänen des Hofbaumeisters Pöppelmann entstand vis à vis des Schlosses zwischen 1733 und 1735 ein Stallgebäude, in dem die Jagdpferde des Kurfürsten untergebracht waren;
gut 100 Jahre später bezogen, nach Vergrösserung der Stallungen, Landbeschäler ihre Boxen.
Zunächst kamen blutgeprägte Hengste aus Mecklenburg und Ungarn, aber auch Beschäler spanisch-neapolitanischer Herkunft zum Einsatz, später Ostpreußen und Anglo-Normannen.
Ab 1873 stellte man das Zuchtziel auf "ein kurzbeiniges, stämmiges, für Wagen und Pflug gleich geeignetes Pferd im Typ des Oldenburgers" um.
Unter der Ägidie verschiedener Grafen von Münster, Landstallmeister zwischen 1877 und 1920, rekrutierte sich der Beschälerbestand seinerzeit zu zwei Dritteln aus Oldenburger Hengsten. Dr. Ernst Bilke, Landstallmeister von 1936-1945, forcierte deren Einsatz durch diverse Ankäufe in Oldenburg, aber auch in Ostfriesland.
Bilke erlebte in Moritzburg das Ende des 2. Weltkriegs - auch die Verbrennung des gesamten Gestütsarchivs durch sowjetische Soldaten auf dem Innenhof des Gestüts.
Dr. Hans-Joachim Schwark, später Professor und Leiter des Wissenschaftsbereichs Rinder- und Pferdezucht an der Universität Leipzig, war mit der Leitung des Hengstdepots von 1958-1962 betraut, nachdem Erwin Hager, später Leiter des Vollblutgestüts Graditz, über zehn Jahre hervorragende Arbeit geleistet hatte.
Die Bezeichnung Landgestüt verlor Moritzburg 1951, denn die Deckstationen wurden auf volkseigene Güter verlegt.
Es verblieb die Hengstprüfungsanstalt; die Reithalle und Teile der Stallungen bevölkerten Schweine und Kälber. Wenig später erhielt Moritzburg den Status eines Hengstdepots analog Redefin und Neustadt.

SÄCHSISCHES LANDGESTÜT MORITZBURG

Entscheidend geprägt wurde die Entwicklung des Hengstdepots und der gesamten Pferdezucht in Sachsen und Thüringen zwischen 1962 und 1985 durch Dr. Herta Steiner, die Hengste mecklenburgisch-brandenburgischer Abstammung, aber auch Trakehner und Vollblüter aufstellte. Die Erhaltung des schweren Warmbluts auf oldenburgisch-ostfriesischer Grundlage ist ihr zu verdanken.
Diese alte Kulturrasse, in ihren ursprünglichen Zuchtgebieten nur noch in Restbeständen erhalten, erfreut sich heute großer Beliebtheit.
Als Folge der deutschen Wiedervereinigung 1990 erhielt Moritzburg wieder den Status eines Landgestüts und beherbergt heute in seinen historischen Mauern über 40 Reitpferdehengste verschiedener Populationen, darunter aus thüringischer und sächsischer Zucht, vornehmlich aber aus den norddeutschen Hochzuchtgebieten und Trakehner Hengste.
Neben den Schweren Warmblütern zählen zur Rassenpalette auch Haflinger, Kaltblüter, Vollblüter und einige Reitponies bei einem Bestand von über 100 Hengsten.
Zum Gestüt gehört die Sächsische Landesreit- und Fahrfachschule als Nachfolgerin der ehemaligen Schule in Leisnig, gleichzeitig ist Moritzburg Prüfungsanstalt für Hengste der Rassen Haflinger, Kaltblüter und
Schweres Warmblut.

Sächsisches Landgestüt
Leitung: Dr. Matthias Görbert
Schloßallee 1
D- 01468 Moritzburg
Tel/Fax.: 0049-(0)35207-81407 + 81775
e-mail: Oehme.Annelies@gsv.lfl.smul.sachsen.de

Dr. Matthias Görbert
Dr. Matthias Görbert

 


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