BRANDENBURGISCHES HAUPT- UND LANDGESTÜT NEUSTADT AN DER DOSSE

Als Folge der deutschen Wiedervereinigung entstand 1992 durch die Zusammenlegung von Hengstdepot und Stutenherde gewissermaßen zum zweiten Mal das 1788 durch Friedrich Wilhelm II. gegründete Haupt- und Landgestüt Neustadt a. d. Dosse - mit 400 ha eine der größten staatlichen Gestütsanlagen Deutschlands.
In der Gründungsphase kamen zunächst Hengste aus Trakehnen, Hannover, Mecklenburg und Frankreich zum Einsatz. Graf von Lindenau, vom König mit der Reorganisation des preußischen Gestütswesen beauftragt, erschienen sie jedoch nicht edel genug, so dass er vermehrt Vollblüter und Araber importierte.
Neben Bayan, seinem Sohn Pretender und Mocraby erlangte der Araberhengst Turkmainatti, ein Geschenk des österreichischen Staatskanzlers Kaunitz an den deutschen König, die größte Bedeutung. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden vorwiegend Vollbluthengste benutzt. Um 1845 standen gar 36 Galopper im Training, und zwei Jahre später fand das erste Pferderennen auf dem Areal des Gestüts statt.
1876 wurde das Gestüt durch das preußische Abgeordnetenhaus geschlossen - die Vollblüter gingen nach Graditz und Beberbeck.
Züchterischen Experimenten mit Kaltblütern und schweren Warmblütern folgte der erneute Einsatz von Arabern und Vollblütern, nunmehr auf Anweisung von Kaiser Wilhelm II., der sich dadurch bessere Remonten für seine Husaren erhoffte.

In der Amtszeit des Grafen Siegfried von Lehndorff kamen starke und kalibrige Hengste zum Zuge, später benutzte man verstärkt Ostpreußen und Hannoveraner. Dr. Heling, ab 1930 Landstallmeister, holte die Ostpreußen Ataman und Praetor nach Neustadt, und durch seine Fürsprache gelangten nach dem 2. Weltkrieg die Hannoveraner Duell I und II nach Neustadt.
Der letzte Landstallmeister Wilhelm Güntzel kapitulierte ebenso wie die deutsche Wehrmacht: Im Sommer 1945 verlud die Rote Armee sämtliche Pferde und alles, was buchstäblich nicht niet- und nagelfest war, gen Osten.
Gustav Condereit erwies sich in der schwierigen Nachkriegszeit als "Jäger und Sammler" und suchte mit Billigung der sowjetischen Kommandatur im gesamten Land nach geeigneten Stuten und Hengsten zum Aufbau einer neuen Zucht.
Der Auflösung sämtlicher Landgestüte in der DDR im Jahre 1953 folgte wenig später die Bildung von drei Hengstdepots: Neustadt, Moritzburg und Redefin.
Mit der 1971 erfolgten Inbetriebnahme des "Zentralen Verkaufsstalls der DDR" in Neustadt versprach man sich nicht zuletzt harte Devisen.
Unter der Regie von Heinz Hoppe setzte man ab 1965 verstärkt auf Trakehnerhengste, darunter Neumond, Drusus und Sturmwind.

BRANDENBURGISCHES HAUPT- UND LANDGESTÜT NEUSTADT AN DER DOSSE

Als Reformator der Zucht erwies sich der über Archimedes und Lateran/Tr. edel gezogene Hannoveraner Adept, Begründer einer bis heute blühenden Hengstdynastie.
Zum bedeutendsten Sproß der in Hannover
erloschenen King-Linie gehört der Mecklenburger Schimmel Kolibri von Kobold I-Lapis/Tr., dessen Großvater Komet sich als exzellentes Springpferd und Ausnahmevererber erwiesen hatte. Er wurde gewissermaßen zum Retter dieser Linie, die über Kobold I mit dem 1979 geborenen Kolibri, als "Landgraf des Ostens" tituliert, fortgesetzt wird. Vier seiner Söhne gehören zum aktuellen Beschälerbestand.
Die hochklassige Mutterstutenherde umfaßt ca . 30 bis 40 Köpfe und dient in erster Linie der Zucht potenzieller Landbeschäler, während züchterisch nicht eingesetzte Nachkommen als Reitpferde verkauft werden.
Der derzeitige Beschälerbestand von über 60 Reitpferdehengsten rekrutiert sich aus Hengsten der Zuchtgebiete Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hannover, Westfalen, Holstein und Oldenburg. Erstklassige Vollblüter und Trakehner, aber auch Araber, Haflinger und Kaltblüter stehen den Züchtern ebenfalls zur Verfügung.
Dem Haupt- und Landgestüt, dessen Hengste in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zum Einsatz kommen, ist die alljährlich ausgebuchte, in einem sehr guten Ruf stehende Hengstleistungsprüfungsanstalt und die Reit- und Fahrschule angegliedert.


Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt
Leitung: Landstallmeister Dr. Jürgen Müller
Havelberger Str. 20
D-16845 Neustadt (Dosse)
Tel.: 0049-(0)33970-13494/5
Fax.: 0049-(0)33970-13385
e-mail: BHLGneustadt@aol.com

Landstallmeister Dr. Jürgen Müller
Landstallmeister Dr. Jürgen Müller

 


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