LANDGESTÜT ZWEIBRÜCKEN IN
RHEINLAND PFALZ
Hinsichtlich des derzeitigen Beschälerbestandes ist
es das kleinste Landgestüt, doch der historische Rückblick macht
deutlich, dass es einst zu den größten Staatsgestüten
mit einer höchst wechselvollen Geschichte zählte.
Herzog Christian IV. gilt als eigentlicher Gründer: Nach einem Besuch
in England von Vollblütern fasziniert, entstanden unter seiner Ägidie
zwischen 1752 und 1755 herzogliche "Einrichtungen" in Birkhausen,
auf dem Eichelscheiderhof, bei Kirkel und auf dem Holzhauserhof.
Im Gründungsjahr 1755 erließ er eine Verordnung, in der er
die Aufstellung von Hengsten auf Beschälstationen im Herzogtum Zweibrücken
regelte. Sein Nachfolger, Herzog Karl II. August, verfügte weitblickend,
dass " .... in unseren gesamten herzoglichen Landen thunlich schöne
- brauchbare und gute Pferde gezogen werden" sollen.
Bemerkenswert ist der Ankauf von 150 Hengsten aus Zweibrücken durch
den preußischen König für sein Paradegestüt Trakehnen
im Jahre 1783.
Als Folge der Besetzung durch französische Revolutionstruppen
(1793) brachte man alle Gestütspferde nach Rosieres aux Salines,
doch schon 1806 sorgte Napoleon für die Wiedereinrichtung des Zweibrücker
Hauptgestüts, das durch Zukäufe aus deutschen Zuchten sowie
Spanien und Ungarn schließlich über 260 Hengste und weit über
100 Stuten verfügte, wobei die Hengste mehrheitlich auf Depots in
fünf heute zu Frankreich gehörenden Departements standen.
1814 flüchtete Gestütsdirektor Strubberg als Folge der Befreiungskriege
mit einigen Hengsten und Fohlen nach Fontainebleau: Zwei Jahre später
kam die Pfalz unter bayerische Herrschaft und fortan setzte man vornehmlich
Anglo-Normannen und Araber ein. 1890 wurde aus dem Kreis- und Landgestüt
Königlich-Bayerisches Land- und Stammgestüt.
Gut zehn Jahre später zählten annähernd 260 Pferde zum
Gestüt, darunter 74 Hengste. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts
führte der Wegfall der Remontezucht, verbunden mit einer Intensivierung
der Landwirtschaft, zum verstärkten Einsatz von schweren Warmblütern,
darunter aus Oldenburg.
Während des 2. Weltkriegs wurden sämtliche Gestütspferde
zweimal nach Bayern evakuiert; mit Kriegsende endete die bayerische Regentschaft
und Zweibrücken unterstand fortan dem rheinland-pfälzischen
Landwirtschaftsministerium.
Unter den im Jahre 1946 eingesetzten 58 Hengsten befanden sich 18 Kaltblüter,
die jedoch schnell ausrangiert wurden, um Trakehnerhengsten wie Apfelkern,
Fantast, Herodes, Reichsfürst und Waldfeuer, die überwiegend
gestütseigene Stuten deckten, Platz zu machen.
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Zwischen 1966 und 1976 rekrutierte sich die Hälfte
des Beschälerbestandes aus Hengsten mit der Elchschaufel, darunter
Intermezzo, Schöner Abend und Halali. Den Status eines Hauptgestüts
verlor Zweibrücken 1960: Nach dem Verkauf der Stutenherde stellte
man auch die Zucht auf dem Stammgestüt Eichelscheiderhof ein, während
der Nebenbetrieb Birkhausen vom Trakehner Verband übernommen wurde.
In relativ kurzer Zeit wechselte man den gesamten Beschälerbestand
aus und hannoversche Hengste bezogen ihre Boxen, darunter Diskus, Dörfler,
Dewet, Cerberus, Latour und Kurpfalz. Besonderen Einfluß erlangten
Mars v. Marconi, Dukat v. Duft II, Duellfürst v. Duellant, Einstein
v. Einglas und Waldjäger v. Waldfrieden.
In jüngster Zeit machten besonders der Weingau-Enkel Weinberg und
Genius v. Gotthard auf sich aufmerksam, als herausragende Vererber erwiesen
sich Grandus v. Graphit, Wörth v. Woermann, Garant v.Garibaldi II,
Graz v. Garibaldi I und Westrich v. Werther.
Der heutige Beschälerbestand ist durch hannoversche, westfälische
und Holsteiner Hengste geprägt, aber auch Trakehner und Vollblüter
kommen zum Einsatz.
Seit einigen Jahren werden auf dem großzügigen Areal des Landgestüts
auch Hengstleistungsprüfungen durchgeführt, wie überhaupt
auffällt, dass vielfältige Aktivitäten rund ums Pferd das
Geschehen in der Stadt der Rosen und Rösser prägen.
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Landgestüt Zweibrücken
Leitung: Dr. Hans-Dieter Nebe
Gutenbergstr. 16
D-66482 Zweibrücken
Tel.: 0049-(0)6332-17556
Fax.: 0049-(0)6332-75822
e-mail: umarienfeld.lg-zb@agrarinfo.rlp.de
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Dr. Hans-Dieter Nebe |
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